Monthly Archive for January, 2005

Auf ihn, mit Gebrüll. Diese Jahr: Der Iran

“Das [der Krieg gegen den Iran, Anm.] wäre nicht nur ein weiterer Krieg, sondern eine neue Dimension. Dies gilt zum einen, weil Iran möglicherweise Atomwaffen in einem Krieg einsetzen würde, die vielleicht sogar Bayern erreichten – so genau weiß niemand, worüber die Mullahs verfügen.”

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[Eckart Lohse in der FAS vom 23.01,2005, S. 12]
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Bücherlesen: Derrida und die Rückkehr aus Moskau

Am Anfang hatte ich ja die Befürchtung, es sei vielleicht zu plaudertaschenmäßig, dieses Buch. Jacques Derrida, 1990 nach Moskau eingeladen, berichtet kurz darauf seiner amerikanischen Hombase Irvine/USA seine Gedanken anlässlich dieses Besuches. (In Irvine ist ja das von Derrida selbst eingerichtetes Archiv und eine dazu passende Arbeitsgruppe.) Aber das ist es gar nicht. Sicher ist es in typischem Stile Derridas flatterhaft, aber trotz allem konsequent. Es ist Derridas Auseinandersetzung mit dem literarischen Format der “Rückkehr aus Moskau” (im Anschluss an Texte von Andre Gide und Walter Benjamin), es ist vor allem aber eine Auseinandersetzung mit der Rolle, die Moskau lange für westeuropäische Intellektuelle und Kommunisten innehatte. Die Stadt galt wie Jerusalem als Verheißung, die erste Umsetzung all des Guten, das mit dem Kommunismus über den Menschen kommen wird – und folglich ist die Enttäuschung der kommunistischen Autoren, wie könnte es anders sein, im Angesichts der sich Stück für Stück offenbarenden Realität groß. Interessant ist Derridas Text allerdings vor allem wegen seinem differenzierten Urteil. Zeit seines Lebens ist er ja gegenüber jeder Idealisierung des Kommunismus kein Stück anfällig gewesen, was aus ihm jedoch – und das wird oft vergessen – auch kein Stück einen Verfechter des Liberalismus macht – im Gegenteil. Dieser Text setzt sich ebenso kritisch wie sympathisierend mit dem Kommunismus auseinander, bekrönt von einem Gespräch mit russischen Intellektuellen zu Philosophie und Literatur. Ein kleiner, schöner Kartonband des Passagenverlags , ein gutes Buch für alle, für die der Kommunismus bei aller Vorsicht nicht einfach in die Ecke gestellt werden kann. 18 EUR

Auf ihn, mit Gebrüll. Diese Jahr: Der Iran

Man mag das ja nicht glauben. Ein guter Freund von mir, der derzeit in Washington arbeitet, erzählte mir beim weihnachtlichen Spazieren gehen am Russischen Kriegerdenkmal in Pankow noch im letzten Jahr, dass in Washington eine Bombardierung des Iran diskutiert wird. Jetzt ist es offiziell.

Aber was heisst das jetzt? Willkommen in Stufe eins? Diskursiv sind jetzt alle informiert, dass Iran im Visier ist. Rollt die Maschine jetzt los? Erst erfolgt eine jahrelange schrittchenweise Isolation des Landes. BP und Thyssen-Krupp fangen damit schon mal an. Rückzug. Je weniger Leute Interessen vor Ort haben, um so besser. Später wenn sich alle durch jahrelange gebetsmühlenartige Wiederholung daran gewöhnt haben, dass der Iran böse ist, erhöht man diesen Druck noch mit “Wir haben es ja immer schon gesagt”-Argumenten, denn es erfolgt nun: Eine erste kleine Bombardierung. Natürlich präzise. Keine Kollateralschäden. Und schließlich, einige Auf und Abs und Jahre später: Einmarsch. Dann sind die Kollateralschäden unübersehbar, aber dann ist auch alles zu spät. Ein, zwei, drei Amtszeiten wird das ganze ja wohl dauern. Da nach Bush die Demokraten dran sind, wird pünktlich zu Rückkehr der Reps spätestens alles bereit stehen. Ein guter Plan!

