Seltsam, wie bei den Kommentaren um das Hussein-Hinrichtungsvideo plötzlich die zensierten Bilder zu den Guten werden. Und das Internet zum bösen wilden Medium. Dabei ist es gar nicht so gewesen.
Selbst der Außenpolitik-Chef der Süddeutschen Zeitung, Stefan Kornelius, verfällt dieser viel zu flüchtig hinschauenden Irrmeinung, aber auch der ARD-Tagesthemen Kommentator Birand Bingül. Der sagte gestern: Das Video wurde einfach ins Internet geladen vorbei an den Journalisten, die Gesendetes einordnen, erklären oder auch einfach nicht senden. Und nun der ganze Trouble.
Was so nicht stimmt. Erstens wurde das Video mit dem verräterischen Ton, auf dem die Beschimpfungen zu hören waren, zuerst auf Al-Jazeera am Sonntagmorgen gesendet, und das ist durchaus ein Nachrichtensender von oben bis unten voll von Journalisten. Die einordnen, erklären oder auch einfach – senden. Zweitens wurde schon einen Tag vorher, am 30.12. diese Erniedrigungen von der New York Times berichtet. Beides meldete dann wieder der Guardian am 31.12. Liebe Journalisten, denkt man sich da doch, nein wirklich, liebe Kollegen, googelt doch endlich mal besser!
Oder stellt Euch folgende Fragen: Selbst wenn das Internet Schuld gewesen wäre: Wäre es besser, wenn die erniedrigende Situation, welcher der fiese Sadam Hussein während seiner Vollstreckung ausgesetzt wurde, unter den medialen Teppich gekehrt werden würde? Geht es darum? Und warum “nicht senden”: Wird die Todesstrafe besser und der Tod weniger, wenn man ihn selbst nicht zeigt, nur die Sekunden davor und danach?
Seltsam, dass alle die vermeintlich wilden Bilder “chaotisch” finden, die zensierten aber irgendwie in Orndung. “Zwei Minuten Handyvideo können den Lauf der Welt beeinflussen.” Da verwechselt doch jemand die mediale Repräsentation mit der Realität. Und die war irgendwie dann doch auch da. Vielleicht nicht davor, aber zugleich.
Seltsame Logik überall da draußen.
