Death Proof, yeah.

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Claudius Seidl hatte ja in der FAS davon geschwärmt: der neue Tarantino, Death Proof. Und er hat recht. In allem. Gestern nachgeguckt und heute immer noch beeindruckt. Whew. Was für ein grandioser Auto-Girlstalkaboutboys-Film. Das ist jawohl der feministischste Film, den ich je in meinem Leben gesehen habe. Wobei das hat schon immer an Tarantino überzeugt: Der Komplex Gewalt/Sex/Frauen. Konnte er immer gut. Schon sehr früh hat Tarantino ja konsequent darauf verzichtet, in der ganzen Gewalt-Arie, die er abgefeiert hat, eine fiese Eindring-Vergewaltigungs-Gewalt-Phantasie gegen Frauen zu wiederholen, die überall woanders in der Welt Usus war, selbst bei Clint Eastwood.

In den Achtzigern war das ja normale Filmsprache, man stellte das so als “jetzt passiert etwas Schreckliches” aus, fand das aber eigentlich faszinierend gut. Da war ich noch klein und die Welt im Westen noch richtig fies. Tarantino hat diesen Moment einfach aus der Welt gestrichen. Dafür hat er bei mir einen Stein im Brett… (…sagt man so? Komische Metapher). Wobei, über eine Sache habe ich mich in Kill Bill geärgert. Endlich haben wir eine Superheldin, und warum wird sie dann brutal: Wegen ihrer Muttergefühle. Oh Mann, Quentin. Genau das wird in Death Proof allerdings explizit zurückgenommen, als ob er sich entschuldigen will.

Ansonsten ist es Tarantinos erster Film über Sex, der eigentlich überall und andauernd stattfindet, auch wenn man ihn nie sieht. Und über sowas wie schräg verunglückte zwischengeschlechtliche Beziehungsversuche, die einen im Leben über den Weg laufen. Nicht über Liebe, nein. Ich glaube, das könnte er nicht. Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, es ist ein sehr persönlicher Film und Unfälle kann er gut: Die Mädchen, unglücklich natürlich, quatschen ihr Unglück quer über alle Jungs drüberfahrend in einer Straightness in die Welt, dass man befürchtet, die realen Jungs, mit denen man ins Kino geht, verlassen gleich den Kinosessel. Was sie aber nicht tun, wahrscheinlich weil die Mädchen auf der Leinwand dabei einfach viel zu sexy aussehen, extrem coole Autos vorkommen oder die Jungs in den Kinosesseln einfach heute in Ordnung sind und sowas ertragen können.

Leicht haben die es nicht, genau wie bei Francois Ozon finden sie da vorne auf der Leinwand keine einzige attraktive Identifitkationsfigur zum Festhalten. Alle Männerrollen entweder uncool oder pervers. Aber gut, auch wenn das vielleicht nicht so schön ist, man hält das aus. Spreche da aus Erfahrung und stellvertretend: Das ging uns Mädchen schließlich jahrelang so. Jetzt in den Mustang und ab ins Büro.

11 Responses to “Death Proof, yeah.”


  1. 1 tiefkultur

    Ja, ziemlich genau so!
    Wobei der hübsch paradoxe Umgang mit dem Exploitationkino der 70er spannend ist, der zwischen Hommage und eben feministischer Korrektur steckt. Spannend ist da vor allem, dass er sich diese Widersprüchlichkeit erlaubt. Und vor allem rockt der Film
    (auch und besonders mit seinem nicht-rocken)!

  2. 2 airpark

    Weiss nicht, ob das euch Mädchen so geläufig ist, aber es gibt da Männer, wo welche sich (und ggf. sogar sehr vergnüglich) auch mit weiblichen Hauptrollen zu identifizieren vermögen…

  3. 3 mrs. bunz

    Stimmt, stimmt. :) Klar.

  4. 4 tiefkultur

    Es gibt aber auch Trottel wie diesen Kommentator auf imdb, die das einfach nicht aushalten und den Film absurd umdeuten, damit doch wieder ein klassisch-sexistischer Slasher-Trash draus wird:
    “OK. Everybody know Death Proof has two sequences. I’ve seen it a few times and I enjoy it much more when I interpret the 2nd sequence as being a portrayal of events that occurred *before* the first sequence.
    First of all, time scrambling is more consistent with Tarantino’s style. Secondly, this interpretation provides a better explanation of why Stuntman Mike was stalking these girls. Third, there are certain features in the film that suggest that this is indeed the case.

    For instance, before he went after the girls in the first sequence, one of the girls (Butterfly) seemed to recognize his car (the distinctive hood ornament perhaps?) as if their paths had crossed before. Mike had pictures of the girls, (we couldn’t see them clearly enough to be sure they were the same girls, but they were similar.) Finally, Mike seemed to want revenge on these particular girls.

    The girls in the second sequence are similar looking to the girls in the first. Even if they aren’t the same girls, they are close enough! The girls (from the second sequence) thought they killed Mike. They didn’t. In the first sequence (which really occurs after the second sequence), he’s back to exact his revenge.

    Stuntman Mike is still out there.”

    Also bitte nicht die Blödheit von “Jungs” unterschätzen. ;-)

  5. 5 kay

    Beipflichtend: Death Proof ist wirklich der Knaller der Saison. Schon allein die Grindhouse-Fehler-Ästhetik, dieses durchgängig Rockende , dieser Schluss auf den Punkt. Hätte ich dem Quentin nach der Foxy-Brown-Kill-Bill-Wackelphase so nicht zugetraut und darum umso freudiger überrascht.

  6. 6 drikkes

    Ja, ganz großes Kino, das. Tarantino ist wieder voll in der Spur.

  7. 7 Eva

    “Wobei, über eine Sache habe ich mich in Kill Bill geärgert. Endlich haben wir eine Superheldin, und warum wird sie dann brutal: Wegen ihrer Muttergefühle.”

    ich glaube, da bringst du was durcheinander.
    die heldin in kill bill möchte wegen ihrer muttergefühle ein weniger gefährliches leben führen. was ja auch verständlich ist. brutal wird sie aber nicht wegen ihrer muttergefühle sondern weil sie sich rächen will. dafür dass sie, ihre tochter und alle anderen leute, mit denen sie ihr neues leben beginnen wollte, erschossen wurden.

  8. 8 kate

    tragisch nur, wenn die eigentlich ok’en kinobegleiter dann ausgerechnet das cheerleader girl am heißesten finden.

  9. 9 P.J.

    mich schien das gleiche wie eva zu irritieren. eva, danke fürs sprachrohr…..

  1. 1 gamequickie
  2. 2 Nokia Fashionlab

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