Harald Schmidt of all people hat ja neulich gut gezeigt, was der Sinn der Sache ist. Zwischen Saudi-Arabien (Freedom!), Irak und dem Iran eine saubere Fläche zur Kontrolle zu haben. Frustrierend, dass man es weiss und es wahrscheinlich genau so ablaufen wird, weil einige Leute einfach einen jahrelang durchhaltenden Atem haben werden.

Besides: Einige Leute, das letzte Mal (Irak) waren das etwa der stellvertretende Chefredakteur der Zeit Bernd Ullrich oder der Leiter der Heinrich Böll Siftung Ralph Fücks, werden vielleicht auch dieses Mal wieder dafür sein, dass man die Demokratie mit militärischen Mitteln verbreitet (nicht verteidigt). Falls es soweit kommt: Diesmal werden wir mitschreiben. All jene Sätze, die mit den netten, humanistischem Argumenten die Moral auf ihrer Seite haben und den Krieg in Erwägung ziehen und rechtfertigen, werden genau notiert. Vielleicht speichern wir auch die ein oder andere DNS. Hinterher wird dann ein Bild der Befürworter mit seinem netten humanistischen Satz neben das Äquivalent des iranischen Abu Ghureib gepinnt. Ach nee, warum ist Humanismus einfach so frustrierend.

PS: Worüber man außerdem nachdenken könnte, wenn man sonst nichts zu tun hat: Was ist das für eine Wahl, wenn wie im Irak niemand weiss, wer das ist, den man da wählen kann? Wieviel Information, wieviel Wissen über die Kandidaten gehört zu einer demokratischen Wahl?
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Ausstellen, Ansehen: Carsten Nicolai in Frankfurt

Durch blendendes Weiß und Nachtschwarz bewegt man sich in den beiden Ausstellungsräumen von Carsten Nicolai. Und obwohl beide Räume farblich so gegensätzlich sind – der eine in reinem Weiß und der andere in reinem Schwarz – nähern sie sich über ihre Polarität einander an. Beide Räume sind ruhig, haben fast etwas Erhabenes, nur in den Ecken fiept und brummt es, es blitzt, Amplituden schlagen aus, Glasplatten sind präzise übereinander zu einer Skulptur geschichtet, Wasser oder Milch kräuselt sich von Sound in Bewegung gesetzt zu gleichmäßigen Mustern.

Dennoch spielt das Technische eine eher zurückgenommene Rolle. Wenn man hier zwischen technischen Geräten, zwischen einem Kalziumfloridkristall oder den Bildern der Oberfläche eines schwarzen Lockheadkristalls eine künstlerische Auseinandersetzung mit Wissenschaftlichkeit vermutet, macht man es sich zu einfach. Die naturwissenschaftlichen Visualisierungen sind hier nicht da, um primär etwas über die Wissenschaft auszusagen. Die wissenschaftlichen Rückgriffe, die bei Nicolai mit ebenso großer Offenheit wie Kennerschaft eingesetzt werden, erfolgen viel eher um der Visualisierung willen. Die Wissenschaft wird zum Teil der Ästhetik, ihre Aufgabe ist hier – nicht anders als in ihrem eigenen Feld – die Erkundungen von Grenzen. Wissenschaft ist also bei Nicolai nicht das Andere der Ästhetik. Es geht um die Grenzen von Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, es geht um den Moment kurz vor oder kurz nach ihrer Überschreitung, den Moment, an dem etwas sichtbar wird oder hörbar. Es geht um die Grenze zum Unsichtbaren, fast als hätte ein alter Satz von Derrida Pate gestanden:

“Obgleich diese Unsichtbarkeit dem Sichtbaren und selbst dem nur potentiell Sichtbaren, der Möglichkeit des Sichtbaren absolut fremd ist, bewohnt sie doch noch das Sichtbare, ja sucht es heim, bis sie sich mit ihm vermischt, mit ihm eins wird, um sich so – ausgehend vom Spuk dieser schlechthinnigen Unmöglichkeit – ihrer eigensten Ressource zu vergewissern. Das Sichtbare als solches wäre demnach unsichtbar, nicht etwa als Sichtbarkeit, Phänomenalität oder Wesen des Sichtbaren, sondern als der singuläre Körper des Sichtbaren selbst. Das Sichtbare wäre unmittelbar unsichtbar und produziert auf diese Weise Blindheit durch Emanation, so als sekretierte es sein eigenes Medium.”

