Monthly Archive for July, 2005

Wir spielen 24

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“… or have you ever participated in genocide?”

me going U.S. in september, filling out forms

Rucksäcke kommen aus der Mode, soviel ist klar

Wie in Mitten der Ununterscheidbarkeit auf der Straße Unterscheidungen treffen? Jean Charles de Menezes. Ein dicker Mantel im Sommer reicht und wir töten zurück. Einer der vielen Abdrücke, die der Terror in der Demokratie hinterlassen wird. Ab jetzt könnte es richtig Scheisse werden.

Wir wiederholen: Eleganz, visuelles Vergnügen und produktive Nichtproduktivität

Also für jeden etwas. Deshalb: Wer in Berlin ist und Montagabend sonst noch nichts vor hat: Es gibt bei bbooks in Kreuzberg eine Buchpräsentation des neuen Readers “Wiederholung wiederholen” mit Eleganz, visuellem Vergnügen und Nichtproduktivität eben, der im Rahmen eines Symposiums an der Hochschule für bildende Künste Hamburg zusammengestellt worden ist. Hier mal der Pressetext zum besseren Überblick:

Repetition, Sampling, Unoriginalität

Der Reader versammelt Aufsätze zum Topos der Wiederholung in Sub-, Pop- und Avantgardekulturen, in Künstler/innendiskursen und ästhetischen Verfahren. Wiederholung zielt hier auf Produktions- und Wahrnehmungsmodelle, die sich den nach wie vor gängigen Dichotomien von Identität und Differenz, Subjekt und System, von Original und Kopie etc. zu entziehen suchen.

Die Liste dieser Gegenentwürfe weist in die lange Geschichte der unausgesetzten Diskussion um das ästhetische und politische Potential von Wiederholungsstrategien zurück: Sie umfasst Appropriation Art, Camp, Cut‚n Paste, Dekonstruktion, Desidentifikation, Echo, Ecriture automatique, Fordismus, Iteration, Loop, Mechanik, Melancholie, Minimalismus, Morphing, Nouvelle Vague, Parodie, Pop, Postmoderne, Queer Politics, Ready made, Referenz, Ritual, Urheberrecht u.a.

Neben historisch-kritischen Erörterungen finden sich Bild- und Textbeiträge, die Wiederholung in Erscheinungsweisen der Eleganz, des visuellen Vergnügens und der produktiven Nichtproduktivität thematisieren. Der Sammelband geht zurueck auf gleichnamige Veranstaltungsreihen an der Universität der Künste Berlin und an der Hochschule fuer bildende Künste Hamburg.

Und noch eine Fülle von Namen, die damit zu tun haben
(zur Verwirrung oder eben eventuellen Orientierung):

Herausgegeben von Sabeth Buchmann, Alexander Mayer, Karolin Meunier, Stefan Moos, Erich Pick, Martina Rapedius, Thomas Rindfleisch, Sabin Tuenschel, Mirjam Thomann

Autor/innen sind neben den Herausgeber/innen Thomas Baldischwyler, Mareike Bernien, Mercedes Bunz, Diedrich Diederichsen, Katja Diefenbach, Stephan Dillemuth, Stephan Geene/Judith Hopf, Isabelle Graw, Heiko Karn, Michael Krebber, Michael Maierhof, Tabea Metzel, Susi Montgomery, Lars Nowak, Josephine Pryde, Juliane Rebentisch, Gunter Reski, Eran Schaerf und Erk Schilder.

Darüberhinaus enthält der Band ein ausführlich kommentiertes Glossar und eine CD zum Thema “Sampling”. Musiker auf der CD: Apparat, Thomas Brinkmann, Martin Ebner, Sascha Funke, Doug Von Gausig, KINN, Lol-Lee feat. Tweakin’B, The Loop Orchestra, Maerz, Michael Maierhof, Neoangin, Salamandroids, Nicolas Siepen, Turner, Klaus Weber

Montag, 25.07.05, 21 Uhr, bbooks, Lübbener Str. 14, U-Bahn Schlesisches Tor
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So war der Abend: Strenesse Bombay Gin Blue

Berlin wird ja seit einiger Zeit zweimal im Jahr von der Modemesse Bread&Butter aufgewühlt, rund um den Hackeschen Markt stehen sich dann Modemenschen die Beine bei Champagner in den Bauch, flankiert von der Bread & Butter Messe am Ende der Welt (Tegel) und der designerlastigen Premium unter dem Potsdamer Platz. Dort war gestern Abend Modenschau, Strenesse Blue, und da ich ab und an auch einmal rausgelassen werde und Monika Records die musikalische Begleitung besorgte: I had a look.

