
Eine Woche auf einer Tagung zum “Geheimnis” gewesen, viel Material vorgesetzt bekommen, unter anderem diesen Film, an den man immer wieder erinnern kann, weil er einfach so absurd und in dieser Absurdität so groß ist. “Letztes Jahr in Marienbad”, 1961 erschienen, von Alain Resnais, der das Drehbuch zusammen mit Alain Robbe-Grillet geschrieben hat, einem der großen Vertreter des distanzierten Nouveau Roman.
Natürlich darf man kein Stück versuchen, hier irgendwas verstehen zu wollen. Man muss auf der Oberfläche dieses Filmes entlang gleiten und die Entfremdung aus vollen Zügen genießen. Zwischen den verschiedenen Zeiten, in denen sich die todschick in Coco Chanel gekleidete Delphine Seyrig und Giorgio Albertazzi auf den Fluren eines oder vielleicht auch mehrerer Luxushotels begegnen – denn war es Marienbad oder Friedrichsbad, als sie sich zum ersten Mal trafen? Sie erinnert sich nicht, er versucht immer wieder, sie zu überzeugen, verwechselt dabei aber ebenfalls den Ort. Die Ebenen beginnen, sich zu verschieben, letztes Jahr, dieses Jahr, andere Hotels, andere Gärten und auch wenn es ein Foto gibt, das ihr Treffen zu bezeugen scheint, jenes Treffen, auf dem sie ihm versprochen hat, nächstes Jahr mit ihm zu gehen, so beweist dieses Foto von ihr doch nichts. Es hätte jeder überall aufnehmen können, wie sie meint. Vous avez peur, sagt er, du hast Angst. Nun, vielleicht, antwortet sie und geht weiter.
Immer wieder biegt die Geschichte in eine ästhetische Geste, eine Position ab. Die Menschen werden zu Statuen, Staffetten in einem Garten und fühlen sich eigentlich auch ganz wohl damit, weniger zu fühlen, in einer Geste zu erstarren, zum Teil eines Tableaus zu werden. Die Kamera fährt über den geometrischen Garten, gleitet durch leere Flure und umrundet die Tänzer (tatsächlich ist hier der Matrix Effekt zwei Mal mühsam analog mit stillstehenden Schauspielern vorweggenommen worden). Entfremdung, Abstand von den Dingen, von sich selbst einnehmen, ist ja einer der besten Tricks gegenüber der Welt und wird hier bis zur Perfektion, also dem Gedächtnisverlust durchgeführt. Angenehm. Erscheint einem in verwirrten Umorientierungszeiten als ein idealer Ort, um Urlaub von der Welt zu nehmen. Ein Hoch auf die Oberflächen. Und wenn man das dann noch mit so einer humorvollen Absurdität koppelt, kann eigentlich nichts schief gehen – ist ja auch alles schon schief von vorneherein, eben.



PS: Übrigens findet das Leben in französischen Filmen meist um die 30-35 statt. Oder bilde ich mir das ein?