Am Samstag findet im Berliner HAU1 ab 19 Uhr ein Antifa-G8-Gipfel statt, ein Salon quasi, u.a. mit Mark Terkessidis, Raul Zelik und Filmen und Party und, ja, mir eben. Hier das ganze Programm. Ich bin für 19.50 gebucht und spreche zu: Goodbye Normativierung, hello flexibilisierter Kapitalismus. In welcher Weise und warum Überforderung die neue Form der Unterdrückung ist und was man dagegen tun kann, wobei man dabei äußerst geschickt bleiben muss. Denn zu beobachten gibt es einiges. Man muss beispielsweise dringend analysieren, was es für den Entwurf von “Macht” heißt, wenn sich die Agenda des G8 Gipfels wie die Tagessordnungspunkte einer urs-linken Veranstaltung liest: Klimaschutz. Kampf gegen Aids. Einforderung transparenter Finanzmärkte. Nachhaltigkeit. Und eh: Afrika, das besondere Anliegen der Kanzlerin. Einzig die panische Angst um das geistige Eigentum sticht da seltsam heraus. Also: Was ist nur mit der Herrschaft los? (Inspirierende Bemerkungen übrigens: Herzlich Willkommen!)
Monthly Archive for April, 2007
So sieht das dann aus: Mario Sixtus hat für sein Format Der elektrische Reporter mit mir auf der Republica ein Interview gemacht. Ich habe mich sichtbar bemüht, ernste Sachen zu sagen, ist ja das Handelsblatt, also ordentlich die Stirn gerunzelt und anständig um Worte gerungen, die Herr Sixtus dann gekonnt zusammengeschnitten hat. Tatsächlich muss ich sagen, dass ich sehr stolz darauf bin, da auftauchen zu dürfen, weil der elektrische Reporter meines Erachtens eines der wenigen wirklich guten Formate im Netz ist, an das sich Video ja immer noch herantastet.
Das ganze kann man hier gucken. Und hey hey Leute vom Fernsehen, gewöhnt euch schon mal daran. Denn lernen, leichtfüßig um das eigene Equipment herum zu tanzen, wie das Mario Sixtus das tut, kommt eindeutig auf euch alle zu. Die nächste Bastion, an der das Internet nagt, ist nämlich derzeit ganz eindeutig: das Fernsehen.
Ich war gestern – quasi – mit Justin Timberlake aus. Kein Witz. Ich schwöre. Justin Timberlake war im 103, hatte ein dunkelblaues Trenchcoat an und hat – Überraschung – gut getanzt. Selbst als sich die Tanzfläche beim letzten Stück der Coconut Twins zu Nirvanas “Smells like Teenspirit” von einem New Rave Club in eine Abiparty verwandelt hat, wurde noch geschafft, gepflegt stilsicher zu bouncen. Und das muss erstmal jemand nachmachen.
War aber auch abgesehen davon großflächig super, der Abend. Hat wieder klargestellt, dass eklektische Zeiten den meisten Spaß bringen, zumindest wenn jemand mit der ganzen Überforderung, die das bedeutet, klar kommt. Und das können die: Kesh und Zezi sind mit Anfang 20 schon so stilsicher, dass sogar Leigh Bowery begeistert wäre. Gut, sie können nicht mixen, aber sie sind verdammt angezogen, legen extrem coole Sachen auf, basteln mit dem Modelalbel keshwear am letzten Londoner Schrei und bringen außerdem noch ein Magazin heraus, super/super eben.
Folglich stand man überall in einer Dusche voll eklektisch euphorisch vollgestopfter Überforderung. Hey, hey MySpaceGeneration, you rock. Dermaßen aufgeladen an guten Momenten konnte man sogar den wirklich schlechten wahlweise englischen oder deutschen Hiphop zwischendurch ertragen. Und ausharren. Weil dann kamen die Sick Girls. Und die können dazu auch noch mixen. Und sind aus Berlin. Und es stimmt offensichtlich: It’s the beat. Berlin kickt, beispielsweise an der Kante zum 1. Mai bei Khans Record-Release-Party im Roten Salon. Bis dahin mache ich mir mal Gedanken, was genau ich an dem ich Grime-Mode-Musik-Magazin-New-Rave-Ding eigentlich so super/super finde. Werde den Eindruck nicht los, dass viel damit zu tun hat, dass hier Musik mit modemachenden Menschen kurzgeschlossen wird. Scheint ganz gut zu sein, hat sich in der letzten Zeit öfter gezeigt.

