So. Vor zwei Wochen habe ich ja beim Festival 9to5 einen Vortrag zu Linkem Neoliberalismus gehalten. Dass der Begriff erstmal ein Reizwort ist und auf Widerspruch stößt, war klar. Aber ohne dass man für ein bisschen Aufregung sorgt, erhält man ja auch keine Aufmerksamkeit. Oder wie Malte meinte: “…im Anfang war das Buzzword und da stand es nun im Raum und es musste mit Leben gefüllt werden.” Nur von wegen Buzzword. Nach dem Vortrag ist nichts passiert. Also so gar nichts. Hat mich schon überrascht. Normalerweise hält man ja einen Vortag und bekommt dann Manöverkritik vom befreundeten Kontext und ein paar aufgeweckte unbekannte Leute bringen sich außerdem ein. Dieses Mal: Nichts. Niemand hat irgendeinen Ton zu mir über den Text gesagt. Nicht einmal der beste Freund.
Jetzt kann es daran liegen, dass das Material sperrig ist. Meinte am nächsten Tag zumindest Miss K. Gut es macht akademische Ausflüge und sogar innerhalb der Universitätswelt haben Walter Eucken, lesbarer und überraschend kluger Nationalökonom von Welt, heute nicht mehr so viele auf dem Schirm, bin ja auch eher zufällig über ihn gestolpert. Und die vier Vorlesungen zur Gründung der BRD nach dem Weltkrieg II von Foucault werden jetzt auch nicht so häufig in Literatur aufgeführt, vollkommen zu Unrecht natürlich. Die Stille habe ich mir also so erklärt: Wenn einem jemand lauter Material vor die Nase setzt, in dem man sich nicht auskennt, sagt man vielleicht lieber erstmal nichts (müssen ja nicht alle so vorlaut sein wie ich).
Dann habe ich aber, in Profil-kontrollierender Manier meines öffentlichen Bildes, Technorati angeworfen. Und sah mit einem mal: Hey, das wird diskutiert. Oft geht es darüber (hier und hier) ob man heute noch affirmativ „links“ sagen kann. Wobei erstaunlich ist, dass die generelle Tendenz ist: Kann man nicht mehr sagen. Bin ich anderer Meinung: Muss man, sollte man tun. Man darf sich den Begriff nicht wegnehmen lassen, inklusive seiner ganzen reichen Geschichte. Wäre ein Verlust.
Eine Reihe von Kritik, diese zum Beispiel, unterstellt, ich hätte ein „Digitale Bohème“-Manifest geschrieben und wollte nur meine eigene kleine Welt rechtfertigen. Hey, nein. Erstmal geht es in dem Text gar nicht um Digitale Bohème, sondern darum, wie Kapitalismus heute agiert und wie man Widerstand in dieser Ordnung des Kapitalismus denken könnte. Meine „kleine Blase“, kommt höchstens an einer Stelle vor, nämlich wenn es um kreative Arbeiter und deren Selbstbestimmung geht – und da auch eher kritisch. Habe ich ja schon verschiedentlich immer wieder drüber geschrieben: Dass nämlich Selbstbestimmung heute keine freie Wahl mehr ist, sondern vom Diskurs verordnet, weshalb man Selbstbestimmung nicht fallen lassen darf, aber auch nicht denken könnte, man wäre als Freischaffender auf der besseren, weil freieren Seite (ohne Chef und so) in dieser Gesellschaft angekommen.
So richtig sorgfältig durchgearbeitet – und darüber habe ich mich sehr gefreut – wird der Text dagegen hier von I heart digital life, einem Eintrag, in dem auch noch dazu – Purzelbaum – alle Punkte genannt werden, die mir wichtig sind. Und von mir aus, das Diskurspolitik nennen, sehr gerne. Bin dabei. Sorgfältig gelesen, wenn auch eher kritisch hat das fix [your] master boot record und da nur ein kurzes Reply zu seiner ausführlichen Lektüre: Zu dem Eindruck, ich sei gegen Erwerbsarbeit, siehe oben. Bin ich kein Stück. Im Gegenteil: Wie man in Unternehmen anders leben, agieren und arbeiten kann, das ist ein Punkt, der auch zu einer Praxis der Diskurspolitik gehören würde – und damit zu linkem Neoliberalismus. Projekt: Die Erzählung der Festanstellung verschieben.
Grundsätzlich stehen wir aber auf verschiedenen Standpunkten, klar, wobei ich darauf bestehe: Ich verstehe Diskurspolitik, die Beobachtung der herrschenden Ordnung, durchaus als politisches Projekt, denn in meinen Augen sind politische Projekte nicht nur angewandte Gesetze oder Mindestlohn-Beschlüsse, sondern auch die Sichtbarmachung der Diskurse, in denen wir leben – denn auch hier geht es um Macht.
Zuletzt dann natürlich Spreeblick, die gleich eine lockere Folge von Beiträgen (1 & 2) hinausgeschossen haben. Danke! Wie nett! Na dann mache ich mal Sonntag.

>Oder wie Malte meinte: “…im Anfang war das Buzzword und da stand es nun im Raum und es musste mit Leben gefüllt werden.”
Fiat lux. So stehts geschrieben in der Genesis und dennoch betätigen wir uns nicht fortwährend als Brandstifter, oder?
