Bonding

royale_earlyposter.jpgWeihnachten genutzt, ins Kino zu gehen und Casino Royale/Bond gesehen. Schon erstaunliches Teil, das. Natürlich nervt es, dass Daniel Craig als Bond ständig so eine Schnute wie da drüben ziehen muss. Dafür sind andere Dinge dann bemerkenswert.
Einfach ist noch die Sache mit der Action: Am Beginn wird diese explizit ohne die klassische James-Bond-Autoverfolgung durchgezogen, anstelle dessen lässt man die Baustelle zum Parcour-Extremsport werden, spätere Videogame-Adaptionen inklusive. Film denkt das Videogame mit, umgedreht gibt aber nicht nur der Film die Vorlage für das Game, sondern auch das Game eine für den Film: Bond und der Typ, den er verfolgt, werden in klassischen Videospiel-Einstellungen beim Rennen und Springen aufgenommen und machen dieselben Geräusche, wie die springenden und rennenden Menschen der Playstation.

Ganz gut auch das Ding mit der Ästhetik: Anfängliche Grobkörnigkeit und ein dezidiert exotisches Setting lassen das Heute wie in den Siebzigern aussehen. Wann der Film spielt ist klar (heute) und bleibt doch unentschlossen. Was er gut hinkriegt. Dann gibt es heutzutage auch Gadgets, deshalb sind die bei Bond wie im echten Leben: Immer wenn die Story sich verlaufen hat und nicht mehr weitergeht, kommt eine SMS. Naja.

Am Interessantesten ist aber der Versuch, Bond eine klassische Männlichkeit zurück zu erobern. Denn klar ist, dass Drehbuch und Regie um den ganzen Gender-Diskurs wissen. Was man sieht, ist also das Projekt einer Rekonstruktion des Männlichen nach der Dekonstruktion. Die ist jetzt die Norm. Deshalb muss man sich dagegen absetzen. Dazu gehört erstmal, betont Anti-PC zu drehen: Schwarze erscheinen nur als fiese afrikanische Kriegstreiber oder als dumbeutelig-dicke Amerikaner mit fett Geld. Asiaten sind maximal kalt kalkulierende Randfiguren. Und das Bondgirl darf es zwar mit Bond im Dialog noch aufnehmen, bringt’s dann aber doch nicht, denn es fängt beim ersten Toten gleich an zu heulen, die Suse. Und das alles ist (meistens) keine unaufgeklärte Vision der Wirklichkeit, sondern ist absichtlich gesetzt. Man steht also vor einer Umkehrung der Verhältnisse. [Weshalb man kurz bemerken muss: Kinder, wir haben schon ganz schön viel geschafft. Die Welt hat sich verändert! Meinen Glückwunsch!]

Der Effekt ist bei Bond mehr als deutlich: Die Figur des Mannes ist nicht mehr das Ideal, sondern die Ausnahme. Und die heißt Bond. Dessen heroische Tat – beispielsweise das Killen von Attentätern -, sieht noch so gut aus wie früher, führt aber im Grunde zu nichts anderem, als zu einem Fehler im System, worüber sich auch seine Chefin beschwehrt. Letzten Endes ist die Männlichkeitsfigur von Bond nichts anderes als ein beleidigtes Baby mit Muskeln, das die Story voran treibt – und alle wissen das. Fast schon zu penetrant hält einem dieser Film das zu große männliche Ego vor die Nase. Ist man autonom handelnder Mann, sieht es zwar erstmal gut aus, verursacht aber dann doch nur Chaos. Was will uns dieser Diskurs also sagen? “networking” ist offensichtlich das heutige gesellschaftliche Stichwort, schlecht dagegen das, was Bond noch in alter Tradition macht.

Was ihm bleibt: Das Chaos, das man selbst angerichtet hat, aufräumen. Heute gibt man sich selber also einen Sinn. Das führt aber zu nichts. Für das nicht in diese Welt passende Groß-Ego gibt es keinen guten Platz vorne dran mehr: Am Ende des Films gibt es keine Frau (weil tot), kein Geld (grabscht sich jemand anderes), keinen Sieg (der Gegner ist nicht gefasst und die Aufgabe nicht gelöst). Und folglich keinen Champagner. Nicht einmal Bouvet. Schon interessant.

Am Schluss natürlich filmisches Elend: Die müssen sich ineinander verlieben, weil sie einem Film mitspielen. Gut, das geht ja noch. Aber müssen die dann so dämliche Beziehungsdiskussionen führen? Muss sie sagen: Oh, Du hast deinen Panzer wieder und deine Gefühle unter Kontrolle? Will ich eigentlich so einen Satz im Kino hören? Nö. Will ich nicht.

Trotzdem: Ab und an wird der Film so gut, wie heute Serien sind. Beispielsweise, wenn Bond das unter der Dusche herumheulende Bondgirl fragt, ob es ihr kalt ist und daraufhin das warme Wasser der Dusche aufdreht. Das ist schon fast 2007.

4 Responses to “Bonding”


  1. 1 Chrisfried

    Ja ja, ich habe mir für 2007 vorgenommen, ja keinen Film mit relevantem Personen- und Sachschaden anzuschauen. Der neue Bond war zu viel für mich.

    Der Satz mit dem Panzer war echt die Krönung und Craig sieht eher aus wie ein Putin für Arme. Die Folterszene fand ich für einen Bond deutlich zu unappetitlich; das Buch war hanebüchen.

    Die Kletterübungen am Anfang und die Duschszene werde ich 2007 irgentwann mal nachspielen…

  2. 2 XY

    Vom Halbstarken zum Mann.

  3. 3 pinkbuddha

    Ich denke eigentlich, der Film ist so eine Art Extremfall: Hier wurde bewusst auf komplizierte Stories verzichtet und bewusst auf Gefühle gesetzt, um einen Neuanfang der Filme zu ermöglichen. Ich denke und hoffe, dass dieser Film nur eine Art Zwischenspiel, eine Art Prolog ist für das, was ab jetzt kommt.

  4. 4 Georg

    Ich fand den Bond einfach genial. Vielleicht sogar mein Film des Jahres. All die Kritik verpufft neben dem neuen Bond. Großes Kino war das.

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