Monthly Archive for September, 2005

Going South

Baumwolle, Jeans

Lynchburg, North Carolina (Friedhof)

Drayton Hall, South Carolina (Plantage)

Private Beach Club, Kiawah Island (Gated Community)

The New South (Pause)

Zwischenüberlegung

Von innen ist Amerika viel schöner als von außen. Und nicht nur visuell.

Wahl

Was kommt gleich? Hier in Washington fragt man sich, ob Merkel die neue Thatcher ist. In no way, sage ich dann, politically too weak. So oder so ist man sich sicher: Jedenfalls wird es jetzt anders. Nur wie wird es?

Washington D.C. (Bild)

Flag

U-Bahn

Arlington, Soldatenfriedhof, Changing of the Guards

Vermeer, overwhelming

Declaration of Independance (tatsächlich nicht mehr lesbar, bonjour Monsieur Derrida)

Emancipation

Dachterrasse

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Washington D.C. (Schrift)

Arlington. Soldatenfriedhof. Schon eine irre Angelegenheit. Die kleinen Portraits der toten Iraksoldaten. Die anmutigen, schlanken, weißen Grabsteine, welche die Hügel hinauf- und hinunterreichen. Die testosteronsprühenden Männer, augenscheinlich Soldaten, zwischen den Wochenendausflugsfamilien, die ihre toten Kameraden besuchen. Und dann: The Changing of the Guard am Grab des Unknown Soldier. Darf man sich nicht entgehen lassen. So etwas Schwules habe ich – ich schwöre – noch nie gesehen. Abgesehen davon: Ich bin überzeugt, dass es viel über eine Gesellschaft aussagt, ob man sich so eine Performance leistet. Ob man sie sich leisten kann. Es passiert ja immer viel mehr, als dass da nur ein Soldat in taillierter Paradeuniform und Sonnenbrille mit sorgfältig schnalzenden Schritten auf und ab marschiert und jeweils am Ende der Bahn die Hacken zu einem präzisen Geräusch zusammenknallt, um dann mit umständlich choreographierten Gesten eine alte Riffle liebkosend zu präsentieren. Der Soldat und sein bester Begleiter, das Gewehr, die Achtung vor dieser Einheit.

Bei der Ablösung wird diese Einheit dann wiederum von noch einem weiteren Soldaten beschworen, einem mit höheren Rang, der folglich noch schwuler aussieht, aussieht als wäre er direkt einem Tom of Finnland-Comic entstiegen. Mit einer unglaublich tiefen Stimme werden wir alle ermahnt aufzustehen. Was wir umgehend tun. Und unsere Achtung zu zollen. Was wir auch umgehend tun, doch, schon. Zugleich dieses Setting: Es wirkt extrem überzogen, es zitiert sich alles schon selbst. Und trotzdem.

Morgen geht es dann los. Wir fahren in die Südstaaten. Ophelia, der Hurricane, der vor der Küste von Carolina sitzt, verhält sich gediegen. Ich will das Meer sehen.
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Ab sofort sporadisch da

Blogwart reist den Rest des September dank Fulbright in die Staaten. Das funktioniert nach dem Prinzip: Verreisen mit ohne Geld, dafür bezahlen mit zwei Wochen stressiges Tagungsprogramm zur “Role of Media in the American Society” – interessant ist es also.

Erst aber mal: Washington (wie im Bild oben, wehe, wenn nicht). Virginia. North Carolina. South Carolina vielleicht auch. Mit dem Auto. Dann Programmstart: Wieder Washington. Viel Weiterbildung. Kurz New York, dort auch Bildung. Ich versuche zu berichten, wenn Zeit. Wer wissen will, wie das so ist in America, kann schon mal hier lesen. So oder so ähnlich. Ehrlich gesagt: Ich bin da jetzt eigentlich erstmal ganz offen. Man muss auch mal raus.

Was das denn? (Die Popmusik dreht durch)

Tokiohotel gesehen. Video nochmal auf der Website angeguckt. Oh Mann. Das ist irgendwie so krass. Da fehlen mir die Worte. Wie reagiert man darauf? Den Verlust der subversiven Zeichen beklagen, die hier sorgfältig zusammengestellt in einem Gesamtausverkaufskunstwerk wieder auftauchen? Dreadlocks, Hiphopperbasecap, Kajal, Melancholie der Jungs und zu jung für die Welt sein, Cutcopypast in ein Hochglanzvideo einspeisen? Reaktion also: Hass? Oder einfach Fan werden?

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Apple goes Mobiltelefon mit MotoROKR (etwas müde)


Man hat es sich ja schon gedacht, gestern Abend hat Apple jetzt auch offiziell angekündigt, ein Itunes-Mobiltelefon zusammen mit Motorola auf den Markt zu bringen. Das ist gut. Was man aber sagen muss: Vom Design her eine Enttäuschung. Dann doch lieber das Motorola Razr ohne Itunes. Schließlich: The better you look, the more you see. Und das hier ist hm.

Die Grundform: So Sony Ericsson, irgendwie. Die am Halbkreis ausgerichtete Tastenverteilung ist definitiv uncool und macht das ganze Telefon sehr unruhig. Und dann diese Griffrillen am Rand, in denen Lautsprecher(?) versteckt sind, uh. Last but not least auch: Der Name. Alles in allem keine Meisterleistung. Man sieht zu sehr, dass es hier um die Eroberung der Masse geht, darum, Mainstream zu werden, darum, Itunes zum Standard zu pushen.