>Erstmal geht es in dem Text gar nicht um Digitale Bohème, sondern darum, wie Kapitalismus heute agiert und wie man Widerstand in dieser Ordnung des Kapitalismus denken könnte.
Wenn ich das obige richtig verstehe, ist dies also eher der Auftakt zu einer Art Widerstand gewesen und die Beschreibung der herrschenden Umstände? Das da ein Widerspruch in dieser verbalen Schöpfung liegt ist wohl selbsterklärend, wie aber erklärt sich der Umstand das die Veranstaltung per se jedoch die Symbiose zwischen Community und monetären Ansprüchen suchte? Imho beißen sich diese Ansprüche, eine Art Auschlachtung der Community liegt da eher auf der Hand und plötzlich macht das Verkaufsargument(?) gar wiederum Sinn.
Wenn es denn nicht Anleitung bzw. Manifest war, dieses Buzzword, zumindest aber gab man nun einigen, die sich an dieser Art Symbiose versuchen, einen geeigneten Begriff mit auf die Reise in die monetären Web2.0 Gefilde.
(Der erste Spreeblick-Link führt zu einer 404 …)
Hey, klar, Purzelbaum, check check. Neolibi, bi bi bi––!!
Ob das daran liegt, dass der eine oder die andere einfach sprachlos ist?!
Oder du hörst oder liest es einfach nicht? Ziemlich irre, dass du dir selber weiter zuprostest, von wegen, was für unausgetretene Pfade (“sperrig”!!) du gehen würdest (Eucken? in der Adenauer-Stiftung und Junger Union findest du kompetente Gesprächspartner — und andere finden Ludwig Erhard’s rheinischen Kapitalismus vielleicht einfach nicht so aufregend. Foucault und Neolib? Darüber gibt’s längst Monographien) — aber wenn jemand wie fixmbr.de (ich weiss nicht, woher er/sie die Nerven nimmt) deine Darstellung im Detail, äh, “sorgfältig durcharbeitet”, und, Achtung!, kritisiert!!, dann ist dir das kaum eine Zeile wert.
Statt Kopfnoten zu verteilen, geh doch einfach mal auf die KRITIKpunkte (z.B.: es ist FALSCH und RECHTS, Unternehmensförmigkeit und Profitorientierung für faktisch alternativlos gegeben zu erklären, usw.) ein, und sonne dich nicht in dämlichem Spreeblick-Blabla (“Bildung is wichtig”, aarrrggh!, wahrscheinlich noch deutscher Rohstoff, wie).
Aber der Verdacht ist eben eh: es geht eigentlich nur darum, ein grosses Pseudo-Polit Geschnatter am Laufen zu halten.
Oder noch mal anders: So kaputt ist die Lage noch lange nicht, dass dein NL als irgendwie links durchginge.
naja, naja. das hatte ich aber an mehreren stellen merken können. jedenfalls klasse dass du auf so ziemlich alle eingehst, die sich mit dem thema befasst haben. selbst wenn man es nur kurz und “nebenbei” getan hat, so wie ich. danke ;)
Ich muss zugeben, als ich den Begriff “Linker Neoliberalismus” hier gelesen habe, war ich abgeneigt. Der guten Diskurskultur folgend und wohlwissend, dass die Autorin die Betonung auf das entscheidende Wörtchen links dabei legt, habe ich mir den Essay wohlwollend durchgelesen.
Jetzt bin ich mehr als positiv überrascht, als dass ich nicht nur den sprachlichen Stil mag, den ich hier präsentiert bekommen, wie mir letztlich die glasklar bestechende Bestandsaufnahme des Status quo aus dem Blickwinkel der politischen Theorie einleuchten mag.
Vorneweg, der Begriff “Linker Neoliberalismus” gefällt mir immer noch nicht. Warum nicht “Linkslibertäre Diskurspolitik”? Aber das nur am Rande, obschon ich ich später nochmal darauf eingehen will.
Wenn Diskurse ganz konkret Realitäten setzen können (wie dies genau abläuft, alleine dieser Aspekt wird mir im Essay nicht ausführlich genug thematisiert), dann sehe auch ich die Chance eines linken Gesellschaftsentwurfes in einer Wertedebatte jenseits der Erwerbsarbeits- und Vollbeschäftigungschimäre.
Die Politik kann und muss handeln. Sie darf sich nicht hinter den Schlagworten Globalisierung und Terrorismus verstecken und ins das Schneckenhaus des probaten Minimalkonsenses zurückziehen, wie derzeit am realexistenten Regierungshandeln zu beobachten. Leisten, sichern, aufschwingen, teilhaben. Alles schön und gut. Aber wo soll die Kraft dafür her kommen, wenn ein dringend notwendiger Wertediskurs de facto gar nicht stattfindet?
Wenn existentielle Angst inzwischen dazu führt, dass Menschen sich als “links” bezeichnen, weil sie das Gefühl haben, da “jetzt durch zu müssen”, dann ist es die vornehmliche Aufgabe der Politik einen Weg zu eröffnen, aufzuzeigen und sozial zu gestalten, wohin diese zivilgesellschaftliche Anstrengung führen soll. Dieser Weg geht meines Ermessens über eine Kultur der Werte. Eben dieser um soziale Momente wie
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Dieses soziale Moment vermisse ich ebenso in einem solidarischen Verständnis unseres Sozialstaatsdiskurses. Insofern geht mir jener wirtschaftsdialektische der Genossen Beck, Steinbrück, Steinmeier und Platzeck mitunter an der Realität vorbei und überzeugt mich nicht.