Sick Girls in Action
Richtig gute Platte, schon im Januar rausgekommen, jetzt erst entdeckt, weil lag lange einfach so in der Ecke. Aber dafür sind ja Blogs da, sich nicht groß um das Erscheinungsdatum kümmern zu müssen. Heute das Ding also zum Abendessen in den CD-Player gesteckt, ohne groß dem Tracklisting Aufmerksamkeit zu schenken (gut so, weil vor Brian Eno oder Laurie Anderson habe ich inzwischen ja eher Angst). Und erstaunt gewesen. Was für Leute, die seltsame Musik zwischen leicht melancholischem Songwritertum, Pop, Elektronika und Soul mögen und ein paar von denen treiben sich ja ab und an hier rum. Ziemlich divers, passt aber alles gut zusammen, das ist vielleicht die eigentliche Überraschung. Ist im Umfeld eines Kunstprojektes in London entstanden und interpretiert die sieben Plagen von Ägypten auf eine Weise, dass man was damit anfangen kann. Musik als Konzeptkunst, das geht also doch – und sogar das mit der Religion kann funktionieren. Nice, wie KT sagen würde.
Nachdem mir neulich unter einer wirklich schlimmen Überschrift in einem insgesamt eher wohlwollenden Artikel für den Hallo: Sabine Pamperrien ruhig mal hätte mit mir sprechen können, etwa auch weil Osten: da wohne ich jetzt zwar wieder, aber den habe ich mit 4 an der Hand meiner Mutter verlassen vorgeworfen wurde, ich hätte nichts zum Feminimus zu sagen, mich hingesetzt und was geschrieben. Nein, stimmt gar nicht. Glatt gelogen. Es war so: Das Migros Museum für Gegenwartskunst aus Zürich hat mich gefragt, ob ich für einen Katalog einen Text schreibe. Traumauftrag, weil so: Wir wollen was zu dem Thema, langer Text bitte, Ansatz ist frei, aber mit Theorie und es gibt ein richtig anständiges Honorar. Erst dachte ich ja: Oh my, was soll ich denn bitte zum Feminismus sagen, dazu fällt mir ja echt nichts mehr ein. Dann habe ich jedoch nachgedacht. Und darum geht es dann, für Schnellleser jetzt hier konsumierbar verpackt in drei Teile:
2. Warum die neue Produktivmacht des flexiblen Kapitalismus auf Normen dankend verzichtet – wie der Bruder von Sascha Baron-Cohen festgestellt hat, dass Männer keine Norm mehr sind, sondern Autisten – dass sich heute niemand mehr mit stumpfen Witzen über Frauen blamieren will, es aber trotzdem noch strukturellen Sexismus gibt – und wieso folglich die Emanzipation nicht die Frauen befreit hat, sondern die Männer.
3. Dass Feminismus heute in einem mehrseitigen Dilemma steckt – beispielsweise weil Frauen heute an der Macht sind, sie aber trotzdem prinzipiell immer noch schlechter bezahlt werden als Männer – wobei man ihnen zugleich konstant wo auch immer ein schlechtes Gewissen macht, etwa wenn sie arbeiten und/oder ein Kind bekommen – weshalb die Überforderung der Frau die neue Form der Unterdrückung ist (!!!) – dass man darauf regieren muss – was man beispielsweise so tun könnte: indem man die Schuld, die man den Frauen unterjubelt, der Situation in die Schuhe schiebt und nicht Personen – weil Entscheidung, wie schon Hannah Arendt wusste, immer Schuld bedeutet und man das hinnehmen muss.
Bisschen schnell jetzt vielleicht. Egal. Hier gibt es das, wie gesagt, ausführlich. Und schon vorab das mit der Entscheidung in extensio, weil dieses Zitat von Hannah Arendt mag ich ganz besonders.
