Monthly Archive for June, 2005

In der zentralen Randlage, am Donnerstag. Wir arbeiten an der Subversion.

“Culture Jamming” ist das ist ziviler Ungehorsam, der in den letzten beiden Jahrzehnten nicht nur in Pop und Kunst, sondern auch im politischen Aktivismus vermehrt zum Einsatz gekommen ist. Da oben etwa. In der Zentralen Randlage (die liegt in Berlin, Prenzlauer Berg, die Randlage) hält man am Donnerstag mit einer Katalog-Präsentation, der zu der Ausstellung Just do it! (Linz) erschienen ist, die Strategie noch einmal hoch.

Pünktlich ab 21 Uhr erklären die Kuratoren Thomas Edlinger, Florian Waldvogel und Reimar Stange ein bisschen was zum Ausstellungskonzept und lesen aus dem Reader zur Ausstellung vor. Im Hintergrund gibt es dabei “Das Leben des Sid Vicious” von der “Tödlichen Doris” (D-land 1981, ca. 7 min) plus “Alone life wastes Andy Hardy” (14 min) zu sehen.

Als Gäste dann am Schluss diskutiert Mercedes Bunz (ich) den Komplex “Filesharing oder die neuen Regeln einer Kultur des Samples” (mit euch) und DJ Bleed (DEBUG) legt Platten auf. Platten, in denen Samples eine wichtige Rolle spielen.

Kommt vorbei. Wir freuen uns über Besuch.

Beginn: 21 Uhr. 30. Juni 2005. Zentrale Randlage | Schönhauser Allee 172 | U2 Senefelderplatz

Das musste doch nicht sein

FRUSTRIEREND. ABEND KAPUTT.

Geheim!

Im August gibt es am Wolfgangsee eine Tagung des IFK mit dem Thema Dienst am Geheimnis. Ich will meine Füße in den See stecken und mache also was zum Geheimnis in der Kontrollgesellschaft (natürlich im Original weitaus seriöser formuliert…Ehrensache).

Willkommen in deiner Kontrollgesellschaft! Wie sieht es eigentlich hier aus, mit dem Geheimnis? Ein Blick auf die modernen Techniken der Überwachung, genauer auf die computergestützte Operationsweise des internationalen Überwachungssystems Echelon – eine geradezu exemplarische Technologie dieser Kontrollgesellschaft- zeigt, was hier Neues vor sich geht. Bezeichnend dabei ist die Masse an Information, die Echelon verarbeiten kann und die nach bestimmten Beobachtungslisten gefiltert wird. Es bleibt zu folgern: Das Geheimnis ist keine Sache eines geheimen Bundes mehr, im Gegenteil. Echelon behandelt das Geheimnis als Teil der Öffentlichkeit: Nach dem Geheimnis wird flächendeckend unter Millionen von Informationsdaten gesucht.

Derrida hat in seinem ebenso kryptischen wie das Denken anstoßenden Exkurs zum Geheimnis in “Wie nicht sprechen” bereits auf einen zweifachen Chiasmus hingewiesen, der dem Geheimnis eigen ist: Weil das Geheimnis beginnt, wenn es erscheint, verheimlicht es also, indem es sich zeigt. Zugleich muss es deshalb immer auch seine Verheimlichung selbst verheimlichen – und das geht nirgendwo besser als mitten in der Öffentlichkeit. Öffentlichkeit und Geheimnis erscheinen also in der Kontrollgesellschaft nicht mehr als gegensätzliche Paare, sie scheinen vielmehr ineinander zu greifen. Feststellen kann man etwa: Wenn es vorher bei der Entdeckung des Geheimnisses darum ging, dass das Geheimnis von Augen gesehen wurde, die es nicht hätten sehen sollen, dann steht nun ein Geheimnis in der Öffentlichkeit, wenn dieselben Augen dasselbe sehen – und dabei allerdings anders hinsehen. Es zeigt sich, dass das Geheimnis sich nicht mehr gegenüber der Öffentlichkeit verbirgt, sondern von der Öffentlichkeit produziert wird.

Exemplarisch konnte man das neulich an der Newsweek-”Enthüllung” der Entweihung des Korans in Guantanamo Bay sehen. Die Meldung war schon lange öffentlich eingeführt, in amerikanischen Regierungskreisen sowie auch in Afghanistan bekannt, sie wurde aber erst zum Skandal, als a) in Afghanistan ein berühmter Cricketspieler das in seiner Pressekonferenz vehement thematisierte, b) in den USA, nachdem es bei Unruhen in Afghanistan einige Tote gegeben hat. Die Besudelung des Korans war also sowohl in Afghanistan, als auch in den USA schon vorher bekannt, der Umstand wurde aber zu einem enthüllten Geheimnis, als eine bestimmte Form der Öffentlichkeit einsetzte.