Eine Gesellschaft, die sich nur noch über Leistung, Geld und Kapital definiert, verblödet. Raum für die zitierten, sozialen Momente zu schaffen und die Menschen für Wertedebatten zu begeistern; ja ihnen wieder das Gefühl zu vermitteln, was Demokratie bedeutet, nämlich “sich in die eigenen Angelegenheiten einzumischen” (Max Frisch), das ist die vordringlichste Aufgabe, wenn es um Bildung und Erziehung künftiger Generationen heranwachsender Bürger geht.
Dem stimme ich, realistisch gesehen, teilweise bedingt zu.
Womit ich mich nicht arrangieren möchte:
Letztlich bedeutet das doch, dass die Marktform die dominante Größe im sozialen Miteinander ist. Das mag der Status quo-Befund sein, aber nicht das Ziel eben jener Diskurspolitik, an deren Ausgangspunkt ich mir durchaus pragmatische Zugeständnisse vorstellen kann.
Insofern stellen sich mir am Ende des Essays gleich drei Fragen, welche Realitäten wollen wir durch die Diskurse hindurch schaffen? Wie kann dies konkret geschehen? Und inwiefern gilt dabei heute immer noch das geflügelte Wort von Rudi Dutschke: “Es gilt erst mal ein Bewusstsein des Missstandes zu schaffen”?
Hm, ich versuche gerade mal ein paar Dinge zusammenzubekommen:
“Entpolitisierung, Politik sowieso nur noch Verwaltung, außerdem Angst-ist-das-neue-Links und Hier-meine-Payback-Kartenüberwachung-ja-gerne.”
Tja, aber wie sieht das Gegenmodell dazu aus? Und für mich bleibt die Frage: Wogegen wendet sich der “Linke Neoliberalismus? eigentlich im Grunde? Bzw. wofür genau steht er konkret? So ganz klar ist mir das aus ihrer Argumentation nicht geworden.
“Diskurspolitik und nicht Realpolitik, weil Diskurse Realitäten setzen, die mindestens ebenso gewichtig sind, wie Gesetze.”
Na ja, hier werden m.E. verschiedene Ebenen miteinander vermengt, die nicht viel miteinander zu tun haben. Gesetze haben sich schließlich in jahrhunderte Langen Diskursen entwickelt haben, von der Magna Charta bis heute ist einiges an Wasser durch den Rhein gegangen.
Zum Thema Realpolitik vs. Diskurspolitik: Ich würde mir ja auch mehr öffentlichen Diskurs wünschen, aber mal ehrlich, wer noch? Die Realpoliitk ist Konsensorientiert. Sie ist, im gegensatz Beispielsweise zu einer Wertepolitik auch ein Ergebnis der medialen Inszenierung. Die breite Masse gibt sich doch mit den paar Meinungs- und Infohappen a la Sabine Christiansen, pardon Anne Will zufrieden. Man hat ja fast den Eindruck, dass Diskurs, Agitation oder kämpferische Auseinandersetzungen die Bürger eher verunsichern. Auch hier glaube ich mittlerweile, das die Institutionen durchaus ihre Berechtigung haben.
Was allerdings erschreckend ist, dass angesichts der auf Konsens zielenden Realpolitik die extremen Kräfte am rechten und linken Rand wieder extremen Aufschwung haben.
“Solidarität wird hier nicht nur sprachlich zu einem kalten finanziellen
Zuschuss degradiert – „einen Beitrag leisten“ als gäbe es neben dem Geld auf der Bank keine anderen Werte im Leben, Feiern zum Beispiel oder Politik oder Freunde oder Musik, Kunst, Literatur, Mode, Verreisen, Essen, Küssen, etwas entsetzlich bescheuert finden, schreiben, Tee mit Milch trinken und, ja, arbeiten.”
Solidarität ist ein weiter Begriff, den jede politische Gruppierung vermutlich unterschiedlich auslegt. M.E. hat Herr Beck gar nicht so unrecht (er hat ja auch nicht gesagt, dass Solidarität für ihn das Geld auf der Bank bedeutet), Solidarität ist wichtig, mehr denn je. Solidarität heisst für mich aber eben auch uneingennützige Pflichterfüllung für die Gemeinscahft, statt permaneter Selbstverwirklichung, selbstverliebtem Herumgepose und Tee mit Milch getrinke. Jene Solidarität in Form von Pflichterfüllung und Mitmenschlichkeit wird m.E. angesichts der demographischen Entwicklung noch wichtiger werden. Diese Form von Solidarität, Engagement im Ehrenamt, etc. würde ich mir wieder mehr wünschen, sie gäbe uns Sinn und Integration.
Mir fehlt dieser Ansatz bei vielen der sogenannten “neuen Boheme”, die sich einer Art Gesinnungssolidarität veschreiben, als Selbstzweck, um sich darüber als Gruppe zu definieren. Wie viel wirkliches Engagement für die Gesellschaft kommt denn wirklich? Außer müde selbstreflektive und kämpferisch, euophorisch aufs Papier geworfene Zukunftsvisionen? wie sagte schon Helmut Schmidt: Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.
