
Das muss noch nachgetragen werden: Das beeindruckende Helmut-Schmidt-Interview in “Der Zeit”, auch wenn der beste Freund nicht davon zu überzeugen war, weil er Schmidt wegen der Pershings nicht leiden kann. Bin ich anderer Meinung. Erstmal ist es interessant, dass Schmidt den ganzen RAF-Hype basht, der heute so gerne dicht unsere Zeitungen überzieht.
Und dann der Tonfall.
Gut, jetzt schillert Krieg immer, weil man so tut, als ob er ein Moment essentieller Entscheidung ist. Leben/Tod. Was ja geschummelt ist, weil dazwischen liegt das, was im Krieg am häufigsten vorkommt: verletzt. Nein, das klingt einfach gerade heraus. Findet man ja heute nicht mehr. Gerne winkt man dann ja “Mediendemokratie”. Aber das geht tiefer, denn das ist nicht nur unter Politikern so. Der Tonfall des Interviews sticht aus unserer Zeit einfach heraus. Und warum?
Der Erklärungsversuch könnte so gehen: Nicht nur im Journalismus werden heute alle Interviews autorisiert (und damit komplett entschärft und umgeschrieben). Allgemein passt man heute besser auf das auf, was man sagt und tut. Weil es viel weiter versendet werden kann – dank Internet. Jetzt ist, dass man im Internet erscheint, erstmal schön, weil nicht mehr nur die alteingesessenen Medien die Macht haben zu veröffentlichen. Und man das öffentliche Bild nicht mehr den Medienmenschen überlassen muss. Man kann dagegen angehen. Hintenrum wird es aber unangenehm.
Man googelt sich selbst, um das Bild zu kontrollieren, das die Anderen von einem haben. Man gestaltet sein Selbst auf myspace, um ein cooles Profil von sich zu entwerfen. Und bei all dem denkt man immer die Anderen mit. Denn wir alle sind heute öffentliche Personen. Was heißt: Ständige Selbstzensur. Könnte die neue Plage werden. Jeder, erklärte der Professor mir neulich, während er seine hippe, blonde Haarsträhne aus der Stirn strich, ist heute in unserer Gesellschaft ein Produkt. Und Social Networks, fügte er hinzu und kraulte die Katze, sind der Kindergarten, in denen man lernt, sein Profil zu bilden und seine Marke besser zu verkaufen. Ich habe beharrlich behauptet, dass das nicht alles sei. Rein aus Prinzip. Weil wäre irgendwie traurig. Aber ein gutes Argument dagegen ist mir auch nicht so wirklich eingefallen. Jemand eine Idee?

Unglaublich, wertes Fräulein Bunz, wie Sie den Bogen spannen von Herrn Schmidt zur hippen Haarsträhne ….
Beeindruckt
Ihr Erdge Schoss
Naja, dafür sind Bögen ja da, dass man sie spannt. Hat aber auch gedauert, kann ich verraten.
gegenargumente? nichts leichter als das. stehen ja schon da. seit wann können produkte lernen sich selber zu verkaufen und eine marke aus sich zu machen? (seit wann lernen produkte überhaupt? und wann lernt die milch wieder, dass sie vor morgens vor meiner haustür auf mich warten soll?) andersherum, seit wann sind produkte ihr eigener produktionsprozess und ihre produktionsmittel, nicht andersherum? oder, marxistisch gefragt: seit wann ist die aneignung der produktionsmittel enteignung und entfremdung in einem (gehört ja alles auch murdoch, aber man kann es trotzdem löschen)? und wenn man die wirklich schräge frage will: wie kommt es das ein produkt zu grossen teilen aus seiner distributionspolitik besteht? (gibt es ein myspace ohne freunde?)
zusammengefasst, kann man zu solchen produkten wie früher sagen: gib mir mal 80 kilo helmut schmidt für die front und ein paar weibchen für die waffenindustrie, ohne dass man das produkt wesentlich verändert?
Na ja, da ist schon was dran, an dem, was der Herr Professor da sagt. Selbstinszenierung im Web ist das Riesenthema und ja, es stellt sich für manchen sicherlich die Frage: Welches Impage verpasse ich mir? Wie will ich auftreten? Wie sollen andere mich sehen?
Wobei ich der Auffassung bin, dass Leute, die sich krampfhaft bemühen, sich ihr eigenes Image zu verpassen, ziemlich schnell auf die Schnauze fallen (da ja jedes Fitzelchen, was dagegen spricht gnadenlos gegen sie verwendet werden wird). Ein Image ist in der vielfältigen Medienwelt doch ziemlich leicht zu durchschauen und noch leichter auszuhebeln.