Hannah Arendt, Vita activa oder Vom tätigen Leben, Piper, München 2002, S. 297
Thats life. Und an dieser Stelle begleiche ich dann eine Schuld, nämlich die an Jutta Voorhoeve, die zu diesem Text viel beigesteuert hat, und deshalb sage ich: Danke. Und zwar auch danke dafür, dass sie zu diesem angenehmen Typus der gut aussehenden jungen Frau mit großer Klappe gehört, die nicht wie so viele andere Geschlechtsgenossinen mit einem immer nur über Männer oder andere soziale Angelegenheiten redet, sondern einen wunderbar inspirierenden Hang zur steilen These hat und einen dabei auch noch souverän unter den Tisch trinken kann, falls Bedarf. Jetzt ist sie leider in Florenz und ich muss alleine denken. Und trinken. Schade aber auch.
Samstag Maurice Fulton auf das Desk geguckt, gab keine andere Möglichkeit. Man muss Maurice Fulton bewundernd bei der Arbeit zusehen, selbst während man grundlegend damit beschäftigt ist zu tanzen, weil genau das, das Tanzen, bei Fultons Sets wirklich kompromisslos in die Musik hinein geht – und das kommt ja durchaus nicht so oft vor.
Dann angetriggert von Felix Bemerkung folgende Beobachtung mit einem Wodka-Lemon in der Hand gemacht: Auflegen mit CDs dreht nochmal die Rolle des DJs – und zwar wegen der eigenen Edits. Die gab es natürlich auch schon mit Dubplates bei Vinyl, u.a. Drum and Bass hat davon ja heftigen Gebrauch gemacht, trotzdem waren Dubplates immer teuer und umständlich herzustellen. Eigene CD-Edits mal eben schnell zu Hause zu produzieren und dann auf CD zu brennen, wie die Fulton-Version von “Rock the Casbah” gestern, ist dagegen unglaublich einfach. Und die einzusetzen, das dreht nochmal die Rolle des DJs, denn das Auflegen findet dadurch wieder stärker zurück zum Musikmachen.
Das ist gut. Es macht einen Unterschied, ob jemand das Set als expertenhaftes Abspielen von gut rockenden Platten oder als musikalische Tätigkeit selbst begreift – also ob man Platten hintereinander weg spielt oder ein gelungenes Set inklusive sorgfältig gesetzter Übergänge hinkriegt. Davor Respekt, immer sehr gehabt, weil Übergänge sehr wichtig. Man will ja beim Tanzen nicht aus dem Set plumpsen, auch wenn man meistens dazu gezwungen wird. Bei Maurice Fulton jedoch nicht – und offensichtlich ist deshalb auch endlich mal jemand so euphorisch, wie man das sonst von mir kennt: “Dieser Mann wird noch einmal die Welt retten.” Was soll man sagen: Gestern im 0Week12end15 ist ihm das gelungen.
Von Mittwoch bis Freitag findet in Berlin diese Woche die re:publica statt, eine, ja was ist das. Messe. Über das Internet. Zwischen digitaler Revolution und Stagnation, Blase, Web 2.0, Businessmodellen, Open Source, Urheberrecht und Webloglesen. Also alles was das Herz begehrt. Deshalb werde ich mich da auch rumtreiben. Konkret am Freitag früh um 10 Uhr auf einem Panel mit Thomas Knüwer, der mit Indiskretion Ehrensache das beste Blog beim Handelsblatt hat, außer Mario Sixtus natürlich, Tim Pritlove vom Chaos Computer Club, Johnny Haeusler von Spreeblick und Jochen Wegner von focus.de. Und worüber sprechen, wir? Mal sehen, ah ja. Wir sprechen über die Frage: Wie überholt sind die alten Medien, wie innovativ die neuen? Könnte klappen. And here you go: Kalkscheune, Johannisstraße 2 in Berlin-Mitte.
Immerhin hat 300 dazu geführt, dass der beste Freund und ich gestern ins Pergamonmuseum gezogen sind, Griechen gucken. Und obwohl die Spartaner eigentlich keine Geschichtsspeicherung per Kunst betrieben haben (wussten wir aus dem Internet), haben wir die Wachbrettbäuche wieder gefunden, hier etwa auf einem Fries mit Kriegstrophäen aus Cumae, wo auch immer das sei. Griechenland wahrscheinlich. Ansonsten ist die Ausstellung allerdings miserabel präsentiert. Gut, man kann in So-war-es-bei-den-alten-Griechen-Event-Architektur herumstehen, ansonsten wird man aber nur über deutsche Entdeckungsgeschichte der Exponate informiert, beispielsweise per 1936 gemalte Riesenschinken, die die Fundstelle darstellen. Gähn. Abhängen bitte. Nicht, dass man als Kurator “Die Ordnung der Dinge” von Foucault gelesen haben muss, aber so ein bisschen upgraden in die Gegenwart täte dem Teil schon mal ganz gut.