Zunächst steht man also mit einem Sekt Aperol herum, um die Laderampe zum Abend erst einmal hoch zu fahren. Leute begrüßen, Statusreports einholen, der ganze Kram. Die anderen, die nicht wie ich den ganzen Tag über in der Bibliothek eingesperrt sind, waren nachmittags schon mit Adidas in Champagner badend einmal per fahrendem Laufsteg S-Bahn nach Potsdam gegondelt und schauten später noch bei Kostas Murkudis vorbei. Ich bin dagegen ja nur auf Besuch. Ich soll mich entspannen, hat man mir gesagt (immer anstrengend). Dabei waren die Leute eigentlich okay, eine angenehme Mischung, etwas aufgechickt, tut Berlin ja ganz gut, einige auch overstyled, damit man was zum Gucken hat, und viele Männer, die aussehen wie mein Zahnarzt – das sind die Einkäufer aus Westdeutschland, wie mir mein Umfeld erklärt hat.

Dann also Modenschau, gemischt mit Konzert, unten in einem Tunnel. Chica Paula mit The Folder, wunderschöne Tracks und Chica singt tief und bezaubernd auf Spanisch, Robert Lippoks Komeit Remix mit Live-Gesang von Komeit-Julia und Westerngitarre (die Komeit-Remixe sind ja dauerhaft zu empfehlen) und weitere Tracks mit Barbara Morgenstern von ihrer aktuellen Platte. Zwischen dem Konzert liefen die Modells heraus, schlank gewachsene Mädchen mit offenen Haaren in romantisch verspielten Kleider, die absolut Last-Season waren, die Kleider, aber Strenesse Blue ist auch für 40jährige frustrierte Frauen in Kleinstädten, die Keramik als Hobby machen, und die stehen vielleicht auf den Pflück-mich-ich-bin-die-Jungfrau-Stil, weshalb die Models immer schon mal mit ihren Kolleginnen vor uns vorschmusen mussten. Also: neokonservative Romantik passend zum Köhlerentscheid, unterstützt von einer chaotischen Lichtregie – die meiste Zeit war es dunkel und man konnte die Kleider nicht sehen, was bis auf ein paar Röcke ja nicht so viel machte. (Mein Umfeld war ja schon begeistert, dass die Models nicht ganz so über ihre Beine stolperten, wie das bei Becks-Modenschau immer der Fall gewesen ist. Aber reicht das? Egal. Der aktuelle Modellaufherumtrend geht ansonsten eher zum Salto. Hat man mir gesagt.)

Seltsam jedenfalls bei jeder Show immer wieder: Menschen direkt angucken zu können, die vor einem herumlaufen und stehen bleiben, denen direkt auf den Körper schauen zu können. Das tun wir in unserer Kultur ja eigentlich nicht, das ist verboten. Anschauen darf man jemanden direkt ja nur, nachdem man mit ihm rumgeknutscht hat und dann auch nicht lange, alles andere ist als bedrohlich markiert. Deshalb auch bei jeder Modenschau: Man bemüht sich, einfach nur zu gucken und dann steigt immer wieder diese Verunsicherung hoch: Wie gehe ich jetzt damit um, ach egal, ich schaue mir eben die Kleider an – aber natürlich schaut man sich auch den Körper an, sind ja auch schöne Körper zum großen Teil, haben also Anschauen verdient. Und trotzdem bleibt da immer ein Rest Unwohlsein, wenn einen die Situation so klar in Subjekt und Objekt einteilt, obwohl man doch eigentlich viel lieber das Model fragen würde: Wie findest du das denn, zwickt das beim Tragen? Man fühlt sich also so, als hätte man (Subjekt) sich mit der Macht verbündet und wäre gleichzeitig von ihr formatiert worden. Seltsam.