“Denn prinzipiell ist der Fokus auf Erwerbsarbeit ja totaler Quatsch”
Natürlich hat sich viel geändert. Das Berufsleben ist lange nicht mehr so starr und sicher wie früher. Die Unsicherheit über einen Arbeitsplatz lässt viele gerade junge Menschen in Zukunftsangst verfallen. Alternative Arbeits- und Erwerbsmodelle sind gut und wichtig – nicht zuletzt im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei Frauen.
Dennoch glaube ich, dass sich immer noch viele Menschen nach einem sicheren Arbeitsplatz, nach festen Strukturen und einem Gehalt, das monatlich auf dem Konto landet sehnen. Und ich glaube immer noch daran, dass Leistung sich auszahlt. Aber die Kraftanstrengungen werden größer, wie auch die Enttäuschungen. Dennoch werden gute Leute immer gebraucht, egal wo, egal wann! Nur ist Leistung nicht gleich Leistung. Einmal Popstar-Sieger heisst nicht, dass ich ein guter Musiker bin. Qualität braucht Leistung und Leistung mit Qualität braucht Zeit. Und jeder, der so viel Zeit in seine Leistung verwendet hat, will sich dafür anständig bezahlen lassen und ist nicht bereit, seine Leistung kostenlos zur Verfügung zu stellen, wie es uns die Digitale Bohème suggerieren will.
M.E. sind die Zusammenhänge einfach zu komplex, um sie auf ein Schlagwort wie “Linker Neoliberalismus” zu bringen. Wenn Politik so einfach funktionierte, dann … o wei … ich will lieber nicht drüber nachdenken.
Den Bereich der Wirtschaftspolitik überlasse ich lieber Leuten, die sich damit auskennen. Ich jedenfalls freue mich schon auf das neue Buch von Naomi Klein “Die Schock-Strategie” und hoffe darin Antworten auf einige meiner Fragen zu finden.
@helm freebie
Darf ich da mal einspringen?
Gegenfrage: was ist denn dann RICHTIG und LINKS (ich geh mal davon aus das das die intendierte Kombination war) und die Alternative zu privater unternehmerischer Tätigkeit und deren Orientierung am Profit? Verstaatlichung, – oder wie das im Neusprech der Linkspartei heißt, Vergesellschaftung – und Subsistenzwirtschaft?
vielleicht sieht die Alternative ja so aus: http://www.iht.com/articles/2007/09/02/bloomberg/bxbux.php
Liebe Mercedes,
ich will nur kurz meine Probleme mit dem Text aufzeigen:
Ich glaube, da sind ein paar nette Ideen, oder Skizzen von Ideen drin, aber besser noch: Ahnungen von Ideen drin, die man weiter verfolgen sollte.
Ich persönlich glaube nicht, dass ihr da nur Politdiskurstheater aufführen wolltet (obwohl ich verstehe, dass das so erscheinen kann), sondern, dass ihr selber noch nicht so recht wisst, um welches Zentrum ihr da so herumahnt. Nur, dass das irgendwie wichtig und notwendig ist, da mal herumzuahnen und da geb ich Euch uneingeschränkt Recht.
Deswegen finde ich auch die meisten Entgegnungen wenig hilfreich, die den Text auf einer Ebene der Konkretheit angreifen, den er noch nicht mal am fernen Horizont versprechen kann.
Und das ist auch der Grund, weshalb ich es vorerst gelassen habe und weiterhin lasse mich auf eine konkrete inhaltliche Auseinandersetzung einzulassen.
Mein Kritik wäre: es war zu früh. Deshalb ein Rohrkrepierer. Ich hätte das ganze in dieser Phase noch nicht rausposaunt, glaube aber, dass da noch was drinsteckt. Also vielleicht demnächst.
Ich glaube Thomas Gross von der Zeit hat sich zumindest von Deinem Essay inspirieren lassen:
“Heute erscheint das Verhältnis verkehrt: Nicht mehr die Kunst ist das Maß, an dem die Wirklichkeit sich bemessen soll, die Gesellschaft hat sich vielmehr die Kunst unterworfen. Deshalb ist es so unergiebig, in einen »neoliberalen« und einen »linken« Flügel der Kreativindustrien unterscheiden zu wollen: Angesichts der Arbeitsverhältnisse ist diese Differenz so fein geworden, dass sie vom Aussterben bedroht ist. Während der klassische Bohemien von der Industrie vereinnahmt wurde, produziert der Culturepreneur von vornherein für den Markt.”
http://www.zeit.de/2007/39/Popkomm?page=all
Is halt schon in den kulturellen Mainstream übergegangen, Deine Idee ;-)
Ansonsten schliesse ich mich mspro an, ich hab das Gefühl es ist ein wenig früh dafür. Vielleicht sollte man die erste Welle von Enthusiasmus und Definitionsfreudigkeit abwarten und dann sehen was noch übrigbleibt von der ganzen Aufregung.
Hey, das ist ja interessant, da grad müssend (müssend, sonst hätte ichs nicht getan), entlang von Modellen wie bspw. von F. Jameson usw. – feststelle wie sich bspw. seit dem Fall des „iron curtain“ (mittlerweile könnte „iron“ ja für ironisch stehen) und dem Aufbauen westlicher Strukturen bei und des Beitritts von versch. osteurop. Ländern zur EU, gewisse Dinge verschieben oder längst verschoben haben.
