Monthly Archive for May, 2006

Und wie war The L-Word?

cs_promo2.gifJemand eine Meinung zu der Serie? Ich habe es leider nur geschafft, auf dem Nach-Hause-Weg von diesem schlunzigen Fußballsspiel dort kurz vorbei zu zappen. In dieser kurzen Zeit sind mir zwei Punkte aufgefallen. Punkt eins: Jeannifer Beals sieht sweet aus und hat sich in den letzten 15 Jahren kein Stück verändert. Und Punkt zwei: Auch Lesben haben ein normales langweiliges Leben. Ist das die Überraschung der Serie oder habe ich was falsch verstanden und verpasst?

Mist, Til Schweiger hat mich gerettet (Die Nation, die Nation)

So weit musste es ja kommen… Als ich gestern mal kurz zu Beckmann hereingeschaltet habe, dachte ich, ich höre nicht richtig. Anlässlich des neuen Buches von Spiegel-Kulturchef Matthias Matussek “Wir Deutschen. Warum uns die anderen gern haben können” hatte man Publizisten Florian Langenscheidt mit seinem ebenso überflüssigen Werk “Das Beste an Deutschland. 250 Gründe, Deutschland zu lieben” in einer Sendung dazu geladen und versuchte es mal wieder mit dem Deutsch-Trend. Denn jetzt ganz neu – ha! – “Die neue Lust am Nationalstolz: Autoren, Künstler und Politiker propagieren die Rückkehr zu Vaterlandsliebe und Patriotismus”, so die ARD.

Mit am Tisch diskutierten Alice Schwarzer, Hugo Egon Balder, Gregor Gysi und – gottseidank – Til Schweiger. Und was soll man sagen: Dass der Spiegel (leider leider) sich konsequent in ein rhetorisch verwaschenes Magazin mit Bildzeitungsähnlichen Tendenzen entwickelt hat, das nur noch von seinem verganenen Ruf gehalten wird, das wussten wir ja schon vorher. Dass Langenscheidt ein nerverviger Windbeutel ist, den man nicht unterschätzen sollte, auch. Aber dass Til Schweiger der einzige in so einer Runde ist, der Rückgrat genug bewiesen hat, entschieden und empört jedem stupiden Nationalgedanken entgegen zu treten und das Gewicht unserer fiesen Vergangenheit nicht nur als wegzuwerfende Last, sondern als Aufgabe und Chance interpretierte, das war mir neu. Und dafür auf jeden Fall: Danke Til. Auch wenn man dir sonst nicht so dolle zuhören kann.

Ansonsten: Balder gehört ja eh schon seit einiger Zeit zu den symphatischen Menschen, Schwarzer kann man auch besser ertragen und nur der Gysi ist ein wenig zu sehr ein ach so guter Mensch. Durchgehen lassen haben sie den Unsinn von Langenscheidt/Matussek trotzdem. Denn da sollte man schon aufmerksam sein: Wenn jemand 1989 zusammen mit dem Wort “Zäsur” sagt, weiß man umgehend, da kann was nicht stimmen. Schlimm das.

Aus dem Blog heraus, in das Blog hinein – und wieder zurück.

An dieser Stelle will ich mal “Danke” sagen. An alle: Leser, Technik, Kommentateure (sagt man so?). Dafür, dass man hier Ideen ausprobieren und diskutieren kann, Ideen, die dann weiterwandern. Denn dann rufen einen nette TAZ-Redakteure aus dem Bekanntenkreis an und sagen: Mach mal was zu Phoenix, ich finde keinen, bitte, schreibe das mal weiter. Besonderen Dank aber an alle, die hier herumposten und mit einem diskutieren. Vor allem an FYM, unbekannter Weise, dessen Kommentar von neulich zu den Serien hier eingeflossen ist. Und damit kein falscher Eindruck aufkommt: Von mir stammt in diesem amüsanten Sammelartikel nur der Abschnitt über Serien, weit, weit unten, “Die Zuschauer ernst nehmen” oder so, klar. Der Rest ist von Stefan Niggemeier, Harald Staun und Nils Minkmar, glaube ich. Weiß ich auch nicht so genau. Liest sich aber dufte.
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Ab sofort sind wir allein mit den blonden und brünetten Oberkörpern


Dachte ich mir ja schon, jetzt ist es offiziell. Die Show von Sarah Kuttner auf MTV wird abgesetzt. Damit verfolgt das deutsche Musikfernsehen konsequent seinen Weg in die Verdummung – Hochachtung für diese Geradlinigkeit. Ab sofort nur noch brünette und blonde Oberkörper, die einen mit offenem Mund anschreien: Ruf! mich! an! – Und die Welt wird wieder ein bisschen schlechter. Schade.

