Während New Rave ja Gitarrenmusik mit Rave kombiniert hat, sucht Elektronika woanders einen Weg, um sich zu erneuern. Gleiches Verfahren, heißt: Auf zum konstruktiven Zusammenstoß. Es geht in unserer Kultur heute voran, indem man einen mit anderen Stilen “mingled”. In diesem Fall Klassik, klar. Spuren davon findet man deutlich auf den neuen Veröffentlichungen meiner beiden Lieblingslabel Karaoke Kalk und City Centre Offices.
Da wäre zum einen Hauschka, der als Pianist gerne Dinge ins Klavier steckt. Er hat seine “Prepared Piano”-Platte remixen lassen, Versions of the prepared piano. Unter anderem mit Tarwater, Wechsel Garland, den japanischen Entdeckungen von Labelchef Strobocop, Nobukazu Takemura und Takeo Toyama, sowie einer wunderbaren Barbara Morgenstern Interpretation. Hat diese verspielte, ruhige Schönheit, die Karaoke-Kalk-Platten gerne eigen ist.
Auf City Centre kommt gerade Porn Sword Tobacco, das Projekt des Schweden Henrik Jonsson. “New Exclusive Olympic Heights” ist durchaus symphatisch, hat was von ruhigerem Drum and Bass, der an Stellen auf Ambient, an anderen auf Klassik trifft. Mir etwas zu Jean Michel Jarre.
Ein paar Meter weiter, auf dem Sublabel von CCO Büro, bin ich eher fündig geworden: “Monologue” heißt die. Auch die nimmt Klassik auseinander, genauer akkustische Gitarre. Das macht Takeshi Nishimoto, den kennt man vielleicht von seinem Projekt mit John Tejada, I’m not a Gun. Hier lässt er Töne mit zarten, gänzlich unesoterischen indischen Sarod-Einflüssen im leeren Raum herumstehen. Angenehm.
PS: Daneben übrigens immer wieder: Hiphop, Cyne nämlich, vor allem “First Person” auf “Time Being” 2003