Monthly Archive for July, 2006

Musik hören am Wochenende: One Second Bridge

jungsvonosb.jpgPasst gut zum Regen, der ja jetzt langsam kommt: One Second Bridge. Deren Musik ist, hm, vor allem schön. Bisschen melancholisch, etwas verspielt, die akkustische Gitarre macht sich auf die Suche, aufgenommener Sound einer Straße taucht auf, ab und an und immer sehr zurückgenommen findet sich etwas Gesang. Wie schreiben sie selbst: “We played guitars, computers and sang a little.” Schöne Titel haben sie auch, die lauten N°2, Ventana, Alt.Ending oder Brücke. Alle, dreizehn insgesamt, gerade eben auf dem neuen Sublabel von City Centre Offices rausgekommen, Büro heißt das.

Die Band besteht vor allem aus Vicente García Landa und Matias Bieniaszewsk, in einigen Stücken schaut auch mal Fabian Gremion vorbei und spielt ein wenig Post-Rock-Bass. Kennen gelernt haben sie sich in Barcelona im Plattenladen von Matias Bruder. Eigentlich stammen sie aus Lateinamerika, genauer Buenos Aires und Mexico, wo Vicente jetzt auch wieder lebt. Zu CCO kamen sie sehr klassisch über ein – Demotape sagt man da wohl nicht mehr. Über eine gebrannte CD? Also sowas. Die haben sie unbekannterweise an CCO geschickt – wenn ich mich richtig an das Gespräch mit Labelchef Thaddeus Herrmann erinnere. Eigentlich selten, dass das so funktioniert, hat aber gottseidank geklappt. Gut für uns. Tolle Platte.

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Regen

In Malaysia war ich ja mal vor Jahren. Hat mich ziemlich beeindruckt das Land, ist ja gemäßigt islamisch, dafür recht offen, hat aber auch so seine Probleme mit dem Ankommen in der Demokratie. Heißt: Man ringt um die Pressefreiheit, fragt sich aber zugleich in Leitartikeln, wieso Frauen eine bessere Ausbildung haben und trotzdem keine Führungspositionen.

Außerdem hat es eine seltsame rassistische Verfassung, welche die Malaien vor den eingewanderten Chinesen und Indern bevorzugt, weil sie als Rasse mit ihren Einwandern, so die Argumentation, nicht mithalten können. Rassismus auf den Kopf gestellt sozusagen. Egal. Wichtiger: Malaysia hat sich ja als Land vorgenommen, den Westen technologisch zu überholen und überzeugt immer wieder mit irren Plänen, wie jetzt auch wieder. Da die dichten Rauchwolken der gerade brennenden Regenwälder aus Indonesien schädlich sind und auch die Touristen auf Penang und Langkawi verschrecken, plant man, künstlichen Regen zu erzeugen. Hat mich irgendwie beeindruckt.

Auch in Frankreich hat man sich ja einiges einfallen lassen, um den Leuten diese Hitze erträglicher zu machen. In Paris gibt es derzeit gerade überall “Brumisateur”. Das sind Wassernebel mit Ventilator, die auf offener Straße aufgestellt sind. Sehen so aus wie da unten. Will ich auch. Finde es auch typisch, dass wir Deutschen immer noch brav auf das echte Wetter warten. Warten, bis heute später der Hagel kommt. Immer noch schicksalsergeben. Nicht gut.

Gegner gibt Geist auf.

Heute morgen auf einen interessanten Satz in der Kulturzonenbesprechung von Thomas E. Schmidt in “Der Zeit” gestoßen:

Es ist eher ein Problem deutscher Künstler, sich in ihrer Arbeit gegen eine Kultur zu stemmen, die noch ganzheitliche, verpflichtende Gesellschaftsbilder vorgibt. So schilderte der Dramatiker René Pollesch seine Theaterarbeit als eine, die konsequent gegen das »Stadttheaterhafte« gerichtet sei, das der Kunst notorisch die Pflicht zur »guten« Gemeinschaftsbildung zuweise. Alles Interessante in der Kunst findet heute jenseits »der Gesellschaft« statt.

Pollesch mal beiseite gelassen, die Beobachtung finde ich absolut richtig. Der Kampf gegen ein ganzheitliches Gesellschaftsbild, gegen eine Norm, der man sich unterwerfen muss, ist vorbei. Und was das für Kultur oder allgemeiner eine linke Position heißt, ist noch gar nicht abzusehen. Unser alter Gegner hat den Geist aufgegeben. Und das ist nicht mal ein Sieg, weil zugleich, etwas flappsig ausgedrückt, jede Menge Müll passiert.

