

Mit der Crew im Kino gewesen, weil man auf einem Abendessen bei N&G im Überschwang beschlossen hatte: Wir bestellen jetzt Karten für 300. Dann den Trailer gesehen und gedacht My-Oh: Fehler. Oder wie es der beste Freund ausgedrückt hat: “Morgen dann 117 Minuten Rammstein-Video.” Was zu Karfreitag ja ausgezeichnet passt.
Doch was soll man sagen: Der beste Freund und ich haben uns gut amüsiert (die anderen eher: bored). Nicht, dass ich mir das jetzt unbedingt ein zweites Mal angucken muss, dazu ist die Musik zwischen Heavy Metal und Panflöte auch zu fies. Aber der Film ist schon irre: Niemals so viele Klischees nahtlos aneinandergereiht gesehen, und das dann durchzogen von feinsten kunsthistorischen Bildmotiven der Renaissance von Ucello bis Bosch. Weil man die heutige Welt nicht mehr in der Tradition der Eindeutigkeit eines Comics bespielen kann, steckt Zack Snyder in schöne Bilder fieses Klischee an Klischee, als ob es ein Fest wäre: Männlichkeitsrituale, Schwarzenbashing, Schwulenbashing, Islamophobie rüber zur Parfüm-Werbung, die übergeht zu Geiler-alter-Sack-Porno, Behinderten-Freakshow, Tiereinsatz, Familienglorifizierung und immerhin ne emanzipierte Frau, die den Verräter absticht (wie hat die sich nur dahin verirrt?). Insgesamt also, naja, kein Film für zartbesaitete PC-Nazis.
Klar aber auch: Soviel Irrsinn kann man nicht ernst nehmen. Deshalb war es irgendwie amüsant, das zu beobachten. Mir jetzt übrigens klar, warum da kein bekannter Name mitspielt, denn beim Casting war die Losung eindeutig: Junge, zieh dein T-Shirt aus, wir brauchen 300 Waschbrettbäuche in seltsamen Höschen. Weshalb der beste Freund beim ersten Kampfbeginn prompt meinte: “Jo, Sixpacks in Action!” Kein Ding, über das man sich aufregen muss, hat ja auch Claudius Seidl klargestellt, denn die Story lässt sich nur mit viel interpretatorischer Gewalt als Verteidigung der amerikanischen Außenpolitik lesen. Außerdem mag ich ja gerade Kriegsfilme und der Satz der Spartaner ist einfach super: Never surrender, never retreat. Eben.


Im Sinne elektronischer Lebensaspekte: “I am happy to report that the convergence has happened.” Grumpy Gamer über 300.
Ja stimmt. War mir noch gar nicht aufgefallen. Aber das ist ein Punkt, da konvergieren auf seltsame Weise Games neu und anders mit Film. Nicht nur weil die Athener an einer Stelle sagen: We*re doomed. Die ganze Art des Films ist es. Noch gar nicht darüber nachgedacht. Stimmt aber. Ich verlinke das mal gleich oben.
Ich fass nochmal zusammen: Eingeölte, schwitzende Griechen in knappen Lederhotpants, quälen lustvoll einen Haufen mutierter persischer Freaks, die schreiend in den eigenen Untergang rennen. Das ganze vor schwülstiger Sonnenuntergangskulisse in Riefenstahl-o-Vision… Dazu sind die Bösewichte ein Behinderter und ein Schwarzer aus dem Nahen Osten.
Mich wundert es wieso die Antifa und der Iran sich im Protest gegen den Film noch nicht solidarisiert haben.
Echt guter Sandalenschinken, imho.
“Soviel Irrsinn kann man nicht ernst nehmen”.
well. letzten samstag saß neben mir in meinem wunderbar altmodischen barbershop in georgetown ein teenager, der seinem friseur erzählte, er müsse sich unbedingt “300″ anschauen. er sei auch garnicht so blutrünstig. und ganz toll sei, dass der film historisch gesehen superakkurat sei. das hätte auch sein geschichtslehrer gesagt …
Wieso well? Meinst du, dass man den Irrsinn doch ernst nehmen muss, weil der sich akkurat an seine Vorlage hält? Verstehe ich jetzt nicht. Oder meinst du well mit: Achtung, das wird doch ernst genommen? Nun, die Vorlage ist ja schon Fiktion, und dass die in der Tat akkurat wiedergegeben wird, das schreibt ja auch Claudius Seidl: “… Und zugleich ist es so nahe an der Geschichte, wie Herodot sie in den „Historien“ erzählt, dass man deren Autor gleich den Kampfnamen „Hero.com“ verleihen möchte.” Well.
Und Herodot ist an der Historie genau so nah dran wie Erbeermüllermilch an einen Erdmeershake homemade. Aber das bei den Feuilletonisten das historische Wissen höchstens bis nach Griechenland reicht, is ja nun auch keine Überraschung mehr.
Spannend fand ich folgendes: Immer, wenn den Spartanern jemand nicht passte, haben sie ihn anscheinend irgendwo runtergeworfen. Sei es nun der persische Botschafter, der in den riesigen Stadtbrunnen musste oder die oben gezeigten Feinde. Später folgten dann noch Elefanten.
D’accord.
Alles wurde bis ins Äußerste überspitzt – und dadurch schon fast (ja, leider nur fast) lustig. Das war kein Wink mehr mit dem Zaunpfahl, sondern mit dem Schwert. Streckenweise war es amüsant die Klischees aufzulisten – doch bekanntlich wird man vom Schäfchen zählen irgendwann müde.
“Spannend fand ich folgendes: Immer, wenn den Spartanern jemand nicht passte, haben sie ihn anscheinend irgendwo runtergeworfen. Sei es nun der persische Botschafter, der in den riesigen Stadtbrunnen musste oder die oben gezeigten Feinde. Später folgten dann noch Elefanten.”
Und am Anfang waren es Babies und Behinderte! In meinem Kino wurde vor allem viel geklatscht bei diesem Stumpfsinn. Zu viel. Genauso wie teilweise zu viel über die Judenwitze bei Borat gelacht wurde.
Ach ja, the joke was on them, halt!
…”Mich wundert es wieso die Antifa und der Iran sich im Protest gegen den Film noch nicht solidarisiert haben.”…
Mich nicht.
Die AntiFa darf sich mittlerweile aus Solidarität mit Israel und deren Beschützern nicht mehr mit Ländern solidarisieren, gegen die die USA irgendwelche Einwände hat.
Deshalb dürfen extrem aktive AntiFas auch ihre ganzen alten Schallplatten nicht mehr hören, weil sie sich dann ja als “Nazis” outen müssten.
Da die Doktrin “Einmal Nazi – immer Nazi” aber auch ganz wichtig ist, wird der nächste Schritt warscheinlich der Weg des Harakiri sein.
Den hat aber schon Mishima verübt und der ist der AntiFa natürlich zu rechts.
Das sieht ganz nach einer Sackgasse aus.
Was nun?