Monthly Archive for September, 2006

Explosion und das war es dann mit dem Terror.

Das Buch habe ich nicht gelesen, aber gestern war ein ganz gutes Interview mit dem Schriftsteller Yasmina Khadra zu Terrorismus in der FAZ. Hat irgendwie Haltung. Einerseits die Aussage “Ein Terrorakt ist und bleibt eine Untat” als Prinzip zu setzen, zugleich aber gegen das Pauschalurteil zu argumentieren, Terroristen seien einfach nur Fanatiker, Fundamentalisten oder Islamisten und damit sei schon alles gesagt, nur damit wir uns hier vormachen können, Terrorismus sei doch bloß ein “Importproblem”. Und wir müßten uns deshalb nicht näher damit auseinandersetzen.

…. Die Leute im Westen neigen dazu, vom Terrorismus nur den spektakulären Moment der Explosion wahrzunehmen und das Phänomen insgesamt als Besonderheit des Mittleren Ostens zu betrachten, die sich manchmal, wenn man nicht aufpaßt, in eine westliche Metropole verirrt. Europa wiegt sich in der Illusion, Terrorismus sei ein Importartikel. Ein Attentat ist nichts Abstraktes, sondern dahinter steht immer ein persönliches Drama, das uns alle angeht.

Meinen Sie damit, daß der Täter gewissermaßen selbst auch immer Opfer sei?

Darum geht es nicht. Wir kommen aber nicht drum herum, uns Fragen zu stellen, wie so ein Akt möglich wurde. Daß, wie in meinem Roman, ein intelligenter, vernünftiger, sein angenehmes Leben in vollen Zügen genießender Mensch plötzlich sich selbst in die Luft sprengt, um möglichst viele andere mit in den Tod zu reißen, sollte uns nicht nur entsetzen, sondern auch zum Nachdenken veranlassen. Statt dessen begnügt man sich mit den Pauschalvorstellungen: Fanatiker, Fundamentalist, Islamist.

Und dann die sehr intelligente Antwort auf folgende Frage:

Den Terroranschlag geistig nachvollziehbar zu machen, ist das nicht der erste Schritt zur Legitimierung?

Und so etwas sagen Sie, ein Europäer, Erbe einer Denkkultur der Vernunft und der rationalen Erklärungen, von der die ganze Welt profitiert hat? Der Westen verrät manchmal seine eigene Tradition. Er schwenkt das Wort „Terrorismus“ wie ein rotes Tuch, bei dem alle logische Ursachenbestimmung aussetzt, oder er benützt das Wort als Kampfbegriff. Die Empörung gegenüber dem Terrorakt wird heute oft „verwestlicht“: Ein Attentat in Madrid oder London ist entsetzlich, eins in Kairo oder Bagdad – na ja, das gehört dort halt irgendwie dazu.

Da hat er einen Punkt.

Israel im Libanonkrieg die Rolle des Täters unterzuschieben, dieser Meinung bin ich trotzdem nicht.

Check One Two

Nein, ich war nicht betrunken. Wir haben versucht, herauszukriegen, warum die Ö-, Ä- und Ü-Zeichen erst beim Wiederladen von Safari dargestellt werden. Was wir übrigens nicht rausbekommen haben. Dafür haben wir mit dem neuen Itunes gespielt, denn das ist mit Covern. Killer. Musik wird für mich ab sofort wieder visuell. Was dazu geführt hat, dass ich sofort “I’m walking away” von Craig David löschen musste. Uh.

Ähh wiesö

Nur sö. Oder äh? Daß.

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Noch mehr neo

Nachdem ich mittlerweile drei nachvollziehbare Definitionen von neobürgerlich eingesammelt habe, vor allem aber Dank dem Post von Aram halbwegs verstanden habe, was das ist: Kann mir vielleicht noch jemand den Unterschied von neoliberal und neobürgerlich erklären? Dann wäre ich in meinem Koordinatensystem vielleicht langsam mal etwas weiter.

Goßartig neben der Spur sein

4403.jpgKurz bevor die Popkomm anrauscht nochmal auf ruhigere Musik verweisen: Bill Wells “Osaka Bridge” auf Karaoke Kalk. Die ist zwar schon seit Juni in den Läden, pustet aber gerade so wunderschön nebensächlich durch meine Wohnung, dass ich nochmal darauf hinweisen muss. Das passiert, wenn ein schottischer Pianist auf ein japanisches Amateur-Ensemble trifft. Schräg daneben liegen war noch nie so groß wie bei Maher Shalal Hash Baz und ihren Blasinstrumenten. Bin Fan. Mehr zu Bill Wells Projekt hier von Thaddeus Herrmann in der de:Bug. Maher Shalal Hash Baz ist übrigens hebräisch und heißt: “Sei schnell, wenn du was stehlen willst.” Habe ich irgendwo gelesen.