Scheint aber irgendwie bequem zu sein, sich lieber am alten Gespenst festzuhalten, denn wir machen oft einfach weiter wie bisher. Was nicht gut ist, deutlich kann man dieser Tage beobachten, dass man es rechts weitaus schneller geschafft hat, damit umzugehen. Zeit, dass wir uns auch bewegen.

Aber jetzt erstmal Sonntag.

Die wollten ja was setzen…

Kulturzone 06 in Frankfurt: War da jemand? Wie war das? Da war ja von der Schirn Kunsthalle als ein popkultureller Rundumschlag geplant, für den an fünf Tagen zu fünf Themen jede Menge Leute eingeflogen wurden. Ob das hingehauen hat und in welche Richtung das ging, würde mich ja schon interessieren…

Schon aufregend.

Meine erste Festanstellung ist ja vor zwei Wochen losgegangen, Chefredaktion des Berliner Hauptstadtmagazins zitty. Seitdem mache ich Büro. Gerade kommt das erste Heft herein, das ich mit betreut habe. Schon irgendwie etwas aufregend. Titelstory habe ich auch gleich geschrieben, es geht um die Debatte, ob der Mann wirklich der neue Verlierer der Gesellschaft ist, wie in letzter Zeit immer wieder gesagt wurde. Oder ob man nicht vielmehr heute entpannt, relaxt und männlich sein kann, eben ohne dabei Macho sein zu müssen. Und was es da trotzdem für Probleme geben könnte. Müsste auch bald online stehen, aber an einem neuen Online-Auftritt sitzen wir eh, das ist dringend nötig. Das Magazin gibt es ab heute Abend erstmal im Straßenverkauf, ab morgen dann am Kiosk. Es geht also los. Hu.

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Kein Gerücht mehr (Hochzeit, Medien, Cola)

Kein Gerücht mehr ist wohl folgendes: Am Sonntag hat man mir beim Schwimmen im Strandbad vom Wandlitzsee, in das ich mich ja erst auf den zweiten Blick verliebt habe, erzählt, dass zur demnächst anstehenden Hochzeit von Sofia Coppola und Phoenix-Sänger Thomas Mars definitiv auch Hellmuth Karasek fährt. Hellmuth Karasek möchte man natürlich nicht freiwillig auf seiner Hochzeit dabei haben, gegen Verwandte kann man aber nichts machen. Karasek ist offensichtlich sowas wie der Onkel von Thomas Mars. Bleibt nur festzustellen: Trotz Globalisierung Welt noch immer nicht groß genug.

Kein Gerücht mehr ist auch, dass die Süddeutsche versuchen wird, eine eigene Sonntagszeitung zu entwickeln und die FAZ an Plänen sitzt, ihr Magazin wieder zu beleben. Einfach das Vorzeigeprojekt des anderen jeweils kopieren, sehr geschickt. Und ein Signal. Die mageren Zeiten der Medien sind vorüber, Kinder, es geht wieder los. Die Medien planen neue Projekte und das heißt, es gibt wieder Dienstwagen, Laptops und Spesen für alle. Fast alle. Naja gut. Überlegen wir mal, wie es damals vor ein paar Jahren bei der Gründung der FASonntagszeitung gewesen ist, würde ich sagen: Eigentlich nur für diejenigen, die vorher bei der SZ oder FAZ gearbeitet haben, weil die sich wieder gerne Mitarbeiter gegeneinander vor der Nase wegkaufen möchten. Aber Häme beiseite. Ich bin gespannt.

Bild 2.pngUnd (nur für Cola-light Süchtige) kein Gerücht mehr 3.0: Jetzt ist nach den USA und Australien auch bei uns Coke zero tatsächlich gelandet. Eigentlich ganz gut, das Zeug schmeckt nicht ganz so sehr nach Süßstoff wie Cola light. Da man aber das neue Produkt nicht mit der Argumentation einführen kann, dass das alte eben zu fies nach Süßstoff schmecke, behauptet man einfach, Cola light wäre was für Mädels und Zero ist deshalb die Diet-Cola für den Mann. “Coke Zero is Coca-Cola’s biggest product launch in 22 years and primarily targets young adult males.”, weiß Wikipedia, eine Seite, auf die der Coke-Konzern stündlich hecktisch draufguckt. Die Cola für den jungen Mann? Seltsames Konzept. Ich habe mal gefragt, in meinem Umfeld war keinem jungen Mann klar, dass Cola light ein Frauen-Getränk gewesen ist.
PS: Schon klar, Recht haben natürlich die hier, aber man kann eben einfach nicht immer im Leben das richtige tun. Und natürlich auch Spreeblick mit einem sehr offenen Interview mit Pablo Largacha von Coca-Cola über die Probleme zwischen dem Konzern und den Gewerkschaften in Kolumbien.