Wo bleibt der Protest? (Noch mehr Ökonomie)

Schon etwas absurd: Als Hartz IV eingeführt wurde, gab es monatelange Montagsdemonstrationen. Leicht absurd deshalb: Waren das doch Demonstrationen gegen eine Sozialreform, die zusätzliches Geld in die Sozialkasse gespült hat. Sicher, es gab am Anfang die Drohung/den Traum vom Einsparen, aber der war damals noch nicht einmal groß. Wie das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit schon vor Anlauf der Reform im September 2004 auf Anfrage mitteilte:

“Die Gesamtentlastung für Bund, Länder und Kommunen aus der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zur Grundsicherung für Arbeitssuchende und der Veränderung des Wohngeldrechts wird im Jahr 2005 auf schätzungsweise 0,8 Mrd. Euro geschätzt.”

Und das kam ja noch anders.

2005 beliefen sich die Kosten auf 22,4 statt 14 Milliarden. 8,4 wurden also zusätzlich investiert. 2006 liegen sie bei 24,4 und müssen ebenfalls um weitere vier Milliarden aufgestockt werden. So, also nochmal, vielen Dank Bundesregierung, denn Hartz IV, das war in den letzten zwei Jahren eine Erhöhung der Sozialsysteme über 12 Milliarden Euro. Das war auch seit langem mal notwendig. Und was kommt jetzt?

Jetzt gibt es Mehrwertsteuererhöhungen und man rechnet mit Einnahmen von 22 Milliarden EUR. Aber das kümmert kaum einen. Bei den 0,8 von Hartz IV ging man auf die Straße, und bei den 22 Milliarden fühlt sich keiner angesprochen. Schon seltsam. Die einzigen, die sich darüber wirklich aufregen, ist – in guter Tradition der Liberalität – Die Zeit mit einem treffenden Kommentar von Josef Joffe – und selbst da könnte man noch schärfer sein:

“Den ökonomischen Unsinn, zu Beginn einer schlappen Konjunkturerholung 25 Milliarden Euro Kaufkraft abzusaugen, hätte man der Koalition noch verziehen, wenn sie den Erlös aus der Mehrwertsteuererhöhung den Lohnnebenkosten gewidmet hätte.”

Hm, irgendwie: Nein. Das sollte man der Koalition nicht verzeihen.

PS: Übrigens nicht vergessen: Studie beweist: Hohe Sozialausgaben sind keine Wirtschaftsbremse

John Stuart Mill hat Geburtstag

Ich habe ihn verpasst, den Geburtstag von John Stuart Mill. Letzten Samstag ist dieser Mann 200 Jahre geworden. Achtete aber natürlich kaum einer drauf. Kulturelles Kapital und symbolische Politik ist zwar mehr und mehr vorbei, ökonomische Theorie bleibt dagegen trotzdem “out”. Ist mit den 68ern den Bach runter. Dagegen muss man was tun. Zwei Zitate posten zum Beispiel. Geschieht hiermit, als Sound zur aktuellen Verschärfung von Hartz IV beispielsweise:

“Allgemeine Gefühle sehen es als eine Pflicht der Reichen und des Staates an, für alle Armen Arbeit zu finden. Wenn der moralische Einfluss der öffentlichen Meinung die Reichen nicht veranlassen kann, von ihrem Verbrauch soviel zu sparen, um allen Armen zu einem gerechten Lohn Arbeit zu verschaffen, gilt es als Pflicht des Staates, entweder durch Erhebung lokaler Abgaben oder durch Bewilligung öffentlicher Geldsummen Steuern zu diesem Zweck zu erheben.”

