Nachdem ich mittlerweile drei nachvollziehbare Definitionen von neobürgerlich eingesammelt habe, vor allem aber Dank dem Post von Aram halbwegs verstanden habe, was das ist: Kann mir vielleicht noch jemand den Unterschied von neoliberal und neobürgerlich erklären? Dann wäre ich in meinem Koordinatensystem vielleicht langsam mal etwas weiter.

Sehr geehrte Frau Bunz,
unter “neoliberal” verstehe ich zumindest eine hemmungslose Bejahung des Gewinnmaximierungsprinzips bei gleichzeitigem “wir haben aber nichts gegen niemandem” – Betonen. Neoliberal kann zB. der einen überschwänglichen Lebensstil pflegende Jungunternehmer genannt werden, der nichts dagegen hätte, 1-Euro-Jobber seinen Rasen mähen zu lassen, die Spendenquittung dann aber auf ein alternatives Kunstprojekt mit sadomasochistischen Inhalten ausstellen ließe.
Vertreter der neuen FDP-Generation sind mir in den Medien vor allem durch ihre vehementen Forderungen nach Privatisierung sämtlicher sozialer Belange aufgefallen. Die neuen liberalen Frauen haben den Fokus auf Bildung, Stil und Gleichstellung. Selbstverständlich sind sie irgendwie sozial engagiert, dies allerdings nicht, ohne irgendwen über die Unterschiede zwischen sich selbst und den Schützlingen im Unklaren zu lassen. Auf so etwas wie Arroganz angesprochen, würde der/die Neoliberale allerdings nie zugeben, gegen irgendwen Vorbehalte zu haben.
“Neobürgerlich” hingegen geht eine ganze Ecke weiter. Nehmen wir die neue Betonung der familiären Werte. Es ist wieder chic, zu Hause bei den Kids zu bleiben, zu kochen und sich mit den Freundinnen zum Stricken zu treffen. “Neobürgerliche” gehen einen bedeutenden Schritt weiter als Neoliberale, indem sie so etwas wie Fingerzeigen durchaus noch betreiben. Das Augenmerk geht dabei nicht nur auf den Status, sondern vor allem auf “gutes Benehmen”. Es kann also auch ein Habenichts akzeptiert werden, geht er mit den Ansichten des Neobürgerlichen konform, ist fleißig und rechtschaffen. Kreativität wird zwar bewundert, allerdings auch teilweise als brot- und bodenlos ängstlich gemieden.
Vielleicht habe ich mich da verlaufen, aber den Versuch war es wert.
Die Neobürgerlichen sind neo-geizig, -genügsam und -grausam. Und -kalt, -berechnend und -repressiv. Und die Neoliberalen sind nachgewachsene Liberale, sagen nichts Anderes oder Neues. Ob da ein Unterschied besteht, ich weiß nicht, die einen lieben urplötzlich wieder Thomas Mann und Goethe, und die anderen sind nun neuerdings erfolgreich, ehrlich und verdienen ihr eigenes Geld. Also ziemlich unveränderte Koordinaten. Oder habe ich das Neo bei denen nur noch nicht verstanden?
beide begriffe funktionieren als kampfbegriffe komplemtär: neoliberal bezieht sich v.a. auf die basis (produktionsverhältnisse); neobürgerlich auf den überbau (die schöne kultur). und beides geht gegen die unterschichten, weil die auf der ebene der basis “abkassieren” weil vom “vater staat” alimentiert werden und nix leisten wollen und auf der ebene des überbaus schlecht essen, videospiele spielen und überhaupt doof sind. schlag nach bei paul nolte.