Die präzise, saubere Ästhetik, die Nicolai so gut in Szene setzt, seine klare Ausführung, die gewählten Materialien, sie vermitteln genau das: die Annäherung an den singulären Körper der Sichtbarkeit selbst. Ästhetik, die Grenze der Wahrnehmung, ist bei Nicolai Thema, ein angenehmes Thema, denn die Arbeiten verschreiben sich ganz der Oberfläche. Darüber hinaus wollen sie nichts. Menschliche Täuschung der Wahrnehmung, das fehlbare Menschliche gegenüber der präzisen Wissenschaft, all diese klebrigen humanistischen Themen spielen in Nicolais Kunst keine Rolle. Der üblichen Polarisierung des zeitgenössischen Diskurses wird nicht auf dem Leim gegangen. Man sieht, was man sieht. Eine Hingabe an die Oberfläche, die ernst genommen wird als das, was sie ist.

Carsten Nicolai beeindruckt genau deshalb: Man sieht abstrakte Kunst, die sich versucht dem Absoluten zu nähern, dabei aber keine Visualisierung von Wahrheit ist. Was man sieht, ist Rätsel genug. Dahinter gibt es nichts. Man findet hier eine Faszination von Grenzen und von jener Reinheit, der man sich an den letzen Enden des Übergangs nähert, bevor man wieder etwas Anderes, Vermischtes wird. Im Grunde steht Nicolai in der Tradition der abstrakten Kunst, einer Kunst, die in ihrer Reduktion etwas Philosophisches hat. Etwas Philosophisches, aber nichts Idealistisches. Keine Wahrheit, nirgends. Nur eine Grenze. Genau das ist der Punkt: Von dieser Ausstellung her muss man in Zukunft Clement Greenberg ein wenig zur Seite drängen und damit eröffnet diese Ausstellung über ihre eigenen Exponate hinaus auch einen neuen Blick auf abstrakte Kunst.

Ansehen:
Bis 28. März. Geöffnet Dienstag, Freitag bis Sonntag von 10 bis 19 Uhr, Mittwoch und Donnerstag von 10 bis 22 Uhr. Der Katalog kostet 29 Euro.

Weiterlesen:
Jacques Derrida, Aufzeichnungen eines Blinden. Das Selbstporträt und andere Ruinen, München, Wilhelm Fink 1997, Zitat von Seite 54
Maurice Merleau-Ponty, Das Sichtbare und das Unsichtbare, Müchen, Wilhelm Fink 1994

Fernsehen: Endlich, neue Serien

Das Zappen von Gerichtsmediziner zu Gerichtsmedizinerin hat ein Ende. Endlich wieder neue Serien mit präzisem Blick: Nip/Tuck – Schönheit hat ihren Preis, läuft bereits jeden Di um 21.15 und jetzt kommt noch seit heute The O.C./ California – beide bei Pro Sieben. Und bei beiden ist die Umsetzung sorgfältig, wenn das Schema auch einfach. Bei The O.C. wird am Anfang erstmal der Bruder und die Familie des armen Ryan Atwood aus dem Weg geräumt (Bruder Gefängnis, Mutter haut ab). Ab da kann man ihn prima in die reiche Welt von Orange County verpflanzen. Und schwups, an den Rändern der Armen und Reichen treffen sich die gleichen Strukturen: Mütter, die einen in Stich lassen, Jungs, die einen verprügeln wollen. Aussehen tut das aber prima. Schnieke Häuser, nette asymmetrische Designerfummel auf zarten, dünnen weiblichen Personen und wohlgeformte Oberarme von Jungs im sonnigen Californien. Hauptfigur Ryan Atwood versucht man auf Marlon Brando zu trimmen und wenn er raucht, klappt das auch. Sowieso: Das Dreiergespann aus Nerd Seth, seiner sweeten Nachbarin Marissa und armen Alleskönner Ryan ist prima Stoff für ein zeitgenössisches Märchen. Gespannt, wie es weiter geht. Endlich wieder Fernsehen!