Insofern glaube ich langfristig daran: Authentizität rules. Selbstkritisch, selbstreflektierend und ehrlich sein, Fehler eingestehen, besser machen – zugegeben, das ist gerade für uns Deutschen sehr schwierig, da wird der kleinste Fehler schon als persönliche Niederlage gesehen und statt es nochmal zu versuchen, und ggf. nochmal zu scheitern, um es dann nochmal zu versuchen, verharrt man in Passivität.
Interessant finde ich Ihren Satz: “Denn wir alle sind heute öffentliche Personen.” Was bedeutet das für eine Gesellschaft? Explosion der Möchtegern-Superstars? Egomania total? Völlige interessensgeleitete Individualisierung? Oder eine interessante und sehr authentische Bereicherung und explosionsartige Vervielfachung des öffentlichen Lebens, nämlich an interessanten, vielschichtigen Personen, an Wissen, Talenten, Charakteren, Meinungen etc.
Ich glaube an das Letztere :-) Aber was machen dann die ganzen “echten” Stars?
Im Internet braucht jeder über kurz oder lang eine “Kommunikationspolitik”. Jeder braucht die PR-Agentur im Kopf. Einige mussten das schon schmerzhaft zur Kenntnis nehmen, denn auch der soziale Druck ist hier höher.
Auf der anderen Seite – das wäre mein “aber”, das kein Gegenargument ist – kann man auch besser darauf scheißen (ja, ich wähle bewusst diese Formulierung).
Kontroverses hat im Internet nämlich immer seinen Platz, mehr als in allen anderen Medien. Man muss hier nicht mehr der Masse gefallen, sondern kann sein Ding machen, wie man es selber mag. Auch wenn es manchen übel aufstößt. Aber – und das ist wichtig – nicht unüberlegt(= uninszeniert).
Man könnte festhalten: Man kann alles machen. Aber man muss es gut inszenieren. Selbst die Spontanität.
Helmut Schmidt = Lieblingsbundeskanzler auf Lebenszeit (meine). Was bin froh, nicht nur mit Kohl gross geworden zu sein. Ideen aber keine, leider.
Es ist genau das die Kehrseite des Web 2.0, die dunkle Seite der Macht, die wir lange nicht gesehen haben. “Wir sind das Netz” schließt im “Wir” leider auch Personalchefs, Kunden und – am schlimmsten – jene unsichtbare Gegener ein, die einem am Stuhl sägen, ohne dass man es merkt; kurz all die Menschen, die man während des Studiums noch nicht kennt.
Nebenbei: wie unglauchlich, fast unerträglich jung Schmidt auf dem Photo aussieht. Mich macht das immer total fertig, was für geschmeidige Jungs all die Kerle mal waren, die ich nur als alte Männer kenne.
Um so laenger ich im Internet lese, desto weniger Wert scheinen mir die “Informationen” die man da findet, wenn man sie nicht zu evaluieren versteht. Also wer diese 99,9% Trottel- und Werbenet fuer bare Muenze nimmt, dem ist nicht zu helfen. Will sagen: es ist voellig egal, und die Leute, die sich ueber jeden Furz aufregen und womoeglich gleich klagen, wenn irgendwo etwas steht, die haben die Natur des Internets nicht verstanden. Sie betrachten das Internet so wie die Frankfurter Allgemeine oder die Sueddeutsche Zeitung. Hoffentlich vermiesen es uns diese WiSo-Gucker und “Vorsicht Falle”-Paranoiker nicht, denn die sitzen am Getzeshebel.
@bleed
“gehört ja alles auch murdoch, aber man kann es trotzdem löschen”
Ist das ironisch gemeint?
Das Bewusstsein, dass man nichts, was fuer irgendwen von Belang ist, vom Internet loeschen kann, sollte in die Allgemeinheit uebergehen.
@Ute: Genau so sehe ich das nämlich auch. Und das bereits seit Jahren, den (un)seligen Zeiten vor Web2.0. Wie war das denn im IRC, da aufpolierte Image, das Geschlechterspiel etc. Irgendwann wollte man sich dann doch in “echt” treffen und … Futschikato Hülse!! Wenn sich jedoh allbereits die Wirtschaftswoche mit der beliebten Einstellungsstrategie des googeln beschäftigt, ist vielleicht von diesem dunklen Trend nicht mehr viel übrig.
