“Wenn man wirklich annimmt, daß man es nicht mit dem Kapitalismus zu tun hat, der sich aus der Logik des Kapitals ergibt, sondern mit einem einzigartigen Kapitalismus, der durch eine ökonomische institutionelle Gesamtheit konstituiert ist, nun, dann muß man diese Gesamtheit beeinflussen können, und zwar so, daß man einen anderen Kapitalismus erfindet.”
Genau. Am Wochenende bei Dirk Baecker an der Universität Witten-Herdecke gewesen. Plan gefasst, den linken Neoliberalismus zu begründen. Vielleicht hier. Zumindest, meint auch Holm Friebe, muss man mal nachsehen, ob das geht.
[Zitat oben: Michel Foucault einen Text des Wirtschaftstheoretikers und Nazi-Gegners Walter Eucken aus den 40ern referierend, Geschichte der Gouvernementalität II auf Seite 235]

Bestimmt, und vielleicht könnte man bei der Gelegenheit auch eine ganze Reihe anderer schlechter Universalismen des Neoliberalismus ausmisten, zum Beispiel die Menschenrechte. Wenn man analog zum Zitierten annimmt, daß es nicht eine Logik der Menschenrechte mit einem einzigen Set unveränderlicher Menschenrechte gibt, kann man ebenso auch andere, verbesserte Menschenrechte entwerfen, in der etwa die Abschaffung der Erwerbsarbeit (Erwerbs- !) hineingeschrieben wird oder schon antizipierend die Rechte, sagen wir, künstlicher Wesen.
Wieso den linken Neoliberalismus begründen? Burkhard Hirsch hat kürzlich in einem Interview mit tagesschau.de[1] (17.06.2007) erklärt, dass der Begriff “neoliberal” schließlich eng verbunden mit sozialer Gerechtigkeit sei.
[1] http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6948624,00.html
Was genau am aktuellen System ist denn nicht “linker Neoliberalismus”?
@Peter: Guter Punkt!
Ich nehme an, Peter, du willst gekonnt ironisch alles schlecht finden. Das ist doch zu einfach. Damit kann man sich nicht bewaffnen.
“Das ist soziale Marktwirktschaft, langweilig wird sie nie.”
Neugründung aus dem Geist von 1949? Welche Eigenschaften konstituieren denn den aktuellen Neoliberalismus?
Der Holm, wenn wir ihn nicht hätten, und auch die Katrin. Wo kämen denn dann die Ideen her. Ich finde sein Buch leichtsinnig, aber auch viele Dinge interessant. Zur FDP passen, diese jedoch nicht wählen können aus versteckten Gründen, komisch. Gleichzeitig postulieren, den aktuellen Kapialismus zu benutzen, dadurch anzupassen, das geht dann. Wieso nicht in einer Partei? Warum die neuen Buzz-Worte? Bullshit Bingo 2.0 wird auch nicht besser.
Frau Bunz, danke für das “gekonnt” ;-)
In dem Fall war die Frage aber ganz ernst gemeint. Ist unsere “soziale Marktwirtschaft” nicht recht weitgehend deckungsgleich mit einem – ja noch nicht näher definierten “linken Neoliberalismus”? Und da bin ich einfach neugierig, was die wesentlichen Unterschiede wären. Mir sind erst mal keine eingefallen.
Das waere dann doch eher Liberalismus 3.0.
Liberalismus ist nunmal Liberalismus.
Wieso nur denk ich die ganze Zeit an Loriot?
das “neo-liberal” ist ja beides nicht, weder neo noch liberal.
neue freiheit wäre wirklich etwas anderes und zu definieren,
z.b. beim 925 ende august in berlin
Die Begriffsgeschichtes des Wortes “neoliberal” ist komplex, überfordert sogar Wikipedia (mit ca. 200 teils sehr sachkundigen Bearbeitern) – und eignet sich für das Ansinnen von Mercedes Bunz u.a. eher nicht.
Behaupte ich mal so. Auf Wunsch mit ausführlicher Begründung.
Hier nur ein kleiner Verweis darauf, dass Eucken *nicht* neoliberal genannt werden wollte.
Um nicht völlig destruktiv aufgefasst zu werden, biete ich Frau Bunz ein Ersatzwort an, was unter Bezug auf Eucken (und erst Recht auf Alexander Rüstow und den Sozialdemokraten Leonhard Miksch) besser passt: ordoliberal.
Man kann den ökonomischen Liberalismus verbinden mit dem Schutz der Schwachen, mit angemesserner Kapitalismuskritik, mit Fairness und Sozialstaatlichkeit – als Ordoliberaler. Oder auch als linker Ordoliberaler.
Neoliberalismus ist hingegen (und war das die meiste Zeit seiner begrifflichen Existenz) nur ein übersteigerter Wirtschaftsliberalismus, der sich einseitig an Arbeitgeberinteressen sowie den Interessen der Mächtigen und Übermächtigen ausrichtet. Das kann eigentlich niemals “links” sein.
(sorry, ich komme mir mit diesen simplen Aussagen mitunter wie ein Prediger vor – das ist höchst merkwürdig – ich hoffe umso mehr, dass ich keinen Mist verbreite)
Linker Neoliberalismus? O.k., mix it and be amazed. Irgendwie haben Peter und Rayk schon Recht. Wenn der sloterdijk`schen Vorfreude am neuen Begriff wirklich nur der entspannte Cappuccino folgen sollte, statt neuer Inhalte.
Andererseits, denke ich, erfahren tatsächlich viele Begriffe einen Wandel. So stand Links einmal für eine konkrete Hoffnung und Utopie. Eine Umwälzung der bestehenden Verhältnisse. Dieselbe Linke ist innerhalb weniger Jahrzehnte mutiert vom Revolutions-Frontkämpfer zum Sanitäter weit hinter den Linien des Geschehens. Dort, wo für die von der kalten Dynamik des Systems aussortierten, eine etwas höhere Alimente herausverhandelt wird. Stillhalteprämien innerhalb des Systems. Utopie = Links – na, ich weiß nicht. Ist mir alles viel zu sehr in alten Denkschemas verfangen. Woher kommt dann ein neuer Begriff von „Links“? Eine Alternative zu unserer realen Verstricktheit in`s System, die „die Macht im un-eindeutig Verborgenen operieren lässt“ (=> M. Bunz, „G8. Macht im postbürgerlichen Kapitalismus“)? Von daher bin ich mal gespannt, wie`s weitergeht mit dem linken Neoliberalismus.
Bei Familie Neo hing der Haussegen schief. Die biologische Uhr tickte und kein Nachwuchs in Sicht. Doch dann, doppeltes Glück: Zwillinge. Die Namen waren schnell gefunden: Liberal und Con. Nicht die geringste Familienähnlichkeit, gleichwohl unzertrennlich…