Manifest des Affirmationismus

Gestern fiel mir Merves neuer Alain Badiou in die Hände und blieb einfach da.

“Die Berufung der Kunst in all ihren Formen besteht darin (im Gegensatz zu ihrer aktuellen Neigung zur inkonsistenten Mannigfaltigkeit), sich die unmoralische, rückhaltlose und – wenn sie Erfolg hat – zutiefst unmenschliche Kraft der Affirmation wieder anzueignen.

Erklären wir erneut die künstlerischen Rechte – über die Menschlichkeit – auf unmenschliche Wahrheit. Akzeptieren wir erneut, von einer Wahrheit (oder von einer Schönheit: das ist dasselbe) durchdrungen zu sein, anstatt peinlich genau die Feinheiten unseres Ausdrucks zu beherrschen.

Es geht darum, zu affirmieren. Und deshalb ist dieser Entwurf der eines Manifestes des Affirmationismus.”

Alleine schon diese Geste. Was zu wagen. Schön. – Alain Badiou, Dritter Entwurf eines Manifestes für den Affirmationismus, Merve Verlag Berlin, 2007, S. 9

7 Responses to “Manifest des Affirmationismus”


  1. 1 Ongaku

    Affairmatives Manifest.

    fairpfeffern, fairhauen, fairstreuen, fairsuchen, Faire, Fairmann, Fairunglück, fairunglückt, fairdrehen, Fairse, fairladen, fairmachen, Fairmächtnis, Fairein, Fairlag, fairkehren, Affairmation, affairmativ, fairlieren, fairpesten, fairnichten, fairschlucken

    cannot escape it´s aff(a)irmation

    whooops, just so

  2. 2 Andreas77

    Warum die rückhaltlose Affirmation unmenschlich sein soll, ist mir alles andere als klar. Auch “unmenschliche Wahrheit”? Erklärungsbedürftig.

  3. 3 D.Botson

    Auweia. So ähnlich verdüsterten Kram schrieb uns damals schon Franz Marc aus dem Felde. Das Recht der Kunst unmenschlich, “übermenschlich” zu sein, um einer höheren “Wahrheit” willen. Auch er hatte die Nietzsche-Lektüre nur schlecht vertragen. Und die von ihren Eltern mit politischen Korrektheiten so arg gepeinigten Kinder-der-68er™ lesen das natürlich gerne, gegen irgendwas muß man ja auch sein. Kauft euch den Focus, Leute.

  4. 4 Ongaku

    als im Erstsemester eines Erststudiums von diesem Studium gelangweilt im Seminar und davor und danach Lyoatrds Essays zu einer affirmativen Ästhetik las (auch Merve) bekam ich dasselbe irgendwie zu hören inkl der entgeisterten Entgegnung – he, ich dachte, Du seist subversiv – und der ältere spätberufene Student, der damals schon älter war als meinserseits heute, legte mir tags darauf einen Band mit dem Titel Spaßguerilla hin –

    der Merve-Band von Lyotard war bereits uralt… und Lyotard nen Tick noch älter als der Band…

    …wer die Probleme hat, sind die Vertreter der “reinen” Lehre (der reinen Leere) – wer das Reine vertritt hat ein Autoritätsproblem, ist (wird ja gecuttet wie ich annehme) anal-sadistisch fixiert (ist so) und steht viel mehr dort oder ist in Gefahr dort zu stehen, wo er die anderen hinprojiziert, die keine Angst vor der Vokabel “affirmativ” haben…

    … so, und dann würden sie vielleicht mal selbst lesen, was sie kritisieren… der Band ist so ziemlich antipodisch vom Focus als überhaupt möglich…

    die einzige Kritik, die ich habe… Achtung vor neuen Fundamentalismen in komplexer werdenden Welten…

  5. 5 Aki Arik

    Affirmation? Distanz? Eine Frage des Temperaments und der inneren Kraft als eine des Intellekts?
    Affirmation, begeistertes Aufgehen im transindividuellen Strom des „Ist“? Ein „Ernst-Jünger“-gleiches schonungsloses Eintauchen in das Stahlbad des Seins.
    Wie die Lust treibt sie uns nicht in die Tiefe, nur der Schmerz spornt uns an. Affirmation bis hin zur Vereinigung – nimmt dem Einzelnen die unerträgliche Last des Individuellen?
    Die Distanz mit ihrem Blick von Außen macht Dinge sichtbar. Zur Distanz geradezu verpflichtet? Distanz bis zum Paria?
    Auf einem Weg der Mitte beide Extreme ausleben?

  6. 6 Ongaku

    um den teutonischen Beispielen was andres dazu zu geben

    auf das Ausgrenzen von Klängen verzichten ist affirmativ –

    das Offene für Momente – das Nicht-Hierarchische

    mit dem Begriff der Wahrheit, den er einführt, fällt Badiou ein bisserl zurück

    er konstruiert ja auch was

    das Affirmative ermöglich viel eher, unterstützt

  7. 7 Mario Tronti

    War ja klar, dass das ankommt!

    Wieder einmal ein Text, der ohne Kontext zirkuliert.

    Les géants de la pensée postmoderne française ont
    disparu mais il y a toujours une infrastructure qui tentent d’entretenir la flamme de la “rébellion”. Bref, une place à prendre pour Badiou: il est “radical” politiquement et philosophiquement (un peu comme le poète Negri). Son anti-sarko tombe bien, enfin un intello bouge, alors…
    Back in the days: style hyper-abstrait à prétentions logico-mathématiques.

    Scholastic fallacy galore!!!

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