Bis die Tage
Rayk
PS: Keine Accounts mehr, nirgends
Das klingt nicht nur traurig, sondern ist auch Mitleidserregend. Wir sind alle wie Discokugeln. Jeder dreht sich nur um sich selbst, die produzierten Selbstreflexion ist zum einzigen Vergnügen geworden.
Naja, der Schmidt hat das mit der Imagekontrolle blendend hinbekommen und wirkt jetzt wie ein erfolgreicher Elder Statesman, anstatt wie der Resteverwalter des Brandt’schen Erbes. Das kann doch nicht nur daran liegen, dass er keine MySpace-Seite hat, oder?
War der Mensch nicht schon immer auch “Produkt”, das es an den Mann, die Frau zu bringen galt; und nur weil diese ganzen ökonomischen Begriffe in die Sprache Einzug gehalten haben, denken wir, es sei was qualitativ Neues?
Ich denk da an den Heiratsmarkt. Marktwert waren die elterlichen Finanzen. Beim Adel kam die Hochzeit schon fast einer Firmenfusion gleich. Keine Sentimentalitäten. Knallhartes Geschäft über die Jahrhunderte hinweg.
Und gab es in Gesellschaften nicht schon immer die Konkurrenz um Rang und Ansehen. Das “Sich Vermarkten” und den “Marktwert” Steigern? In der Gruppe Jugendlicher darum wer am “coolsten” oder wer zur hippen Party eingeladen ist, vielleicht auf der Gästeliste steht?
Ist diese “Selbstvermarktung” nicht was ganz normales in alle menschlichen Beziehungen. Man macht sich schick, um beim anderen Geschlecht (oder beim Eigenen) zu Punkten.
Ist daher mit Social Networks nicht einfach nur der Personenkreis größer geworden, in dem man die Selbstvermaktung praktiziert, und sind vielleicht die Mittel etwas ausgefeilter geworden, mittels derer man sich aufhüschen kann?
@fpk: Ich finde, dass Du mit Deiner Auflistung schon recht hast, aber (in diesem Fall sind die Worte vor dem “aber” nicht gelogen) meiner Meinung nach sind die Auswirkungen der neuen, “ausgefeilteren” Selbstvermarktung nicht vielen transparent. Natürlich kann ich mich als Kid mit dem eigenen Karaoke-Video positionieren, vielleicht sogar cool werden, mein Netz darüber aufbaun. Aber das Web vergisst nicht und spätestens bei der ersten ernsthafte n Bewerbung ist das Video wieder da. Muss nicht schlimm sein, kann es aber.
Die Stichworte “PR-Agentur im Kopf” und “Man kann alles machen. Aber man muss es gut inszenieren. Selbst die Spontanität” finde ich für die Netzöffentlichkeit, in der ich mich mitbewege, mitunter bezeichnend, obgleich mehr als realistisch.
Bedeutet es doch letztlich, dass wir uns im Netz als öffentliche Personen noch so authentisch geben mögen, eine gewisse, “ständige Selbstzensur” unserer wie auch immer gearteten Meinung geradezu antizipierend, schwingt dabei doch auch immer ein Selbstschutz im Panoptikum mit. Oder sollte vorsichtshalber mitschwingen, was ja schon alleine dergestalt offensichtlich wird, als dass die wenigsten hier mittels ihres Namens augenscheinlich Identität preiszugeben bereit sind.
Diese These teile ich zumindest. Es ist wohl auch ein Ideal zu glauben, dass uns das Web2.0 eine Gegenöffentlichkeit beschert hat, in der es keine gedanklichen Tabus gibt. Jenseits der Netiquette im Web, die stellenweise zwar nicht immer gewahrt wird, aber für mich alleine schon eine Frage der Freundlichkeit darstellt. Bloggend die “PR-Agentur im Kopf” also, kommt mir da nicht unwillkürlich Georg Kreislers Zu leise für mich in den Sinn:
Der letzte Satz (der Song geht noch ein paar Strophen weiter) passt, wie ich finde, zu der permanent mitschwingenden Befürchtnis, dass man google sei dank, schnell anhand seiner eigenen Wörter im Netz zu entlarven ist.
@Ann: Wenn ich mir die Blogs so ansehe, da ist was dran! Auf der anderen Seite, finde ich es auch ganz interessant, wie andere Menschen Dinge sehen und beurteilen – vor allem, wenn sie es intelligent und witzig tun.