Mit der Crew im Kino gewesen, weil man auf einem Abendessen bei N&G im Überschwang beschlossen hatte: Wir bestellen jetzt Karten für 300. Dann den Trailer gesehen und gedacht My-Oh: Fehler. Oder wie es der beste Freund ausgedrückt hat: “Morgen dann 117 Minuten Rammstein-Video.” Was zu Karfreitag ja ausgezeichnet passt.
Doch was soll man sagen: Der beste Freund und ich haben uns gut amüsiert (die anderen eher: bored). Nicht, dass ich mir das jetzt unbedingt ein zweites Mal angucken muss, dazu ist die Musik zwischen Heavy Metal und Panflöte auch zu fies. Aber der Film ist schon irre: Niemals so viele Klischees nahtlos aneinandergereiht gesehen, und das dann durchzogen von feinsten kunsthistorischen Bildmotiven der Renaissance von Ucello bis Bosch. Weil man die heutige Welt nicht mehr in der Tradition der Eindeutigkeit eines Comics bespielen kann, steckt Zack Snyder in schöne Bilder fieses Klischee an Klischee, als ob es ein Fest wäre: Männlichkeitsrituale, Schwarzenbashing, Schwulenbashing, Islamophobie rüber zur Parfüm-Werbung, die übergeht zu Geiler-alter-Sack-Porno, Behinderten-Freakshow, Tiereinsatz, Familienglorifizierung und immerhin ne emanzipierte Frau, die den Verräter absticht (wie hat die sich nur dahin verirrt?). Insgesamt also, naja, kein Film für zartbesaitete PC-Nazis.
Klar aber auch: Soviel Irrsinn kann man nicht ernst nehmen. Deshalb war es irgendwie amüsant, das zu beobachten. Mir jetzt übrigens klar, warum da kein bekannter Name mitspielt, denn beim Casting war die Losung eindeutig: Junge, zieh dein T-Shirt aus, wir brauchen 300 Waschbrettbäuche in seltsamen Höschen. Weshalb der beste Freund beim ersten Kampfbeginn prompt meinte: “Jo, Sixpacks in Action!” Kein Ding, über das man sich aufregen muss, hat ja auch Claudius Seidl klargestellt, denn die Story lässt sich nur mit viel interpretatorischer Gewalt als Verteidigung der amerikanischen Außenpolitik lesen. Außerdem mag ich ja gerade Kriegsfilme und der Satz der Spartaner ist einfach super: Never surrender, never retreat. Eben.

Ich weiss, das ist hier jetzt nicht gerade das Blogg, auf dem die fastforward Designer abhängen, aber hat jemand noch eine Idee, ich suche gerade Websites, die Dinge mal anders gestalten bzw. andere Einstiege bei Inhalten versuchen, so wie Etsy, die Quelle aller neuen Ansätze, wie mir gerade scheint.

Das ist zum Beispiel etsy. Die Timemachine. Sieht gar nicht soo gut aus und hat trotzdem was für sich. Nehme auch gerne Bloggs. Oder was auch immer. Einfach mal: Anders. Gibt es das?
Mit Freundin und ihrer Kleinfamilie durch die Sonne über den Mauerpark-Flohmarkt geschlappt und auf Beach-Areal abgehangen. Die Gespräche plätschern angenehm beiläufig vor sich hin, im Hintergrund legen DJs gute Musik auf, in die man abtauchen kann, die gelben Turnschuhe wühlen im Sand, R. bringt einem Getränke, das Kleinkind gibt mir von seinem Himbeereis ab und um einen diese angenehme Mischung aus normalen Menschen und solchen, die irre cool aussehen, damit man etwas zu gucken hat. Nachdem ich zum dritten Mal geseufzt habe: “Berlin ist manchmal einfach toll.”, sagt die Freundin: “Stimmt.” Und fügt hinzu: “Hier kann man in Würde hip altern.” Und weil dieser Satz gut ist, schreibe ich ihn kurz auf und gehe wieder raus.
Haha. Super Headline. Kriegt den Osterpreis.