Thomas Mann habe ich früher auch gerne gelesen und Goethe lernte ich dann später schätzen. Man kann die Prosa doch auch durchaus mit dem simulierten Bewusstsein genießen, dass da vielleicht Benjamin und Adorno gehabt haben mögen. Zumindest letzterer hat gewissermaßen versucht, das revolutionäre Potential des (klassisch) Bürgerlichen noch einmal zum Guten zu wenden. Innerlichkeit als Chance, quasi. Mann kann natürlich auch Goethe und Mann lieben, weil sie so edel im Regal aussehen, die jungfäulichen Bücher. Ich glaube aber weder, dass die Neobürgerlichen, noch die Neoliberalen “nachgewachsen” sind. Eben aus dem Grund, weil Bürger und Liberale einmal extreme gesellschaftsverändernde Triebkräfte gewesen sind. Was davon übrig ist, sind nur noch Klischees, in die man bequem hineinschlüpfen kann. Die FDP ist vielleicht neoliberal (was immer das heißt), aber sie hat mit Liberalität wahrscheinlich ähnlich viel zu tun wie, … Greenday mit Punk, fällt mir jetzt kein besseres Beispiel ein. Andersherum formuliert: Liberalität hat nicht primär etwas mit Gewinnmaximierung zu tun, aber es ist eine dynamisch wirkende Möglichkeit, eben diese mit jener zu adeln. Das vorgestellte ‘Neo-’ suggeriert eine Anpassung an und Einstellung auf Gegebenes. So wird die Synthese von Tradition und Innovation erschummelt. Aber noch mal gefragt: Ist die Akzeptanz solcher (simplifizierenden) Klassifizierungen gerechtfertigt, indem man sie hüben wie drüben mit “Stricken”, “Kinder hüten”, “Westerwelle” ausfüllt? Wenn die Neos hübsch einheitlich ihren Lebensstil pflegten, könnte ich damit ganz gut leben (im Gegensatz zu manch anderen bundesrepublikanischen Ausprägungen). Muss man ja nicht mit. Aber da, wo man mit muss: Ist das neobürgerlich bzw. neoliberal? Oder sind diese beiden Konzepte nicht auch bloß mehr oder weniger verzweifelte Versuche, mit etwas klar zu kommen, was trennscharfe soziale, ökonomische und nationale Unterscheidungen einfach in die Tonne tritt?
Bürgerlich sein heißt nicht, dass man weiß, wo das Fischmesser plaziert wird. Bürgerlich ist, wer über Dienstpersonal verfügt, das weiß, wo das Fischmesser zu plazieren ist. Bei Bürgerlichen ist oder besser war dieses Dienstpersonal teil des Hauswesens. Bei Neobürgerlichen sind Kindermädchen, Dienstmädchen, Köchin, Gouvernante, Hauslehrer, Gärtner, Chauffeur als scheinselbständige Dienstleister outgesourct (steht tatsächlich so in meinem Duden).
Kurz: (neo)bürgerlich ist, wer sämtliche niedrig-bewerteten reproduktiven Funktionen des Hauswesens in die Nähe des Dienstbotenaufgangs (bürgerlich) oder eine beliebige Sozialbauwohnung (neobürgerlich) verlegt. Nun wird man einwenden, dass sich heute doch nur die wenigsten Dienstpersonal leisten können. Doch warum? Jedenfalls nicht, weil die Bürgerlichen um 1900 unermeßlich reich waren. Vielmehr weil das soziale Gefälle so groß war, daß es junge Frauen gab, die für einen Job bereit waren, unter in unseren Augen absolut unwürdigen Verhältnissen zu leben (siehe Berliner Altbauwohnung ab 140 qm). Das Credo einer Politik, die einer neuen Bürgerlichkeit zum Durchbruch verhelfen möchte, muss also lauten: Verbilligt das Dienstpersonal.
