Endlich kamen in der vorletzten Woche die No-Go-Areas, mit denen der ehemalige Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye der Debatte um die mangelnde Integration ein Gegengewicht entgegengehalten hat. Danke dafür, Herr Heye! Nun hat Eberhard Seidel in der TAZ vom Wochenende einen klugen Essay geschrieben, in dem er die Integrationsdebatte und die No-Go-Areas zusammendenkt. Verkürzt gesagt plädiert er für folgendes: It’s the economy, stupid.
Anstelle dusselige kulturalistische Argumente ins Feld zu führen. Wie zum Beispiel: Im Islam werden Frauen eben unterdrückt, zwangsverheiratet oder ‘ge-ehren-mordet’. Oder, andere Seite: Die jungen Neonazis im Osten sind das Relikt einer unfreien DDR-Diktatur-Vergangenheit. Beides ist natürlich falsch, der Islam ist eine Religion, kein Erlass zur Unterdrückung und die Neonazis sind natürlich gar nicht in der DDR, sondern größtenteils in der vereinigten BRD aufgewachsen, weil jung. Anstelle also dieser kulturalistischen Argumente führt Seidel beides auf die ökonomische Perspektivlosigkeit zurück. Und das sollte man sich mal durchlesen, anhören, reinziehen, kurz: Dem sollte man sich mal stellen.
“Zurück bleiben Sozialmilieus, die nur noch wenig mit den materiellen Standards und kulturellen Codes der tonangebenden Mittelschichten verbindet. In keiner der Zonen, die es in den zurückliegenden Monaten in die Schlagzeilen schaffte, liegt die reale Arbeitslosenrate unter 30, 40 Prozent. Die Menschen wissen längst, was kein Politiker öffentlich zugeben mag: Die Gesellschaft braucht einen Großteil der Bevölkerung in diesen Angstzonen nicht mehr. In der Ökonomie gibt es keinen Platz für sie. Heute nicht und auch morgen nicht – nicht einmal in der Armee. Die Ära der Bauhelfer, Bandarbeiter, Gabelstapelfahrer, Stahlkocher, Bergleute und Infanteristen ist Geschichte.”
Und weiter:
“Die bürgerlichen Schichten haben diesen Milieus wenig zu bieten. Keinen Willen zur Umverteilung der Arbeit, keine Ideen für eine Gesellschaft, der die Arbeit ausgeht. Wertkonservative Beschwörungen von Familienwerten und bürgerlichen Tugenden tragen vielleicht zur eigenen (bürgerlichen) Selbstvergewisserung und Identitätsbildung bei – nichts aber zur Bewältigung einer der größten gesellschaftlichen Herausforderungen.”
Da sollten wir jetzt vielleicht mal ansetzen.
Ohne Zweifel hat es in den Neunzigern so etwas wie einen “medial turn” gegeben. Heißt: Die Medien haben alle möglichen kulturwissenschaftlichen Fächer durchgerüttelt und erweitert. Nach der ersten aufgeregten Ankunftsphase gilt es nun jedoch zu fragen, was nun weiter mit dem Bereich passieren soll. Die Medien der Geschichte – ein umfassender Sammelband, der tendenziell von Historikern gefüllt wird, gibt hier Orientierung und stellt intelligente Fragen danach, wie sich Medien und Geschichte überschneiden. Und zwar ohne Angst vor Theorie – eine erfreuliche, lobenswerte Ausnahme. Der Band versammelt zugleich mit 25 Beiträgen auch allerlei konkrete und praktische Ansätze. Der Weimarer Kulturwissenschaftler Lorenz Engell studiert etwa die Historizität der Serialität am Beispiel von Fernsehserien, Sven Grampp untersucht die Geschichtsdarstellung in Jahrhundertrückblicken, Axel Jockwer das “Wunschkonzert” und die Unterhaltungsmusik im 3. Reich, Nicole Wiedenmann studiert die Holocaustfotografie und Norbert M. Schmitz diskutiert das Historienbild anhand von Sergej Eisenstein. Und und und. Gehört definitiv zu den spannenderen Readern dieser Tage. Teuer allerdings. Überzeugt also die nächstbeste Bibliothek in eurer Nähe. 49 EUR
Jetzt drehen alle durch.
Endlich hat es mal jemand begriffen. Im Sperrfeuer gegen die 68er wollte ja niemand die eigentliche Verschiebung sehen, die man derzeit in unserer politischen Landschaft beobachten kann: Die Konservativen stehen vor einem Dilemma. Einem ernsthaften. Und das könnte für uns alle noch ziemlich spannend werden, denn an ihm wird eine tiefgreifende Umordnung der politischen Landschaft sichtbar und zwar eine Umordnung, die alle Positionen erfassen und erschüttern wird.
Offensichtlich sind die Verschiebungen, die rund um die konservativen Begriffe abgehen, zu fein, um auf die Schnelle erfasst zu werden. Jedenfalls gar nichts verstanden hat Norbert Bolz in der
Zum anderen nehme ich am kommenden Donnerstag um 19 Uhr zusammen mit dem Gamedesigner Andre Stubbe an einem Gespräch teil, das Elisa Barth vom
London: Teurer, wärmer, sonniger. Erste Korkusse gesichtet. Bessere 