Knapp. Die Zusammenarbeit mit diesen Ländern, besonders CSSR (damals) von Westdeutschland oder Russland von der DDR aus (die anderen ehem. Oststaaten ebenso, aber weniger) verlief hochgradig kulturell, viele Co-Produktionen der Medien usw. All das fiel mit dem Clash des Ostens auseinander und weg. Und wurde durch Wirtschaftsbeziehungen ganz anderer Art ersetzt, überhaupt. Es gibt ein echtes shifting der Hauptbeziehungen der Länder von der kulturellen Betonung und Projekten (die zwar auch wirtschaftlich waren, aber…) zu rein wirtschaftlichen Strukturen. Die EU ist viel eher eine Wirtschafts- als eine Kulturgemeinschaft – EU-isierung, nicht alles auf Globalisierung schieben (als würde die EU dabei nicht kräftig mitmachen).
Weiter, über wen liefen diese alten Kulturbeziehungen – klar, das verlief in hohem Maße öffentlich-rechtlich. Fällt in dem Maß weg bis teils auf null. Was passierte dann mit den Kulturbeziehungen – sie shiften von öffentlich-rechtlich zu kleineren Einheiten bis zu Kulturinitiativen. Das nennt man Diskurswandel. Es stehen andere Praktiken dahinter. Vieles, als Beispiel Medien, was als links galt, musste ebenso finanziert werden. Wie? Öffentlich-rechtlich war oftmals die Quelle. Es galt als common sense, über den Weg sauber davon zu kommen. Was aber auch nur ein common sense war, um voreinander sauber bleiben zu können, hatte man einen linken Habitus. Lässt man den common sense ausser betracht, war bereits damals der Weg über öffentlich-rechtlich allenfalls ein Kompromiss, der u. a. mal den Namen „Marsch durch die Institutionen“ trug (bis in die Aufsichtsräte – sah fast echt aus als auf einmal Jutta Dithfurth in einem Fernsehaufsichtsrat saß). Im Kulturbereich ist öffentlich – rechtlich in anderer Form immer noch ein Verstärker für sog. linkes Kulturpersonal (aber siehe, was wirtschaftlichen Kriterien Platz machte).
Diskurse hängen immer auch von deren Objektivierungen ab, das heisst, vom Vokabular, mit denen man nach den Praktiken fragt. Es sind aber grundlegend die Praktiken (die sich ändern), die vorhanden sind, jedoch erst durch fragende Vokabulare wirklich objektiviert oder realisiert werden können.
Dann könnte man reverse darauf kommen, dass es „linke Neoliberalität“ schon längst oder gar immer bereits gab (war die Losung bspw. des Marsches durch die Institutionen nicht schon ein shifting von Ansprüchen) und das, was es ergo längst gab mit der Zeit Transformationen ausgesetzt ist und den Titel linker Neoliberalismus verliehen bekommt.
Die komischsten Leute fragen um Wirtschafts-Sponsoring für ihre Projekte nach – und bekommen das Sponsoring. Gewitzt könnte man so darauf kommen, wird die Wirtschaft dabei nicht links? Die scheint weniger Angst vor Ideologiefragen zu haben. Die Wirtschaft ist wirtschaftlich. Kultur sponsorn ist wirtschaftlich, Kultur hält die Möglichkeiten der Wirtschaft aufrecht, hebt Standards – Kultur und Wirtschaft gehen miteinander. Der Habitus vieler Kulturschaffender ist links (dass Habitus und Realität dabei nicht übereinstimmen müssen liegt im Begriff nach Bourdieu). Der Habitus ist ein Image von sich selbst, ein Bild. Bilder sind über Lacan/Althusser etc. etwas u. a. Ideologisches. Ideologien verdecken die Praktiken, sie werden verleugnet oder mit Euphemismen belegt. Diese falschen Bilder mit der Realität in Einklang zu bringen verläuft wissenschaftlich über Diskursforschung etc. (die aber nicht so banal ist, die verbalen Diskurse einfach als Leitmittel zu nehmen, so einfach war das nie gemeint).
Beuys wusste schon, am Kapital entscheidet sich alles. Beuys Ideologie von sich war links und Öko usw. – er fuhr die größten Schlitten mit den damals höchsten Verbrauchszahlen, seine Praxis war das, was man heute u a teils Neoliberalismus nennen würde.
Viele Alternativprojekte im Wirtschafts oder Kultursektor haben sich in GmbH´s gewandelt, längst, seit langem.
Und daher, die Schlagworte im Artikel (Globalisierung etc.) verdecken eher die Praktiken. Das was Beck da bringt ist viel schlimmer, die Haltung ist gar nicht Marx und überhaupt nicht links, sondern eher calvinistisch (vgl. Analysen zu Nike-Kampagnen, die kulturell klar protestantisch-calvinistisch codiert sind mit plus jeder kann es schaffen, dabei wird das Schaffen als Finalität und Bild gesetzt, das Shiften von Herkunft in der Praxis aber gelangt aber de facto nicht zum Geschafft-Haben, sondern der neue Ort wird Leistung-Bringen — das „kommunistische“ daran, die Herkunft spielt keine Rolle — so was lassen sich Leute wie Beck von Beratern schnell verkaufen, denn das ist das einzige Moment, das die SPD damit anschließt, an das Bild, die Praxen werden dabei nicht objektiviert – objektivieren heisst, dass passende Vokabular finden um Realität zu beschreiben).