An dieser Stelle hat das Neoliberale seinen Auftritt. Seine Aufgabe ist es, bezahlbares Dienstpersonal zu züchten: durch 1Euro- und Minijobs, Geringbeschäftigte: die liefern einem günstig das Gemüse und die Getränke, machen die “Kinderfrau” oder den Garten, bedienen beim Barbecue (Papa steht auch mal 20 min. am Grill) und zuweilen geht der 1Euro-Akademiker mit den Kindern ins Kino! Prima Perspektive…
Vor gut einem Jahr hat sich doch ein Neoliberaler in einem äußerst schlüpfrigen taz-Artikel, der auch hier in diesem Blog sein Fett weggekriegt hat, klar geäußert, was er sich unter Neoliberalsein vorstellt, und die anschließende „Debatte“ hat dann gezeigt, daß er genau getroffen hat, was auch die Nichtneoliberalen darunter verstehen und nicht leiden können. Da hieß es unter anderem, daß sich das bürgerliche Milieu in den letzten Jahren stark verändert habe und die neobürgerliche Kulturrevolte auch die Mentalität der Wirtschaftseliten durcheinanderschütteln würde, und daß das Establishment keine konservative, sondern eine permanent revolutionäre Konzeption geworden sei. Und was nicht alles. Den falsche Neo-Anstrich hatte die Folgedebatte auf jeden Fall gut entlarvt: Die Neobürger ohne Thomas Mann und ohne Fontane sondern mit Throbbing Gristle und mit Cabaret Voltaire gleichen nicht erst dann dem klassichen Bürger, wenn sie mit ihm politisch kooptieren oder koalieren, sondern schon dann, wenn die beiderseitigen häßlichen Eigenschaften beisammen sind.
In jener Debatte wurde die Frage, ob da der Unterschied zwischen Neoliberal und Neobürgerlich sei, vielleicht schon beantwortet. Oder man hat vergessen sie zu stellen. Denn es sind klar und deutlich nach wie vor zwei unterschiedliche Beschimpfungen geblieben: Man hört eher „neoliberale Politik mittragende PDS“ und „neobürgerliche Grüne“, seltener umgekehrt.
Und was @Ciaballe addendum est, Thomas Mann und Goethe können sich natürlich nicht mehr währen. Das ist wohl so ein ähnlicher Fall wie die Nazis und Wagner oder die Kommunisten und Brecht. Ich würde sie allesamt mit ganz unsimuliertem Bewußtsein genießen und mich an ihnen allen hemmungslos laben.
neo liberal
eine zeitschrift inszeniert eine fotostrecke zu unternehmern und arbeitslosen – die unternehmer werdend dabei top inszeniert, gut ausgeleuchtet inkl. raum (space) – der möglichkeiten entwirft – die fotos müssen dabei nicht von unten aufgenommen werden – fotos markieren irgendwie arbeitsplatz, großzügig auch vor dem haus
die arbeitslosen werden schlechter ausgeleuchtet, man sagt ihnen, sie sollen natürlich wirken, alltäglich, sie ziehen sich zum termin entsprechend an (lassen sich inszenieren) – die räume sind beengt, bspw. foto in entsprechender wohnungsküche usw
neo bürgerlich
unternehmer und arbeitslose werden ihres milieus entkleidet aufgenommen, bspw. in der natur, bzw was natur markieren kann – out of context – das individuelle steht im vordergrund, der/die einzelne – bis zu der aussage, wandel ist möglich
(im neo liberalen fungiert das milieu als faktor – konservatives gefüge in dem sinn, indem kein ausbruch aus diesen diagrammen möglich ist, geschlossene inszenierung – vermarktung eines definierenden milieus – das diagramm/gefüge markiert sicherheit, keine bedrohung der position durch wandel – neo liberalm ist eine worthülse – so schrecklich wie neo-kantianer, fundamentalistisch
das neo bürgerliche ist ein ideal – die krux entsteht hier, wenn der wandel tatsächlich, er ist als möglich markiert, stattfindet und sich positionen verschieben – denn der neo bürgerlich inszenierte arbeitslose steht ja noch im vom neo bürgerlichen inszenierten setting – das neo bürgerliche sieht aber nicht vor, dass der arbeitslose selbst etwas damit anfängt, heraus tritt – das neo bürgerliche lässt möglichkeiten, die dem neo bürgerlichen erst bei deren realisierung oder aktualisierung bewusst werden – neo bürgerlich kann dann in neo liberal kippen)
oder ist es nicht so
@Uralte Sage: Einverstanden. Man soll sich Kunst von niemandem verderben lassen. Sonst bleibt leider schnell nix mehr übrig.
… also schaffen Neoliberale die Voraussetzungen und das gesellschaftliche Klima dafür, dass die Neobürgerlichen bequem (mit Dienstbotenunterstützung), aber relativ unauffällig in ihrem Segment verharren können. Die Polarisierungsgeschichte nehmen erstere offenbar gerne auf sich.