PS: Und dann noch Harald Schmidt. Es geht bergauf.
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Ausgehen: In Berlin-Wedding mit Mode, Lippok und Mouse

Bin mir nicht ganz sicher, aber es sieht so aus, als ob die Eröffnungsparty der Modedesign-Ausstellung “Wedding Dress” heute abend für alle zugänglich ist. Ansonsten einfach pünktlich um 20 Uhr da sein (bei Mode immer besser pünktlich), an der Tür ordentlich drängeln, entsetzt gucken und betteln. Denn mit Mouse on Mars und Robert Lippok von To Rococo Rot wird es sicher nett. Den Spaziergang durch Wedding, auf dem man dann in den nächsten Tagen in leerstehenden Ladenlokalen der DEGEWO die jungen Designer bewundert, schiebt man dann nach. : )
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Fernsehen, unbedingt: Maske des Bösen, heute 23 Uhr

Live dabei: Ein gesellschaftlicher Diskurs ändert sein Dispositiv und wir könne live dabei sein. Das ist großartig, das ist fantastisch, da schlagen wir Purzelbäume. Deshalb heute Abend alle um 23 Uhr Fernseher an und “Maske des Bösen” angeschaut. Dritter Teil. Da spricht ein österreichischer Profiler über Serientäter und interessant ist dabei vor allem, wie er das tut und was das ZDF inklusive der Guido Knopp Beleuchtung daraus gemacht hat. Der Profiler ist Thomas Müller, drüben mit den schmalen Schlitzaugen im Bild, im Link zum Süddeutschen Artikel hier befragt vom alten Dispositiv, das noch Angst hat, sich durch zu große Nähe zum Kriminellen anzustecken (Identität=Infektion). Heute ist das anders, obwohl: bei Kriminalität, da geht es natürlich immer um Macht und um Wahrheit. Das alleine wäre schon ein gefundenes Fressen für jeden Foucaultinfizierten! Aber es geht zugleich um mehr: Indem die Gesellschaft das Unbegreifbare, das Ausszusperrende, das Kriminelle beschreibt, definiert sie auch, was sie selbst ist. Und da sind gerade interessante Verschiebungen im Gange.

Vom reißerischen Titel sollte man sich hier nicht täuschen lassen: Hier wird Wert darauf gelegt, dass sich dem Bösen ohne Schaudern und Erschrecken genähert wird, das wird angeguckt, analysiert, gelesen und dann verhaftet und bearbeitet. Es geht nicht mehr um die Schuld des Täters oder um sein Motiv, seine Vorgeschichte, seinen Zwang, es wird einfach geguckt was er tut und das zeigt, was er ist. Der kriminelle Diskurs stellt damit seine Perspektive um: Vom Motiv auf die Spur des Täters. Während bislang in den Kriminalgeschichten der Täter gefunden wurde, weil sein Motiv irgendwann ans Licht kam, sind es nun seine Spuren, die ihn verraten. Das Motiv treten wir in die Tonne. Die Gesellschaft versichert sich ihrer neuen Wahrheit, der Macht der Spur. Und zwar massiv.

2004 ist ja schon in diversen Krimiserien daran gearbeitet worden, uns weiß zu machen, dass die Wissenschaft dem Mörder auf der Spur ist. Was heißt da diversene, erschlagen hat man uns beinahe damit. Das Wort Serie ist fast gleichbedeutend mit Krimi. Da wäre CSI, dann CSI Miami, Criminal Intent, Profiler, Law and Order, Crossing Jordan, Monk, Im Visier der Zielfahnder, Without a Trace. Fällt noch jemandem etwas ein, habe ich was vergessen? Herrschaft über den kriminalistischen Diskurs ist von der Polizei massiv auf die Wissenschaft übergegangen. Tendenz auch hier: Die Wissenschaft kriegt es raus, die Gerichtsmediziner sind die neuen Stars. Das Motiv spielt keine Rolle mehr. Leute, passt auf eure Spur auf. Sonst passiert was.

PS: Und ja, ich plane demnächst, mehr darüber zu schreiben. Klar doch.