Das „Du kannst es schaffen, wenn…“ muss gewitzter gestellt werden, es gibt mehrere Segmente, alle davon bedient übrigens Nike. Allein bis zum Teamplayer ist der Wege Möglichkeiten. Nike deckt alles ab (klüger dabei als die SPD). Es als Team schaffen heisst, feiern dürfen, Opium fürs Volk. Während der Allgemeinheit nicht s anderes übrig bleibt, als sich ggf mit einem Solo-Gewinner zu identifizieren, während dieselbe Allgemeinheit, von wegen alles immer sozial, die Verlierer ggf ausbuht. Solo oder Team. Teamplaying wird von allen möglichen Firmen sozial ausgenutzt, die Leute werden degeneriert (es gibt Firmenbillboards und Statistiken, wo die Teams so stehen – bei der Wirklichkeit kommt Beck nicht an – inkl. als Belohnung verordnetes Feiern, wenn ganz vorn abgeschnitten wird – auch das ist grundlegend calvinistisch – der „Trick“ kommt aus einer entsprechenden Gesellschaft, der amerikanischen ——— das ist gar nicht kapitalistisch !!!!!!!!!!!!!!!).
Jetzt hab ich keine Zeit mehr – leisure time, d. h. Kultur.
CUT (untheoretisch oder weniger theoretisiert weiter)
…beschleunigt… die Sponsorlisten von events oder Projekten sind oftmals oder meist eine Liste sowohl öffentlicher als auch privater (Firmen) Quellen. Vgl. wirnennenesarbeit usw.
Dreht man über 35 Jahre zurück.
Jemand mit den moralischen Ansprüchen bspw. von otl aicher hatte überhaupt keine Probleme als visual designer allerhand Aufträge anzunehmen (die Logos der bekanntesten Firmen u a weltweit sind von ihm). Sucht man ein Fluchtschild bei Feuer oder den Notausgang usw. trifft man auf ein Logo von otl aicher. Die ganze Bildsprache jener Logos stammt von aicher. Viel davon wurde von IT-Designern abgekupfert.
fahren Künstler zweigleisig, sind sie im System, der ganze IT-Bereich (wer sich wehrt, wird’s bestimmt).
Diese Logos gehören von der Formgeschichte der Moderne an. Als aicher die Dinge entwarf herrschten swinging sixties plus flower power. Beides gehörte nicht zur linken Lehre. Die Ästhetiken wurden nicht von der Industrie etc übernommen, stattdessen aichers moderne (man stelle sich Notausganghinweise in flower power Ästhetik vor).
Die Situationisten kommen ebenso aus der Moderne und oft aus dem visual design und etc design. Einige davon machten dick Asche, u a wurden früh mit der Industrie Projekte umgesetzt. Man hätte bereits dort sagen können, das sei neo-liberal bzw. linker Neoliberalismus.
Wer sind die Nachfolger. Zentrale Intelligenz Agentur sicher mit dabei. Man muss mit den Kontakten nicht verblöden, siehe otl aicher — aber es gehört was dazu, siehe ebenso otl aicher. Wo linke Situationisten sich eher verkauften, tat aicher das nicht, er hatte keine Gruppenideologie und lehnte Ideologien ab. Ein Freigeist, geschult gegen die Nazis.
Jetzt flieg ich voll aus dem Diskurs, bei aicher war das, was bei anderen ein linkes korsett ausmachen soll seine eigene Integrität und sein eigenes Urteil. Zur Bestrafung, die Industrie gab heftig bei ihm in Auftrag, beschloss eine schwarze Landesregierung (braun belastet), sein Institut zu kappen. Während danach eine rote Bundesregierung aicher das visual design für die olympischen spiele 72 übertrug.
Sieht man sich aicher an, muss man diese Angsthasendiskurse um linken Neoliberalismus nicht fürchten, so wie das bei manchen ankommt. aicher bestimmt noch heute ganze visuelle Ästhetiken – also Diskurse. Visuelle Diskurse sind immer ideologisch (Lacan/Althusser mit Mitchell). Da die Moderne eigentlich ein linkes Projekt war (vgl Werte wie Emanzipation usw) hat es aicher ziemlich unbemerkt geschafft, das ästhetisch wieder einzubringen, was von anderen ausradiert werden sollte. Und dass die Industrie und (zumindest linke) Politik massenhaft Aufträge an ein zumindest korrespondierendes Mitglied der Weißen Rose verteilte hatte was, ging durch 68 und RAF so ziemlich unter, was da nebenbei lief. Und wenn dann so sehe, was Industrie so sponsert, kann man das Mitspielen dabei gar nicht mehr so neoliberal nennen. aicher hat es geschafft, mehren visuellen Diskursen ein quasi linkes Label zu verpassen. Ohne dabei viel zu quatschen. Mehr oder weniger tatsächlich Guerilla. Eine gute Guerilla sieht man nicht.