Öko-Spießer = Neobürgerlich?
Vermutlich ist es genau so.
Ich weiss nicht. Ich finde neo-bürgerlich hat durchaus was.
Was natuerlich dadurch kommt, dass die Mittelschicht nicht mehr neo-buergerlich sein kann. In Zeiten, in denen die Arbeitslosenversicherung noch ein Jahr gilt und dann Haus und Hof draufgehen. Und wir spaeter eh keine Rente bekommen. Es ist also so: Oekonomisch gibt es keine Absicherung mehr, allerdings bleiben noch die Symbole. Und mit denen macht es Spaß zu spielen. Haben Symbole halt so an sich.
Innerlichkeit ist übrigens wirklich irgendwie tot. Mausetot. Auch interessant.
Und der Papast mit der Fusion von Vernunft und Glauben, die er ständig vor sich hertraegt, ist Dekonstruktivist. Ha!
Mrs. Bunz, es kann doch per definitionem gar keine ‘Dekonstruktivisten’ geben. Ich habe allerdings auch den Verdacht, dass Benedikt bisweilen der Dekonstruktion ihren Tribut zollt. Was nichts anderes heißen mag, als dass er sehr geschickt Zitate in den Diskurs einsprengselt. Nicht zu vergessen, dass er die Leute schön mit den Symbolen spielen lässt, während er fleißig fusioniert. Manchmal denk ich sogar, das ist mir sympathischer als der Christiansen-Schmock. Sehr schön übrigens das eingeschmuggelte ‘a’ im obigen Post.
@mrs. bunz: Das bißchen tot. Dekonstruktivistisches Symboletreten macht auch nicht wieder lebendig. Wirklich, wir schreiben uns hier die Fingerkuppen platt, geben uns Mühe, den Burberrysschal unbrauchbar langzuziehen, und dann ist das Neobürgerlich auf einmal wieder toll und hat durchaus was. Ich mein bitteschön. Was hat es denn? (Geld?)
symbole ist gut, sie verlaufen idr nur über einen sinn und gehören idr dem platonischen an
der neo-liberale trägt symbolisch u formal bspw die ausländergesetze (grad hat sich die schweiz das härteste asyl u ausländergesetz europas zugelegt), findet jedoch nichts dabei illegal illegale bspw als gärtner oder im haushalt zu beschäftigen
der bürgerliche bleibt idealtypisch zumindest an seine moralvorstellungen gebunden – der neo-bürgerliche hat diese moralvorstellungen gar nicht mehr – das neo ist ein filter, der alles, was an den alten begriffen offen und ungeregelt in der praxis vorhanden war kassiert – ich glaube, das ist neo – bspw neo-konservativ – wo die konservativen noch liberal (!) waren, sind das die neo-konservativen nicht mehr – mein gott, ein unfertiger werkstattgedanke
hm, entlang der ismen gehangelt gibt es einen neo-libaralismus aber nichts vergleichbares für eine bürgerliche definition – bspw neo-bürgerlichismus … das neo-bürgerliche verfügte über keinen ismus … naja, es sind mal wieder die begriffe, zumindest ist ein ismus ein indikator für fundamentalismus – ist doch bei jeder kategorie so … ich plädiere, die kategorien zu meiden (das prinzip dazu wäre anarchismus, es hieße die prinzipien zu meiden ebenso – ) … die definitionen sind mir zu geschlossen, die leute leben aber ihre kategorien … wie bspw das von mir angeführte magazin, ich sag nicht welches … in höherem rahmen sind heute innerhalb von definitionen widersprüche möglich, die es früher nicht gegeben hätte, die schärfer sanktioniert worden wären –
proletarisch oder kleinbürgerlich wäre doch eher zum davonrennen, es sei denn, man codiert innerhalb dieser begriffe etwas um, was real jedoch nicht stattfindet – ich glaube nicht, dass dienstboten usw bspw. kämpfer für freiheit sind – bürgerliche und anarchisten haben sich dabei stets eher verstanden – der punk eine erfindung bürgerlicher, aber wem sag ich das, kunststudenten – was erfinden neo-bürgerliche kunstastudenten, um den weg wieder in die praxis zu finden – empirisch prüfbar