Ausstellen, Ansehen: Hacken in Italien

Politischer Aktivismus in Italien ist irgendwie anderes als in anderen europäischen Ländern. Hat irgendwie mehr Kult (manchmal bis an den Rand des Albernen). Dennoch: Während bei uns über die Grünen die Linken pragmatisch in die Regierung eingebunden worden sind, stehen sie in Italien nach wie vor am Rand. Sie haben auch deshalb irgendwie ein eindeutigeres Profil. “Autogestione”, Selbstorganisation, hat beispielsweise bis heute dort einen anderen Stellenwert, ebenso wie das mediale Organisieren einer Gegenöffentlichkeit – angesichts der Medienmacht Berlusconis erscheint das ja auch nur logisch. Auf welche Weise Netzaktivismus und linke Kultur eng zusammenrückt, das zeigt eine Ausstellung, die am Freitag, den 14. Januar im Künstlerhaus Bethanien eröffnet wird. Hingehen, angucken, aneignen!

http://www.ecn.org/aha/English/hack_it_art.htm
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Bücherlesen: Mad Scientists

Torsten Junge, Dörthe Öhlhoff (Hg.)
Wahnsinnig genial – Der Mad Scientist Reader
[Alibri]

Nach wie vor werden uns in der Wissenschaft Versprechungen über unserer Zukunft gemacht, auch wenn sie heutzutage anders als in den Fünfzigern weniger utopisch, sondern vielmehr ökonomisch sind – die meist guten Aktienkurse der Pharmaindustrie beweisen das. Naturwissenschaft ist was handfestes. Klar doch. So einem Wissenschaftsglaube das Bild des “Mad Scientist” gegenüberzustellen, um klar zu machen, dass das Verrückte und Absurde in der Wissenschaft selbst wohnt und man (wie bei allem anderen auch) dort lieber mal zweimal hinblicken sollte, das ist da mehr als sinnvoll. Der vorliegende Band praktiziert verweißt auf das Irre in der Wissenschaft auf vielfältige Weise. Brigitte Frizzoni untersucht den Mad Scientist im amerikanischen Science-Fiction-Film, Werner Schneider schreibt über die Schöpfung der Mensch-Maschine anhand von Robocop, Arno Meteling erklärt einem Wissenschaft und Wahn im amerikanischen Superheldencomic, Julia B. Köhne setzt das Genie auf Diät anhand des Films “A beautiful mind” (Uh! Was ein Film!), Martina Erlmann untersucht die mediale Darstellung von Physikerinnen als menschenscheue Genies und suspekte Exotinnen, Martin Jörg Schäfer spürt dem literarischen Wahn im Medienkrieg zwischen Nietzsche und Wagner nach. Allerhand Material also. Dieses Buch soll in Bezug auf das Thema erst ein Anfang sein, ein grober Steinbruch, wie die beiden Herausgeber meinen. Und auch wenn auf dem Einband jemandem der Computer durchgegangen zu sein scheint, thematisch ist der Reader definitiv interessant. 18,50 EUR
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Mercedes
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Nochmal das brennende Issue: Politik und Kunst = Konferenz


Keine Angst. An sowas wird wohl keiner denken. Auch wenn es gut aussieht. Wir haben aber andere Probleme. Nämlich: In Berlin häufen sich die Konferenzen zu Politik und Kunst. Bislang zeigt sich, dass dabei jene Veranstaltungen im Vorteil sind, die nicht einfach nur “Repolitisierung” wollen, sondern konkrete Anliegen haben. “Heil dich doch selbst – die Flickausstellung wird geschlossen”, die rund um den bbooks-Kontext entstand, ist da etwa das beste Beispiel dafür, wie man offen für Experimente bleibt und trotzdem alles richtig macht. Repolitisierung von “polar” hatte mit dem vagen Aufruf, den man selbst gleich in Frage stellte (“Wollen wir überhaupt, dass Kunst politisch ist?”) da die größeren Probleme. Politisch ohne Inhalt ist also nach wie vor ein Problem und man kann gespannt sein, wie sich am Wochenende eine dritte Veranstaltung diesem Thema stellt: Klartext. Immerhin sind interessante Gäste geladen: Hans Haacke erklärt einem, wie das mit der politische Kunst korrekt funktioniert, Chantal Mouffe, die ja der politischen Theorie zusammen mit Ernesto Laclau in den 90ern einen entscheidenden Stups gegeben hat, kommt und auch Jacques Rancière, dessen Bücher doch immer wieder Klarheit in den theoretischen Raum bringen. Das ganze Programm findet sich hier.
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