Eher müsste eine Industrie (etc) in Widerspruch geraten, wenn sie linke Ästhetik mit calvinistischen etc Ausbeuterpraxen in Verbindung bringt. Wieso sollen sich immer andere schlecht fühlen und die nie. Warum haben Firmen ästhetisch linke Logos, die für Moderne stehen, zahlen aber Männlein und Weiblein unterschiedliche Löhne (was unmodern ist – wer ist da schizo – der, der sich auf den Auftrag einlässt?) – aicher pochte auf die Werte der Moderne und sprach so was an. Bei Versicherungen artikulierte er klar, dass er von unterschiedlichen Tarifen für M#nnlein und Weiblein überhaupt nichts hält (Versicherungen tragen trotzdem seine Logos) – die Weiblein lassen sich das trotz 30 Jahre Emma brav immer noch gefallen. Modern ist das nicht, das kann gar nicht neoliberal werden, es war noch nie anders !!!
aicher hat den ganzen Mist in Praxis bereits mitgemacht, ohne sich dabei zu verraten, vor über 30 Jahren. Wer sich aufregt, hat ein Problem. aicher hat sowohl von den Praktiken als auch visuell-ästhetisch seine Linie gefahren. Wenn der Feind Aufträge erteilt, zahlt er auch, kommt dazu.
why was that important, otl aicher hat ganze web ästhetiken und mehr direkt beeinflusst (ästhetisch gibts wenig neuerfinder) und alles andere schon durchgemacht (und natürlich andern aufträge weggenommen – wie unlinks – links ist keine bessere welt) … daher plädiere ich für integrität, wenn man schon (hä hä) aufträge wegnimmt
Ich halte das Positionspapier von Mercedes Bunz nicht für falsch, sondern vor allem für unsorgfältig. Es ist unsorgfältig in seiner Begriffswahl, die in erster Linie den Buzz suchte. Insofern: “Linker Neoliberalismus für urbane Penner”.
Das sollte aber nicht über ihre ernsthaften Motive und Argumente hinwegtäuschen, an denen sich viel (!) finden lässt. Nur, sorry, das Label ist schon einmal total daneben. Ein radikaler Wirtschaftsliberalismus (ergo: Neoliberalismus in seiner heutigen Begrifflichkeit) kann nie und nimmer “links” getauft werden – und alles wird wieder gut.
Es muss ein Begriff her, der weniger knallt und sorgfältiger gewählt wurde. Ich halte den Bezug auf Eucken nicht für falsch, aber Eucken hat sich aus guten Gründen dagegen verwahrt, zu den Neoliberalen gezählt zu werden.
Es ist falsch zu sagen, dass wir dem Neoliberalismus nicht entkommen können – ich halte es nicht für falsch, zu sagen, dass wir nun einmal in einer marktwirtschaftlichen Ordnung leben – und uns als Linke überlegen sollten, wie wir uns da einrichten,- und zwar im Kampf gegen Übermacht und Privilegienwirtschaft, im Sinne von sozialen Fortschritt, im Sinne von Gerechtigkeit, Chancengleichheit und – auch – Utopie.
Es ist notwendig, der Menschen in ihrer Mehrheit halber, die neoliberale Hegemonie zu durchbrechen. Den Begriff “neoliberal” hinter sich zu lassen bzw. als Gegenbild zu erhalten – halte ich für notwendig, auch aus diskurspolitischen Gründen. Sorgfalt und Grundlagenarbeit (ich mag da – dreimal sorry – extrem unangenehm und eingebildet klingen) sind für eine linkes ökonomisches Projekt wichtiger als die Setzung von knalligen Begriffen, die sich doch nicht mit Leben füllen lassen.
Ich persönlich plädiere für:
1. “radikaler linker Ordoliberalismus”
2. “Linksliberalismus 2.0″
Mein Lesetipp für Mercedes Bunz: “Das Versagen des Wirtschaftsliberalismus. Das neoliberale Projekt.” (Gebundene Ausgabe)
von Alexander Rüstow (Autor), Frank Maier-Rigaud (Autor), Gerhard Maier-Rigaud (Autor)
nunja – aus einer anderen Perspektive – ich komme teils aus der empirischen Kulturforschung (aber nur teils) und Leute des Instituts waren auch Vortragende wie Mrs Bunz auf der Veranstaltung – und di e wurden anschließend in den Berichten darüber heftig kritisiert – Mrs Bunz schneidet was Wichtiges an – denn diejenigen, die da u a als Gründungsredner für neue Industrieverbände der Jungen Union medial (große Mainstreampresse – nicht “Die Zeit”) kritisiert wurden, halten sich selbst für links. Die arbeiten jedoch teils mit den Firmen und versuchen auch Aufträge zu bekommen – ich sehe natürlich Grenzverwischungen, wenn bei Daimler Chrysler sehr viel weiter gegangen wird und mich wundere, was dann vor den Personen selbst als eingreifende Akteure noch als links verkauft wird bei der Optimierung von Organisationsprozessen, Produkten usw. – man ist links – aber was ist das dann noch, organisiert bspw. “privat” Kunstevents, ist noch Mitglied ner Künstlergruppe eher im andern Leben – da hat Mrs schon fast Recht – wer so agiert ist nämlich ein linker Neoliberalist qua Praxis
(wo geht das los – wenn man privat was abbricht oder schnell abbrechen musste, wenn ne Person ganz anders ist als im Club —- wo ist da noch sowas wie Integrität ———- die Leute kennen und spielen dieselben Codes als seien sie anders, nach Feierabend jedoch – Feierabendlinke gleich linker Neoliberalismus? — Mrs Bunz hat qua Praxen Recht mit der Perspektive)
glaube, dass es die Großtheorie nicht mehr gibt – die Gesellschaft wird von Individualisten bestimmt und man muss individual reagieren – die Gesellschaft ist wesentlich komplexer geworden als bspw. das (auch gesellschaftliche) Material, aus dem Foucault seine Theorien gewann.