Das Netz, immer wieder nett

Was den Tag besser macht: Auf Technorati.com auf eine falsche Seite gehen und zur Antwort bekommen: “I’m sorry, Dave, I can’t do this.” Das irgendwie toll finden. Sich denken: Oh, ich liebe Nerds, wirklich, die machen die Welt irgendwie besser. Obwohl: Eigentlich stehe ich ja auf Leute, welche die Schule geschwänzt haben, um stattdessen zu lernen, wirklich elegant zu kickern. Oder – klar – auf Skateboardfahrer, aber Dogtown Boys, der gerade anläuft, kann einem, glaube ich, sogar das verleiden. Hat den jemand gesehen? Der Trailer verspricht scheußliches Hippiejungstumzusammenhaltedrogengedöns. Dann lieber Dogtown & Z-Boys besorgen. Eine Dokumentation, die ist ganz gut. Oder gleich ein Skateboard und ein Swimmingpool und aufgeschrammte Knie. Noch besser. Es ist ja Sommer.


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Ich mache es heute wie andere Millionen von Deutschen

Gucke das Duell. Wir sollen ja bekanntlich so viele sein, wie bei ‘Wetten Dass..?’. Heißt: Morgen können sich also fast alle mit allen unterhalten, ein Tag Kommunikationsparadies also.

Vor allem aber: Man kann hoffen, dass es irgendwie besser wird, als dieses tödlich häßliche Logo, vor dem es stattfindet… und zur Not bewirft man zur Ablenkung einfach seine Freunde mit Chips. Oder so.

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Es war: Besser als das letzte Mal. Schlechter als Merz und Lafontaine (hat man mir gesagt). Merkel war am Anfang lockerer als Schröder, sehr gute direkte Angriffe, fiel dann aber in die Rolle der sauertöpfischen Bißgurke zurück. Schröder hat sich dagegen zunächst hinter der Staatsmannrolle verbarikadiert und antwortete erst nach und nach gelöst, beim stehenden Zuhören nahm er dann zum Vorbild wohl George Clooney. Genau: Superliebeserklärung (ist doch egal ob Kalkül oder nicht). Format: Definitiv zu lang (und es gab keine Chips). Moderatorenfehler: Zuviel Kirchhoff bei beiden. Bildungssystem? Ostdeutschland? Frieden? Krieg? Werte? (Alice bermerkte das ja sehr richtig im Anhang. Überhaupt: Alice for Presidentt!) Auch: Frau Merkel proportional härter angefasst, finden wir. Merken: Die CDU will schon wieder die Bundesanstalt für Arbeit umstrukturieren, Gott bitte nicht. Was heißt “annieren”, Frau Merkel (wir haben es im Duden gesucht und nicht gefunden, dabei haben wir studiert (Bildungssystem 2.0?))? Nachberichterstattung machte sichtbar: Wenn die CDU gewinnt, kann man vollends sagen: Politik ist Hollywood für Häßliche. Ansonsten: Schwachschwachschwach, die Nachberichterstattung.

Sie ist gut.

Berlin und zeitgenössische Kunst verbindet ja eine Haßliebe. Die meisten Kunstinstitutionen bestechen durch tendenzielle Schnarchnasigkeit, was angeblich an dem wenigen Geld liegt, das hier verschüttet wird. Die Galeristen finden ihre Sammler auch nicht unbedingt vor Ort, das, immerhin, ist nicht so schlimm, heutzutage kann man ja reisen, es gibt ja Rollkoffer. Nur die Künstler lieben die Stadt, vor allem wahrscheinlich wegen der billigen Mieten. Oder was weiss ich.

Jedenfalls. Damit Berlins Kunstszene auch mal etwas zu vergeben hat, hat man ja vor Jahren einen Kunstpreis erfunden und ihn möglichst hoch dotiert, damit er Gewicht bekommt. Preis der Nationalgalerie für junge Kunst. 50 000 Euro gibt es. Vier Künstler werden aus einer Liste dafür ausgewählt und dieses Jahr stehen lauter gute Leute zur Auswahl, Angela Bulloch, John Bock und Anri Sala. Besonders großartig aber natürlich, und deshalb schreibe ich das hier auch: Monica Bonvicini. Die macht gute Kunst. Sowas hier.

Monica Bonvicini ist ja von der fabelhaften Berlin-1995-Generation eine der wenigen, die es auf eine internationale Ebene geschafft hat – und zwar absolut verdient. Eine gute Künstlerin – was ich nicht oft sage. Und eine der wenigen Frauen, die sich großkotzig allen möglichen Raum aneignen und das ist ja immer noch so notwendig, leider. Außerdem freue ich mich darüber auch aus persönlichen Gründen besonders, denn Monica hat mich auf mein erstes Interview begleitet, dass ich je in meinem Leben gemacht habe (mit einem Ghettoblaster als Aufnahmegerät, Jesus) und stand dann später am Abend neben mir im Blue Note, in dem die kleine Björk mir ständig beim Tanzen zu Goldies Set auf die Füße getreten ist. Alles schon eine ganze Weile her. Heute wird Monica interviewt und muss nicht mehr den Ghettoblaster tragen. Besser so.

Ab 21 Uhr diesen Abend und von da an noch bis zum 16. Oktober kann man sich im Hamburger Bahnhof die Kunst der vier nominierten Kandidaten ansehen, denn heute ist dort Eröffnung. Man kann sich also in seine Seidenröckchen schwingen und einen hermachen. Kunst ist ja sowas wie der Promi-Ort der Intellektuellen, aus zwei Gründen: 1. Weil man Leute trifft, die auch in Zeitungen vorkommen und 2. weil es Menschenaufläufe gibt, auf denen man mit Küsschen links und rechts markieren kann, wie das Terrain verläuft (nicht anders als bei Hundchens eben). Also: Let’s roll. Ach und noch etwas. Am 27. September wird entschieden, wer das ganze Geld bekommt. “Am Ende siegt das beste Werk.”, heißt es in der offiziellen Verlautbarung. Wer glaubt denn noch an sowas.