Deshalb dazwischen, danach erst einmal Bombay Gin Tonic, eins, zwei, drei, vier, den man eigentlich, wie ich von Mari gelernt habe (die Stil hat) pur trinken sollte, weil er so gut ist – aber so cool war ich dann doch nicht (Mari schon). Prominenz, die ich ja nie erkenne, war auch da, ich habe mindestens drei Victoria Beckhams gesehen, einmal Mike Meiré mit seiner Rockhaarfrisur und so weiter. Die ist aber wohl vor allem auf der Vice-Party am Samstag zu erwarten, diesem seltsamen Magazin, das die Welt zu einer krassen Veranstaltung erklärt, um dann das Krasseste bei sich ins Heft zu packen. (Mein Lieblingsartikel ist das Hass-Against-Frankfurter-Schule-und-Michael-Moore-Manifest “Hippie-Faschisten. Der Tag, an dem die Intellektuellen faul wurden” mit dem Bild von zwei Globalisierungsgegnerinnen, über dem steht: “Seht Ihr das Hakenkreuz auf ihrer Stirn? Max Horkheimer hat ihr das gezeigt. Photo von AP”). Da spielt man Rock, was sonst, nimmt Koks und betrinkt sich, Musik gibt es also auch, viel wichtiger aber: Kate Moss legt auf. Man weiss also jetzt schon, wie die Party wird: Heftig und man muss deshalb nicht mehr unbedingt hingehen. Man kann aber, zumindest wenn man eine Einladung hat.

Andere Dinge an dem Strenesse-Blue-Abend noch: Alle gingen früh nach Hause, weil morgen Messe, ich Schreiben, Köhler hat die Neuwahlen verkündet, wie man mir erzählte, London machte uns allen Sorgen, doch dazu ein andern Mal mehr und mein neues Motorola Razr hat auch geklingelt, wichtig, obwohl man nur an einer Stelle im Tunnel Empfang hatte, was der Veranstaltung eigentlich gut getan hat. Später habe ich noch gelernt, dass man dieses kleine Bombay-Gin-blaue Telefon bei hellem Hintergrundbild optimal als Taschenlampe einsetzen kann. Kein Witz. Das stimmt.

So war der Abend.

Die bessere Taktik

1968 proofed. Einfach totgequatscht.

Samstagmorgen Weimar, auf dem Weg zur Arbeit: Baum

Von wegen keine Werte



Brust raus. Heute feiern wir. Quatorze Juillet. Liberté, Égalité, Fraternité. Vive la France. Aber hallo.

Sicherheit!

Will ich auch. Ist aber nicht so einfach.

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Sätze, die im Laufe des Tages vorbeikamen 1.0

Wenn dann alles praktisch ist und nichts mehr theoretisch, sind zwar alle beruhigt, aber nicht belehrt.

Mindestens ebenso gut, die lachende Wiese:

Um Quintilians viel strapaziertem Beispiel zu folgen, ist es ein Unfall des glatten Ablaufs der Information, wenn die auf eine Wiese angesetzte Intention überraschend und außerhalb des Spielraums typischer Erfahrung zum Prädikat überspringt, diese Wiese lache: partum ridet. Um die Leistung des Textes scheint es geschehen zu sein, bis die ‘Entschuldigung’ sich einstellt, keine Aufreihung der erwarteten Sachprädikate könne jemals über eine Wiese die Information vermitteln, die in dem einen Ausdruck des Lachens beschlossen liegt. Er hätte in keiner deskriptiven Sprache etwas zu suchen. Doch wäre es auch falsch zu sagen, dies sei bereits Dichtung in nuce, wie viele Dichter auch Wiesen haben lachen lassen mögen.

Beides: Anselm Haverkamp in: Hans Blumenberg, Schiffbruch mit Zuschauer. 78-79
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Nachträge: Der Grimme-Awared

“John Malkovich ist nach eigenen Angaben “Blog-addicted”. Sein Lieblingsblog aus Deutschland ist ausgerechnet Davids Medienkritik. Selten ist jemand so schnell so tief in meiner Achtung gesunken.”

Gestern beim Stöbern auf Mario Sixtus Blog gefunden. Ach und herzlichen Glückwunsch Bundeszentrale für politische Bildung!

1000 qm

Mein (fabelhafter!) Zahnarzt, der nette Mann ganz rechts im Bild, zieht um. An den Ku-Damm. Auf fast 1000 qm und 2 Etagen gestaltet ihm das Architekturbüro GRAFT, das schon Brad Pitt eingerichtet hat (wie man stolz verkündet), ein Paradies der Zähne. Hm. Wieder muss man sich fragen, ob man nicht den falschen Beruf gewählt hat. Vielleicht sollte man sich auch einfach nur schnell ein Loch in den Zahn bohren und einen neuen Termin machen, um quer über die 1000 qm wandern zu können.