den generierten ausnahmezustand des papstes nicht verstanden – es sei denn, der steckt wirklich mit der west-politik unter einer decke – neo-klerikal – also konservativ, erboste moslems geben korrupten regierungen stoff, deren polizeimaßnahmen zu fundieren – oh gott, hier verfehle ich das thema – neo-thematisch betrachtet, ha, wird man so sein eigener fundamentalist
ok, entfaltungsmöglichkeiten bot das bürgerliche inkl freiheiten, die lebbar waren – die sinnfrage kommt später wieder, nach den wilden jahren – wer die immanenz erreicht hat, wird damit keine probleme haben – submit
Liebe Frau Bunz, es gibt nichts, was weniger sexy ist als Abstiegsangst. Die hast Du ja bereits mit Deinem U.P.-Hype bewiesen. Und nun das, “neobürgerlich hat durchaus was”. Was würdest Du davon halten, mal über unsere Welt zu reden, kurz, wie wär’s mit einem neoproletarischen Manifest, einem Manifest derjenigen, die dem Staat nur mit ihren Nachkommen dienen. Oder besser noch einem sub- oder lumpenproletarischen: Besitz- und Nachkommenlose aller Länder vereinigt euch! Hoch die zölibatäre Solidarität!
Abstiegsangst. Whew, was ein Wort. Da beginnt es gleich, überall zu ziehen. Beeindruckend. Ist eben ein sehr treffendes Wort für diese Welt. Die tröstet sich damit, dass es kein Abstieg, sondern eine Flexibilisierung ist. Vorrübergehende Armut sozusagen.
Und ein neoproletarisches Manifest finde ich ja super. Das sollte man mal aufsetzen. Was sind die Vorderrungen?
@
ja, selbstverständlich, die ununterscheidbarkeit von vernunft und glauben (wie bei der grossen koalition), die hat benedikt gefordert und die lehrt er und deswegen ist er dekonstruktivist.
ausserdem ist er dekonstruktivist, weil für ihn der kontext (seiner zitate natürlich) sehr wichtig ist: da ist übrigens auch wolfgang schäuble dekonstruktivist (nur die islamisten sind zu doof für dekonstruktivismus; sie haben diesbezüglich ein modernitäts-defizit — wir müssen ihnen den dekonstruktivismus noch einmal erklären).
überhaupt: mit necla kelek möchte man rufen: verteidigt jeden meter unseres dekonstruktivismus!
@
ja, selbstverständlich, die ununterscheidbarkeit von vernunft und glauben (wie bei der grossen koalition), die hat benedikt gefordert und die lehrt er und deswegen ist er dekonstruktivist.
ausserdem ist er dekonstruktivist, weil für ihn der kontext (seiner zitate natürlich) sehr wichtig ist: da ist übrigens auch wolfgang schäuble dekonstruktivist (nur die islamisten sind zu doof für dekonstruktivismus; sie haben diesbezüglich ein
neo-bürgerlichkeits-modernitäts-defizit — wir müssen ihnen den dekonstruktivismus noch einmal erklären).überhaupt: mit necla kelek möchte man rufen: verteidigt jeden meter unseres dekonstruktivismus!
[sorry, kommentar davor vertippt]
Ok, ein blödes Wort. Der Abstieg setzt ja ein relativ geordnetes Hierachisierungsgefüge kleinbürgerlicher Lebensformen voraus, wie es bspw. in den 70ern in der BRD existiert haben mag. Heute erleben wir ja gerade die Zerschlagung des kleinbürgerlichen Kontinuums (Sozialbauwohnung, mod. Altbauwohnung, Reihenhaus, Doppelhaushälfte, Einfamilienhaus – Hamster, Katze, Wellensittich, Dackel, Dänische Dogge), das die Kultur des Sozialstaates prägte. Offensichtlich hat man in einigen Kreisen erkannt, dass diese Kompaktheit der deutschen Gesellschaft den “Anforderungen” der Globalisierung nicht mehr gerecht wird. Länder wie Brasilien und China machen es vor: Extreme Polarisierung in arm und reich = Superwachstum!