Und in Bezug auf die Debatte um Urheberrecht, Filesharing und das Internet orakelte Mill:

“Ist das Sozialprodukt erstmal da, kann man damit machen, was man will.”

Fast zumindest, bis einem die Gema die Juristen ins Haus schickt. In diesem Sinne: Happy Birthday, Mr. Mill, and I am sorry for the delay.
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Heute (Security Forces)

: Entschuldigen Sie, Guten Tag, ich hätte gerne eine Garantie.

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Phoenix rockt Old Europe in die Gegenwart. Let’s go!

Seit gestern steht das neue Album “It’s never been like that” in den Läden und was soll man sagen: Aufstehen, rausgehen, einkaufen und aufdrehen. Phoenix haben Leute, denen intelligente Popmusik symphatisch ist, ja schon immer überzeugt. Bislang waren die Platten allerdings qualitativ gut, mit einigen besonderen Perlen darin. Diese hier ist mehr. Durchgehend umwerfend. Sie ist frisch. Sie nimmt einen an der Hand, ebenso charmant wie ungeduldig. Sie groovt, aber nie in eingefahrenen Bahnen. Sie ist melodiös und packend – selbst das instrumentelle “North”, das in Richtung Elektronika geht, überzeugt über die gesamte Länge seiner fünf Minuten. Auch die Texte sind okay, klassischen Themen von Lieben und Leben gewidmet, bleiben aber distanziert genug, um nicht klebrig zu werden. Kurz: Das französische Chanson kommt in der Gegenwart an und trifft, mitreißend rockend, auf die Intelligenz minimalerer Elektronika. Phoenix haben genau die Platte gemacht, die Old Europe dringend gebraucht hat.

Reinhören in Phoenix kann man auf ihrer Seite auf MySpace.

PS (Das muss jetzt sein.): Geärgert habe ich mich ja über folgenden, schnell schlunzig runtergeschriebenen Artikel mit dem schlimmen Titel “Melancholiker im Gegenlicht” (was soll denn das sein?) am Sonntag in der FAS: Zunächst einmal hat der Autor das bislang offiziell unbestätigte Gemutmaße aus Netz und Londoner Times, dass Sofia Coppola schwanger sei, zur Meldung umgeschrieben, was journalistisch eine alles andere als einwandfreie Vorgehensweise ist. Dann hat er die Lyrics nicht gelesen – stehen auf der Homepage -, interpretiert aber fleißig und prompt falsch – offensichtlich sich nicht die Mühe gemacht, den Song durchzuhören. Dass es in “Napoleon says” nicht um Napoleon, sondern um die Beziehung zwischen Coppola und Mars geht, “ You know your french well (…) You want to be European – I would be your Bonaparte”, könnte man eigentlich ziemlich schnell erahnen. Naja, Hauptsache man gibt seinen Artikel ab, nehme ich mal an. Und schließlich (wie alle) mal eben aus dem Pressetext abgeschrieben, dass Phoenix die Platte in den Planetroc-Studio gemacht hat und dass das so Bauhaus sei, denn da hätte ja ein Bauhaus-Architekt, usw.. Keine Frage, Planetroc ist toll, aber fahrt mal hin, wirklich. Bauhaus ist da wohl nicht so der Punkt, ehemaliges Rundfunkstudio der DDR und 50er wären vielleicht ein besseres Stichwort. Zumal Architekt Franz Ehrlich Bauhaus in seinem Leben nur kurz gestreift hat und SED das passendere Buzzword wäre, nur nicht so hip, zu dumm aber auch. Aber bei Pop darf man das wohl immer noch, so arbeiten, wie man es sonst den Blogs vorwirft, da ist das wohl egal. Schade eigentlich.

Tektonische Diskursverschiebung

Gestern bei einer Schale Milchkaffee auf dem Balkon mit A. festgestellt: Das 68er-Bashing ist vorbei. Endlich. Das hat aber auch gedauert. Heute würde man sich mit einem triumphierenden 68er Bashing nur noch als lahme Ente erweisen, die nicht aufgepasst hat.