Das wird Schwarz-Gelb. Lexikon. Heute: K & S


K wie 169 Euro Krankenversicherungs-Kopfpauschale
K wie Kernkraft

S wie Studiengebühren
S wie “Sozial ist, was Arbeit schafft”
S wie Sozialkürzungen ["nicht länger skandalisieren"]
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Hm.

Fernsehserienkultur

Cool wäre ja, wenn die Süddeutsche jetzt noch in ihre Mediathek neben Büchern, Filmen und Musik eine Sammlung von Serien aufnehmen würde. Was man da wohl reinpacken müsste… Hm. Akte X, Alias, Ally McBeal, Babylon 5 (unbedingt, erinnert sich jemand?), Beverly Hills 90210, Buffy, Colt für alle Fälle (wirklich?), Dallas, Dynasty, Emergency Room, Knight Rider, Lost, Magnum, Nip/Tuck, Picket Fences (auf jeden Fall), Roswell, Sex and the City (na gut), 24, hm… to be continued.

Montag Abend Bataille hören

Absolut, Arbeit, Architektur, Auge, Benga (Féral), Black Birds, Bonjour (Brüder), Debakel, Engel, Fabrikschornstein, Hygiene, Joujou, Kali, Kamel, Keaton (Buster), Krustentiere, Kulte, Materialismus, Mensch (I und II), Metamorphose, Metapher, Mund, Museum, Nachtigall, Raum, Reptilien, Schlachthof, Schöngeist, Schwelle, Sonne, Spucke, Staub, Strafarbeit, Talkie, Töpferware, Unglück, Wolkenkratzer. Das sind die Begriffe des kritischen Wörterbuches, denen sich Bataille, hier als Jungspund im Bild, in seiner 1929 gegründeten Zeitschrift Documents, widmete. Die ging zu den Themen: Archéologie, Beaux-Arts, Ethnographie, Doctrines. Das Wörterbuch kommt jetzt bei Merve erneut heraus – übersetzt natürlich – und wird in Berlin am Montag Abend ab 20 Uhr im HAU 3 vorgestellt. Let’s go and praise the Lord.

Kritisches Wörterbuch mit Beiträgen von Georges Bataille, Carl Einstein, Marcel Griaule, Michel Leiris, Georges Henri Rivière u.a. Herausgegeben und übersetzt von Rainer Maria Kiesow und Henning Schmidgen, Merve Verlag 12,80 Euro
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Teil der allgemeinen Konservatisierung: Biennale ehrt Bildhauer Schütte

Nicht mal Ironie könnte das noch retten: Die Biennale di Venezia ehrt den Künstler Thomas Schütte. Das ist wohl ein Effekt der allgemeinen Re-Konservatisierung von Europa.

Ich zitiere mal aus der FAZ: “…Schüttes Werk lebt von Sprüngen, Material- und Formatwechseln. Es zeigt einen unruhigen, zerrissenen Künstler, der mit großer Kraft auf die Gegenwart losgeht. Er riskiert viel. Er wagt sich bis zum Ekelhaften vor, versetzt seine bissigen Arbeiten mit Kitsch und schwarzem Humor. Aber er zögert auch nicht, Züge unzerstörter Schönheit aufzunehmen.”

Soweit sind wir also wieder. Back to Geniekünstler, back to Werk, back to Schönheit. Was ein Jahr. Erst sind wir Papst, jetzt sind wir auch noch Goldener Löwe.

Heute gehören den Rest des Tages die Ohren Maximo Park

Vor kurzem von Warp gesignt, seit knapp drei Wochen jetzt für alle zu erstehen. Kickt. Guitarrenpop aus Newcastle.

Abrechnung mit der BRD

Kann jemand mal herausbekommen, was Gustav Seibt in der SZ eigentlich in seiner Abrechnung mit der BRD so meint?

Wenn er fragt: “Wie konntet ihr „Demokratie“ nennen, was eine parteien-, medien- und reklamegesteuerte Machtrotationsmaschine für Geldspender und Interessengruppen war, in Bewegung gehalten von Umfragen und Stimmungsbarometern?” möchte man doch zurück fragen: Was heißt hier konntet? Und überhaupt: Vielleicht ist das ja seit dem Scherbenzählen in Athen genau das Prinzip der Demokratie?

Dieser Text ist ein seltsamer Ruf nach einem idealistischen Zusammenhalt, nach einer unkorrupierbaren politischen Grundhaltung, die sich durch kein Geldangebot in die Gesellschaft einverleiben lässt. Hilfe, ich wurde während meines Zivildienstes mit einem Bausparvertrag geködert. Sonst noch Probleme? Mehr Politik: Eigentlich sollte man ja dafür sein. Aber hier kommt das eher seltsam rüber. Mitlifecrisis? Der Demokratie? Oder von Gustav Seibt?