Von wegen gegen die EU sein. Ein Hoch auf Brüssel!

Whew, jetzt schlägt die EU-Komission aber zu. Erst verhängt sie gegen Microsoft ein Bußgeld von 280,5 Millionen Euro, dann scheint sie davor, die Fusion von Bertelsmanns Musiksparte BMG und Sony doch nicht zu genehmigen. Freie Marktwirtschaft haben wir jedenfalls nicht. Eigentlich beruhigend.

Zwischen altem und neuen Medium: Rocketboom

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Hier ist die Neue, die in der Show gleich mit Tomaten beworfen werden wird. Erstmal ja ganz geschickt angefangen. Dass die Moderatorin von Rocketboom, Amanda Congdon, aufhört, habe ich übrigens aus der Zeitung erfahren, der Sonntags-FAZ. Gut, ich war nicht ganz aufmerksam, denn hätte ich brav so regelmäßig wie sonst das DEBUG-Blog gelesen, dann wäre das Internet schneller, kein Kunststück. Trotzdem kann ich dieses Mal zumindest für mich sagen, dass es einem Print-Medium gelungen ist, mit den Blogs auf einer Höhe zu sein. Überhaupt, das zu einer Meldung zu machen und genauso ernst wie die Fernsehwelt zu nehmen, das ist schön. Also loswerden: Ein Lob an den Medienredakteur Harald Staun, von dem ich auch gestern Abend auch auf ‘nem Hoffest erfahren habe: Seit heute sendet Rocketboom mit neuer Moderatorin. Joanne Colane. Die kommt von MTV und im ersten Beitrag merkt man das irgendwie. Rocketboom wird mehr Fernsehen.

Paradox eigentlich, denn genau daran ist Rocketboom gescheitert. Von wegen Global Village, wie es scheint, bricht Rocketboom vielmehr am Spagat zwischen dem alten Produktionsmedium Fernsehen und dem neuen dynamischen Internet auseinander. Diesen Eindruck bekommt man zumindest, wenn man den gut dokumentierten Streit zwischen Produzent Andrew Baron (besitzt an der Show 51%) und Amanda Congdon (49%) nachliest. Da erfährt man, dass Amanda, die von Rocketboom nicht leben kann, beruflich vor hatte nach L.A. zu gehen, Andrew die Show aber offensichtlich trotz erster Zusagen (produzieren kann man überall…, is ja Internet) nicht unter diesen Konditionen weiterführen wollte. Schon interessant. Schade auch.

Andererseits, hm: Irgendwie hätte man das sicher hingekriegt, wenn man gewollt hätte. Da ist wohl einiges andere noch schiefgelaufen. Was wieder mal zeigt, dass die Welt auf unserer Seite nicht immer besser ist und die alternativen, von uns selbst gemachten Projekte auch nicht friedlicher sind als die ökonomischen Großprojekte. Nochmal schade.

Abgang

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… Und mit Zisou, wie war das. A “No-Go”? Oder menschlich? Weil zuviel Druck, muss man ja mal ausrasten? ‘He doesn’t want to be a hero.’, hat jemand gestern beim Spielgucken gesagt. Vielleicht stimmt das sogar: Macht man halt 2006 nicht mehr, Hero sein. Rolle out. Und Preis kriegt er trotzdem. Ist das okay?

Finale, dann, letztendlich.

Als der italienische Weltmeister dann am Ende ohne Hose herumlief, da fiel mir auf: Wo war eigentlich während der gesamten WM Goleo?

Eigentlich ganz gut so, oder?

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Finde ich nämlich auch: “So kommt das Ereignis zu einem ganz versöhnlichen Ende, gerade bevor die Prolligkeit überhand zu nehmen droht, irgendwie erscheint das ganz okay so.”







Fußball, Frauen und: Männer

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Täusche ich mich, oder ist es diesmal anders: Wir haben nicht nur bei allen Fußball-Events eine relativ dichte Präsenz von Frauen, die gucken dabei auch genauso kompetent oder schleppen gleich ihren Sidekick, der eigentlich nicht soo auf Fußball, mit zum Public Viewing. Außerdem kompetente und angenehme Fußball-Moderatorinnen.
Frauen und Fußball, kein Problem – und parallel dann das (das hängt doch irgendwie zusammen): Überall – etwa hier und hier und hier – debattiert man über den Mann, dem sein Rollbild abhanden gekommen ist. Was ich nicht ganz verstehe. War eh nicht so gut, das Rollenbild. Da hatte man als Mann doch nur Scherereien mit. Weshalb da soviel Verlustangst?

Bild, wie es sich gehört, via Soccergirlz.