Nur über den Grund sind wir uns nicht ganz im Klaren gewesen. Vielleicht einfach ein Auf- und Ab der Diskursmoden. Vielleicht auch ein Wackeln der neoliberalen Hegemonie, angesichts einer große Koalition, die einen mit Mehrwertsteuererhöhung, Hartz IV-Verschärfung und so’n Kram erfreut. Was auch immer. Das war es erstmal.

Gründerzeit

Auf dem Weg zurück zum Wissenschaftskolleg reihen sich die schlanken Portiken der Gründerzeit-Villen aneinander. “Spielt die Aristokratie bei Euch eigentlich eine Rolle?”, fragt mich Olga. “Eigentlich keine mehr”, überlege ich. “Sie haben also im politischen Diskurs keine Relevanz? In Russland haben sie ja damals alle einen Kopf kürzer gemacht. Und hier? Haben die keine Schuld?” “Ach Olga”, sage ich, “wir hatten doch Hitler. Bei uns haben alle Schuld. Dank Hitler ist das mit der Schuld in Deutschland ein sehr demokratisches Ding.” Wir wechseln erstmal vorsichtig einen testenden Blick. Dann lachen wir und verschwinden zwischen dem Portikus in die Wi-Ko-Welt.

Listen to this, it kicks! Gnarls Barkley

Dass Dangermouse und der amerikanische Rapper Cee-Lo Green die ersten sind, die es per iTunes-Download in den UK-Charts mit “Crazy” auf Platz 1 geschafft haben, sei geschenkt. Denn wichtiger: Auf so etwas haben wir lange gewartet. Auf ein Album wie “St. Elswhere”. Und auf einen Hit wie “Crazy”. Gute Musik, die es aus der – ja, wie nennt man das: ‘Subkultur’? Okay, also Subkultur. Gute Musik, die es nicht nur in der Subkultur, sondern auch im Mainstream macht. Wie lange ist das her, seit Mr. Oizo und Flat Eric vielleicht? “St. Elswhere” ist ein Album, das man definitiv haben sollte. Weil: Intelligent. Und kickt. Und trifft einen.

PS: Mal etwas mit den Violent Femmes machen. Das war auch überfällig.

Outlet-Store, das zeitgenössische Paradies für den jungen Kapitalisten (oder so)

Heute in der DEBUG waren wir uns einig. Einkaufen im Designer-Shop: Anstrengend. Ständig wieseln Verkäufer um einen herum. Wenn nicht, fangen sie entweder an, vergeblich zu hoffen oder aber skeptisch zu gucken, wenn man sich wild durch den ganzen Store probiert. Die exquisite Einrichtung ist zumeist auch noch langweilig und erklärt einem zugleich, dass man eigentlich nicht den Geldbeutel für die Klamotten hat.

Outlet-Shopping dagegen: Super. Stundenlang sich quer durch die Fabrikhalle durchwühlen, an sich mal Klamotten und Stile testen, die man niemals tragen würde. Und sich dabei nicht einmal von der Architektur einschüchtern lassen müssen. Berge von Kleidern aufhäufen, am Schluss aussortieren und: gut, trotzdem zu wenig Geld haben.

Mir auch in Florenz aufgefallen, die werden immer populärer, diese Dinger. Dort wirbt auf der Piazza Republica eines dieser Riesenplakate für einen. In Montevarchi nahe Mailand gibt es ein Zentrum mit dem Prada-Miumiu-JilSander-HelmutLang-Imperium, das wäre ja schon uff genug. Aber dort, so hat man mir erzählt, müsste man wie beim italienischen Metzger Nummer ziehen und warten, bis man Einlass in die heiligen Hallen bekäme. Die heißen nicht Outlet, sondern “Space”. Erzählt wurde mir auch, dass es dort ein Hotel gäbe, das spezialisiert auf Outlet-Shopper sei. Den Smart zum Hinfahren soll man zum Hotelzimmer gleich dazubekommen. Was schon wieder scheußlich klingt. Höllenschnäppchenschlachtmäßig. Klingt nicht weniger anstrengend, scheint aber trotzdem glücklich zu machen, wie ein Foto aus dem Netz zeigt. Hier hat man dagegen noch ganz andere Probleme. In Berlin beispielsiweise. Wo sind die Dinger hier? Jemand einen Plan?