Puh

Die – jetzt neu – ist eigentlich ganz gut geworden. Übrigens ganz schön Arbeit, etwas Wind in so einen Laden zu bringen. War mir aber schon vorher klar. Was ich auch wusste: Zusammenarbeiten mit Menschen, motivieren und so, kann ich. Trotzdem sind Menschen immer wieder eine anstrengende Angelegenheit. Arbeitet man mit ihnen zusammen, wird es früher oder später Probleme hageln. Immer. Arbeitet man alleine, langweilt man sich dagegen irgendwann zu Tode. Na das sind Aussichten, ha!
Übrigens: Verbesserungsschläge für das Heft ALLGEMEIN, her damit. Ob die auf dem Weg durch die Struktur überleben, das ist dann immer eine andere Frage. Dieses Mal hat mehr überlebt. Ab und an leider weniger. But we try.

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“Schwelgen im Altöttinger Gefühl”

Ah ja. Während der Papst da ist, ist die Süddeutsche Zeitung offensichtlich komplett gebrainwasht. Wie wäre es mal, nicht zu beschreiben, wie toll der Bursche sich in Bayern fühlt, sondern was er für einen gefährlichen Unsinn verzapft? Kritik am Papst geht irgendwie offensichtlich aber in keiner deutschen Tageszeitung, weil der Papst Deutscher ist. Das kann doch alles nicht wahr sein.

Der Papst

papst_weihrauch.jpg Ab sofort füttern wir nur noch christliche Afrikaner und die anderen sollen verhungern? Oh Mann.

Wie B. vorhin vollkommen richtig meinte: Auf radikalen Islamismus sollte einem eigentlich eine andere Antwort einfallen, als einfach nur radikaler Christianismus.













Da gucken wir lieber vorbei, seltsam.

000_1160.JPG Ausgewesen, neobürgerliches Umfeld dabei begutachtet. Meine Freunde gefragt, warum wir uns lieber das angucken, als in schnuppigen linken Kneipen und Clubs abzuhängen. J. sagt, dass ist, weil man da näher dran wäre am Kapitalismus. Und das sei interessanter, als effektloses vor sich Hindaddeln in Nischen auf Sperrmüllsofas. Was mir nur noch nicht so klar ist: Was unterscheidet eigentlich neo-bürgerlich von bürgerlich? Dass man in einer Patchwork-Familie lebt und nicht mehr in einem Reihenhaus? Ist das alles?

Jedenfalls am Wochenende gelernt: Zu aufgeräumt aussehen ist auch nicht richtig gut.

Jede Menge los im Netz (Meinungen etwa)

Wider die Unentscheidbarkeit: Da hat mal jemand eine Meinung. Das liest sich gut, und vielleicht ist es auch gleich, ob sich Personen wie Fritz J. Raddatz dabei zu gut gefallen. Genauso wie Henryk M. Broder oder Betinna Roehl. Die sowas ähnliches haben wie Blogs habe ich gerade entdeckt. Hier und hier.

Nerds wie diese schreiben unsere Serien

Das ist J.J. Abrams, der ist jetzt 40 und dem haben wir Serien wie Alias oder Lost zu verdanken. Von letzterem habe ich gerade die ersten zwei Folgen der 2. Staffel gesehen. Die startet bald, am kommenden Montag, 11. September. Dabei wieder festgestellt, wie großartig diese Serien sind.
Mehrere Schichten Popkultur zu einem dichten Gewebe verflechten, das ist so ein wunderbares Spielfeld. Mit diversen Subtext-Ebenen vor sich hinballern, seine Charaktere John Locke oder Rousseau nennen, mit Nummern magisch herumspielen, Monster schaffen und wieder verschwinden lassen.

S. hat mich ja darauf aufmerksam gemacht, dass das Inselmonster – Hauptbedrohung in der ersten Staffel – ab sofort keine Rolle mehr spielt. Es verschwindet einfach – und man stört sich nicht mal dran. Ziemlich interessant eigentlich, denn offensichtlich geht es heute nicht mehr darum, eine geschlossene Story zu fabrizieren. Man folgt einfach diversen Strängen irgendwohin. Schon gut.