Monthly Archive for May, 2007Page 2 of 2

Mittlerweile ist Anti-PC genauso out wie PC, sagt er.

Goodbye Selbstreferenz

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Okay, genug der Politik, jetzt mal wieder Pop: In England bemüht man sich seit einiger Zeit aktiv, dem guten Ruf der amerikanischen Serien etwas Eigenes entgegen zu setzen. Life On Mars, die Londoner Polizeiserie, bei der ein in den PC-Neunzigern sozialisierter Polizist in den prügelnden Siebziger landet, war schonmal ein schicker Anfang. Skins, das seit Januar diesen Jahres auf Channel4 läuft, kann da durchaus mithalten. Nicht nur, weil Jugendliche in England (genauer Bristol) einfach gut aussehen, während sie sich in die Welt aufmachen, im Leben, in der Liebe, auf Parties durcheinander purzeln und um sich kämpfen. Auch weil Skins nicht so eine klebrige Schicht über die Personen zieht, wie andere Serien.

Es geht um eine Bande aus Freunden, aber man könnte nicht sagen, dass die Freunde für einander einstehen. Eher verletzen sie sich regelmäßig gegenseitig, wenn oft auch unabsichtlich (das Leben ist eben unübersichtlich). Ansonsten klar: Alle sind natürlich unglücklich und trotzdem ist die Serie kein Stück depressiv. Das schuldet sie einem filmtechnischen Trick: In Skins wird die Erzählung gerne filmisch verschoben, indem man oft und gerne den eigentlichen Moment weglässt, ihn abblendet. Man filmt nur davor und bis dahin (auch nicht danach). Und das ist irgendwie besonders. Nicht dass Skins diese phänomenale Erzählstruktur mancher US-amerikansicher Serie hätte, die sich mit der zweiten Staffel weiter und weiter entwickelt und nach und nach einen ganzen Kosmos entfalten. Skins zwinkert einem auch nicht mit klugen Verweisen zu, wie sie in Gilmore Girls auftauchen. Auffälliger Weise ist die Serie nicht selbst-referentiell. Und an diesem Punkt ist sie tatsächlich wieder weit vorne. Sagen wir es so: Die Zeit der Selbstreferenz als schickes kulturelles Issue ist vielleicht langsam einfach vorbei.

Hammersatz (passend zum 1. Mai)

“‘Die Ungleichheit’, sagt er, ‘ist dieselbe für alle.’”
Michel Foucault Wilhelm Röpke zu Neoliberalismus zitierend, Geschichte der Gouvernementalität II, Die Geburt der Biopolitik, Frankfurt am Main 2004, S. 203

Und weil das so ist, wurde letzten Freitag der Bundestag kurz, erfolgreich und kritisch gekapert.
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