War jetzt wieder mal in der Sargnagelschmiede und amüsiere mich jedes mal köstlich über die Einträge. Man muss sich eben die paar Perlen herauspicken :-)
@ fdk: Selbstdarstellung. Ja, hat es schon zu allen Zeiten gegeben. Van Gogh fertigte über 35 Selbstportraits von sich an. Mal abgesehen, von den ganzen Herrscherportraits etc. Früher konnten es sich eben nur wenige, reiche Menschen leisten, Selbstdarstellung zu betreiben. Heute kann es jeder – die Gründe, warum Menschen das tun sind sicherlich ganz unterschiedlich und positiver, wie negativer Natur.
Problematisch wird es aus meiner Sicht, wenn die Selbstdarstellung notorisch wird, unreflektiert und selbstverliebt. Ferner las ich am Wochenende im Zusammenhang mit dem Maler Francis Bacon etwas über Geltungssucht. Das machte mich stutzig. Wenn es so ist, dann sehe auch ich die Selbstdarstellung und die produzierte Öffentlichkeit von Privatmenschen eher negativ.
Zu Harald Schmidt, ja, der hat ein schönes Image aufgebaut, aber letztens in einem Interview einen Offenbarungseid geleistet. So ist das, wenn man von seinem in eingener Handarbeit geklöppelten Intellektuellen-Image irgendwann selbst die Schnauze voll hat, dann hilft nur der radikale Bruch in Form von “Traumschiff-Auftritten” …
“Denn tralala, so ist das Leben!
Erst geht man auf den Leim, dann bleibt man kleben.”
Wie wahr – sehr schön, danke für das Gedicht, Johannes!!!
@Ute: gern geschehen. :-) Es ist aus Georg Kreislers Eine-Frau-Musical „Heute Abend: Lola Blau“… Wenn Du es einmal im Theaterspielplan entdeckst, unbedingt anschauen! ;)
ist schon klar, als brave holtzbrinck-soldatin muß frau die produkte der zeit (verlagsgruppe georg von holtzbrinck) ordentlich loben. dafür wird frau bunz sicher mit mehr verantwortung und neuem führungsoffizier belohnt.
Another Bow
Ich wage jetzt auch mal einen Bogen zu spannen von hier nach dort(mercedes-bunz…neoliberalismus.pdf). Wenn tatsächlich, wie du schreibst (und ich denke auch, dass es stimmt), heute “jeder in unserer Gesellschaft ein Produkt” ist. Sein eigenes Produkt. Wenn wir alle uns nun auch noch selbst vermarkten. Wenn dadurch der “Wettbewerb aller gegen alle” derzeit auch jenseits physischer Grenzen intensiver wird. Wenn wir darauf achten, wie wir nach außen wirken, unser “Bild kontrollieren, das die Anderen von einem haben”, unser “Selbst auf myspace” gestalten. Dann vollbringen wir hier alle eine Optimierungs-Leistung. Durchaus im Wettbewerb gegeneinander. Denn die Aufmerksamkeit geht nun mal in dieser Ökonomie dorthin, wo eine gute Leistung erbracht wird.
Interessant ist jedoch, dass dies gerade von jenen vollzogen, mit vorangetrieben wird, die an anderer Stelle die Leistungsgesellschaft in Frage stellen.
Ich will dies (den argumentativen Widerspruch) jetzt nicht kritisieren – Aber es fällt mir eben auf. Was mich treibt ist etwas ganz anderes.
Da bringt jemand durch sein Tun Dinge in die Realität, die er intellektuell hinterfragt. Macht etwas, das er an anderer Stelle durchaus kritikwürdig findet. Wir alle verhalten uns so. Ist es dann also folgendermaßen: alles, was man macht, auch die fundamentalste Kritik, ist nur Bestandteil des einen unentrinnbaren Spiels? Kein schöner Gedanke.
Oder mal andersrum. Jetzt nehme ich mal die Handlung als gegeben. Als authentisch und somit gewollt an. Woher dann eine Meinung, die hierzu im Widerspruch steht? Die nicht unmittelbar aus dem Arbeiten und Leben heraus kommt, sondern von woanders her.
Das bringt mich zu dem Gefühl, dass es nicht unsere eigenen, meine eigenen Gedanken, sind, die wir denken. Unsere Themen, unsere Gedanken, Meinungen auch, bewegen sich scheinbar innerhalb eines Freiraums, welcher unserem Denken vom Zeitgeist (oder wie immer man das nennen will) eingeräumt, zugewiesen wurde. Ich meine, denke, also nicht das, was ich (wer bin ich?) will, sondern das, was der Zeitgeist will, dass ich es denke.