Ich denke, es wichtiger, die eigenen Praxen zu reflektieren (das kann jeder, der einigermaßen Vorbildung hat, hat Mrs Bunz alles) – und ich finde es auch richtig, was sie macht und wie sie hier zu denken versucht – es ist ein Versuch
also, die Namen inkl Eucken (und Rüstow, Rigaud) die hier noch stehen, sind an dem Institut, das ich meine, kein Thema (daher kenn ich nur Grobes drüber und sag dazu nix). Der Ansatz als Versuch von Dr Dean ist auch ok. Es gibt die totale Lösung nicht (mehr) – meine ich.
Das ganze miteinander verlinkte Denken inkl Life Style, Digital Behavior, Ästhetik, Affirmation, … bis zu “was ist linker Neoliberalismus” gehört als Frage zusammen, auch die Flohmarktpraxen – Musikästhetik…
also ich finde Mrs Bunz sehr wichtig, da sie das hier so produziert (inkl. sich oft Ärger einhandelt dabei)…
bei einer Vorstellung eines linken Autors mit nem Buch zu dem Thema, etwas länger her, meinte der, er hätte es aufgegeben zu mahnen etc. – denn die Leute machen trotz Kenntnis der Bücher was sie wollen – Theorie und Praxis klaffen auseinander (teils waren das auch empirisch überprüfte Recherchen)…
jedenfalls, glaube nicht an Begriffe, eher sind es Fragen – und den Wir-Begriff halte ich für problematisch – das Wir zerfällt an unterschiedlichen Praxen und Situationen – auch gegenseitigen Konkurrenzverhältnissen – es bleiben dann wenige übrig… die Erfahrung existentieller Schwierigkeiten siebt aus… wirkt aber realisierend und müsste bewusst machen, was die Theorie und deren Begriffe überhaupt bedeuten… und “linker Neoliberalismus” ist dabei eine realisierende Annäherung an Praxen
die glaubwürdigsten Leute habe ich unter denen gefunden, die praktisch anders gelebt haben, bspw. als Entwicklungshelfer etc. – dann zurück kommen, mittlerweile sogar schon alt sind und sich in so einer Gesellschaft mit ihren Ansichten bewähren müssen – soziale Anerkenn nung von solchen Leuten ist sehr viel Wert (die bekommt nicht jeder) – kommt drauf an, was einem was Wert ist
ich finde das Lesen der genannten Bücher nicht schlecht, sehe aber lieber die Praxis in den Fragen (und les andre Bücher) –
und eigene Praxis, wenn das alles so läuft, wie es laufen soll, werden multilokale Gelder u Ressourcen bewegt, wie die zustrande kommen usw. überhaupt keinen Einfluss drauf – geht so gar nicht ———- komm ich nämlich schnell zur Frage der Kontrolle – geht, ginge – will man so sehr Einfluss nehmen, hat man oder produziert man ne knallharte Kontrollgesellschaft… die auch den Einzelnen kontrolliert und Entscheidungen vorstrukturiert… dass das eben nicht geschieht, eröffnet Spielräume für andere, diese Räume müssen nicht bespielt werden, werden sie aber… es ist das Ausnützen eines Differentials, eines Spiels, das da sein muss… die Kolonisierung von Handlungsspielräumen… andere sagen, wenn ich mich beteilige, kann ich wenigstens mitbestimmen…
ok, ich hab „links“ durch Integrität ersetzt, ein integrer Neoliberal“ismus“ wäre nicht mehr dasselbe… der Begriff Integrität wird dabei nicht angegriffen, entweder etwas ist integer oder ist es nicht… ein integrer Neoliberal“ismus“ könnte keine Handlungsspielräume mehr kolonisieren… das als Begriffs-Spiel – mit wäre aber die soziale Anerkennung (s. o.) lieber –
Slavoj Žižek hält nicht sonderlich viel vom postmodernen Weg, das Augenmerk des antikapitalistischen Kampfes auf die vielfältigen Formen der politisch-ideologischen Auseinandersetzungen um Hegemonie und die Bedeutung der diskursiven Reartikulation zu verschieben. Die Linke agiere derzeit in allen möglichen Varianten, die Vorherschaft des globalen Kapitalismus zu brechen, arrangiere sich aber doch nur mit ihm.
http://www.pickings.de/tiki-view_blog_post.php?blogId=11&postId=2592
ich habe mir tatsächlich auch die mühe gemacht, den text durchzulesen….
vielleicht sollte mrs. bunz doch mal die ganze foucault vorlesungsreihe zur kenntnis nehmen und nicht nur die vier vorlesungen. so affirmativ ist foucaults neoliberalismusanalyse nämlich nicht, wie es mir aus dem text scheinen will. in den erwähnten vorlesungen geht es einfach um die gouvernementalität des neoliberalismus – also um bestimmte techniken und praktiken sowie selbstpraktiken, mit denen der neoliberalismus funktioniert. dazu gehört z.B. auch die selbstpraxis der überaffirmation der eigenen vielleicht gar nicht so emanzipatorischen praxis und prekären situation. insofern erklärt sich mit foucault mehr, wieso es eine digitale boheme gibt, die sich selbst so nennt und meint, ihr wirken sei kritisch. Und die zugleich techniken und praxen ausbildet, die sich ganz hervorragend verwursten lassen. mit links hat das genausowenig zu tun, wie foucault den neoliberalismus hochleben lassen wollte.