Deutschland wird gerade einer massiven Brasilianisierung unterzogen, an deren Ende eine global wettbewerbsfähige Wissenselite und ein stets arbeitsbereiter, staatlich teilalimentierter Billigkonsumpöbel stehen soll.
Deine (implizite) Opposition: Urbaner Penner vs. Neobürgerlicher ging mir zu sehr in diese Richtung. Sie macht die neoliberale Politik einer Prekarisierung bei komplementärer Gentrifizierung zum Problem einer individuellen Entscheidung: Es liegt an dir! Mit etwas Haltung wird noch der letzte U.P. zum Neobürgerlichen! Entscheide dich!
Deshalb fordert der Neoprolet freien Zugang zum Glück (des Wissens, der Arbeit, des gemeinsamen Essens) jenseits der neobürgerlichen 3KindFamilie.
neo plus was dran, die Definition eines Oxymorons
texte zur kunst no 55 (online) bespricht die vorsilbe ausführlicher (zufällig gefunden) – bspw neokonservativ – es geht sogar um neozeitschriften
habermas fungiert als kronzeuge der kleinen vorsilbe, ich habs nicht gelesen, nur grad gesehen zufällig
neofaschisten gibts auch noch, umd die gesellschaft zu komplettieren, neoanarchisten gibt es nicht, was interessant ist …
new york, was ist die differenz von york zu new york, new york ist jedenfalls etwas, in das viel reinprojiziert werden kann
neo plus was dran ist ein oxymoron, um die ausführung gehts ja hier nicht … das neo dient einer setzung oder gründung, mit der sich abgegrenzt wird, gleichzeitg stoppt das prozesse – eine setzung ist keine dekonstruktion, ein altes vokabular wird gestoppt … neo wäre eher eine zuschreibung von außen … an etwas, das bereits abgeschrieben wurde … es erfolgt keine umcodierung – “urbane penner” ist eine umcodierung – neo-gammler würde ganz andere assoziationen produzieren … vermutlich nach gescheiterter umcodierung
neo ist auf jeden fall kein infinitiv – neo ist eine scheinvokabel, wie kommt es zu diesem neo, neo verschleiert prozesshaftes zugunsten einer setzung, man ist jetzt wieder neo … das neo gerät zur puren information … was führt dahin …
das neo plus was dran ist ein oxymoron – die setzung verhindert die eigentlich eingebaute dekonstruktion des oxymorativen – was ist ein neologismus … ein neologismus ist auf jeden fall etwas richtig neues … eine andere art …
man distinguiert sogar in alten und neuen neokonservatismus, neoneokonservatismus … neoneoneoneoneoneoneobürgerlich, eine spur, siehe da, das ruft doch noch nach dekonstruktion, ein sichtbar werdender prozess, ab wenn wird das neo gesetzt, und warum wird das nicht durch viele neos vor das wort prozesshaft sichtbar gemacht … zwischen drin baut man tankstellen, ab wo man in alten und neuen neoneoneoneoneoneoneo nenenenenenene
neojetzt neohabe neoich neonichts neomehr neozusagen
neowiedersehen
@ dreta: Das online nachlesbare Texte-zur-Kunst-Gespräch ist zwar zum Thema, aber doch eher nur Gesprächsanlaß, um über Olafur Eliasson zu sprechen oder welcher Film gut war. Hat wohl bei dem Gespräch Frau Oetker von der Kunstsektion des Bundes der Deutschen Industrie (BDI) zwischendurch Kaffee reingereicht?
@uralte sage: bei dem gespräch der geheimen tzk-loge war nicht nur der BDI sondern auch die weisen von zion persönlich anwesend. wie ärgerlich, dass diese verschwörung nun von dir aufgedeckt wurde…
@aram: Hauptsache nicht der BND. Okay, das pfiffen die Spatzen von den Dächern.
@uralte sage: welche spatzen denn? vielleicht solltest du mal mit leuten reden, die tatsächlich dabei waren.