Dann gäbe es auch keinen Ansprechpartner mehr für eine Vorhaltung dass „die Selbstdarstellung (zu) notorisch wird, unreflektiert und selbstverliebt.“ Und wenn wir „alle wie Discokugeln“ (@ Ann: schöner Vergleich) uns nur noch um uns selbst drehen – es gäbe kein Gegenüber für Mitleid mehr.
O.k. das ist insoweit eigentlich keine ganz neue Erscheinung. Auch wenn es früher noch keinen Unterschied zwischen Ich und Rolle gab, haben die Menschen wahrscheinlich schon immer mehr in ihrer Zeit anstatt in sich selbst gelebt. Nur fällt es heute einem „postmodernen“ Menschen auf, dass dies so ist. Denn dieser will, Ich will, Selbst sein und kein Platzhalter in einem Spiel.
Ich will ich selbst sein, unabhängig, von jeder Zeit, zeitlos.
Oder zumindest will der Zeitgeist, dass ich dies will.
Behaupte ich.
Eben aus Tunesien zurückgekehrt, kleine Anmerkung zur Frage der von Dir angesprochenen Ausbreitung der Darstellungsspannung:
Die Polarität aus Öffentlich / Nicht-öffentlich (Sennettscher Prägung) wäre meines Erachtens zu widerrufen und anders, den Gegebenheiten angemessener zu denken.
Mein Vorschlag besteht darin, eher von stark oder gering medial übertragenden Räumen und Situationen zu sprechen (physisch und zeichenhaft), von einerseits “Medialen Personae”, Masken des Übertragens, deren wir alle ja einen gazen Schwarm von ausprägen – und andererseits von seltenen, aber höchst bedeutsamen Durchbrüchen und Liquidierungen (als gleichermaßen Auflösungen und Verflüssigungen) einer gegenwärtigen Persona.
Hier (Preprint!) etwas ausführlicher zum gesamten Verhältnis zwischen “Intimität und Medialität”;
und hier [PDF] besonders zur “Tektonik der Medien”, den Spannungsgebilden und Bauformen des Übertragens – vor Ort, über die Zeit und durch die Geschichte.
was für eine billige rhetorik, des kanzlers, der-weil er ja ein kriegskind ist- menschen killen wollte und die “democrazy” mit notstandsgesetzen etwas “erweitern” wollte.
traurig, das seine “offenheit” ihm heute als pluspunkt ausgelegt wird, von menschen die glauben progressiv?? zu sein.
es zieht sich ein faden vom kriegsende zum 11. september, den herr schmidt bewußt mit-geflochten hat..
kotz.
das interview von lorenzo war ganz flott inkl. loki dabei – die sache mit dem krieg usw und der ganzen “scheisse”(sic) ist schmidts schutzmechanismus, panzer (in wahrheit ist er nämlich ständig vor stress in ohnmacht gefallen, so anschaulich eine flotte journalistenrunde weiland bei maischberger inkl des vergleichs medien damals und heute, jeder politiker hat heute einen verinnerlichten presseoffizier in sich im vergleich zu damals, nicht seit dem internet, sondern seit dem satellit, das internet hatte so einen effekt überhaupt nicht, gar nicht vergleichbar, so die, die´s wissen müssen, weil sie den vergleich kennen — unisono scholl-latour, lindlau und co, dass sie krisenmanagement heute keinem deutschen politiker zutrauen würden, niemand von denen habe format im vergleich zu denen von damals)
die krone des interviews ist aber, dass schmidt sehr offen formuliert und die gefangenschaft schleyers unausgesprochen mit guantanamo vergleicht (terrorismus-staatsterrorismus) – ebenso betont er die rolle der nazis nach 45, die eben besonders auch im justizapparat einfach wieder aufgenommen wurden, das ganze gesocks inkl ämter besetzte bis bonn (was u a zur raf überhaupt mit führte – die versockste politik nach 45, von schmidt klar kritisiert) – weiter schmidts betonung, dass er die atomminen verhinderte in den 60ern, die die amerikaner so sehr wollten… eine nukleare mauer, von der keiner mehr redet, weil sie nicht gebaut wurde
wem hat die raf eigentlich nicht geschadet (übrigens ein social network)
netzwerke nannte man früher übrigens konspirative verbindungen…