Monthly Archive for October, 2006Page 2 of 2

Richtig gut

kwnomatterimage03.jpg Ist die von Anselm Franke kuratierte Ausstellung No Matter How Bright the Light, the Crossing Occurs at Night in den Berliner Kunst-Werken. Läuft noch bis zum 12. November. Mit dem großartigen “Hospital Bone Dance” von Judith Hopf und Deborah Schamoni und zwei wunderschön spröden Installationen von Natascha Sadr-Haghighian. Überhaupt eine der gelungensten Präsentationen von Kunst, die ich seit langem gesehen habe. Nein, das ist keine Übertreibung. Das ist Werbung.

Überwältigung sollte man immer probieren

killers_samstown.jpg Die hier, die neue The Killers, die wird ja eigentlich überall gebasht. Hier etwa und hier. Zuviel Wille zum Stadionrock, Queen, U2, das sei alles zu durchsichtig und außerdem käme hinter ihrer Geste zur Größe eben nichts. Jetzt kann man die neue Platte tatsächlich nicht so gut finden (dazu gleich mehr), aber nicht mit dieser Argumentation. Weil: Wieso muss hinter einer Geste eigentlich was kommen, wenn doch die Geste schon genug ist? Und warum muss man immer skeptisch sein, wenn mal jemand etwas will? Das ist doch scheiße. Irgendwie auch typisch deutsch. Muss man natürlich kritisieren, wenn jemand als Geste Bombast, Größe und Überwältigung setzt. Und keine Selbstreflexion. Uh.

Was allerdings stimmt: Die erste war tatsächlich besser. Aber nicht, weil Hot Fuss noch nicht so grandios sein wollte – das wollte und war sie auch. Nein, sie war stilistisch etwas offener und hatte bessere Lyrics, weil die ganz gerne einfach mal abgebogen sind. Und ich persönlich mag die neue Produktion auch nicht so wirklich. Diese U2-mäßig zurückgenommene Stimme von Sänger Brandon Flowers hat – darüber muss ich jetzt noch lachen – tatsächlich dazu geführt, dass ich kurz dachte, meine Anlage sei kaputt.

Und trotzdem. Trotzdem gehört Sam’s Town zu den besseren Platten. Weil The Killers ein so schwieriges Format wie Stadionrock ernst nehmen und sich damit auseinandersetzen und das dann gekonnt zu einem Ergebnis zusammenfügen. Und dieses Ergebnis klingt nicht neu, ist aber irgendwie zugleich weit jenseits von Zitat. Was mich fasziniert. Und damit kriegt es die Platte irgendwie hin, etwas zu wollen. Ist also groß. Viva Las Vegas.

Ansonsten noch entdeckt: Die wahnsinnig guten portugiesischen, spanischen und italienischen Chansons von Laura Lopez Castro, und immer wieder die alte Hot Chip, Coming on Strong. Und beide irgendwie, auch wenn das absurd ist, wegen der Stimmen.