Neulich unterm Kronleuchter mit Sascha Lehnartz über seinen treffenden Artikel geplaudert und hier einer Meinung gewesen: Zeitungen transportieren zwar Schlagzeilen, dass Jungs in der Schule hinter den Mädchen zurückbleiben und Ministerien finanzieren Projekte, die “Neue Wege für Jungs” heißen. Heißt: Hier tun alle so, als ziehen die Jungs an den Mädchen vorbei. Nur weil die besseres Abitur machen und schneller ihr Studium durchziehen. Aber ist das nicht Humbug? Muss man sich als Junge wirklich Sorgen machen?
Kein Grund, Amok zu laufen, es ist doch so: Das reale Arbeitsleben sieht anders aus. Für das schmeißen die Jungs einfach ihr Studium und haben dann schon Jahre Berufserfahrung, wenn die Mädchen Bachelor-gekrönt ins post-universitäre Nichts rauspurzeln. Martin van Crevelds These, dass die Dominanz von Bastionen immer schon gefallen ist, wenn Frauen sie erobern, ist nicht ganz ohne – was auch immer man von seinem Frauenbild hält. Das Studium in Deutschland ist jedenfalls immer weniger wert. Toll, dass so viele Frauen es jetzt abschließen. Studieren? Nur noch im Ausland.
Außerdem: Spätestens wenn die jungen Frauen im Arbeitsleben auf ihre immer noch männlichen Chefs stoßen, wie diese hier im Bild zum Beispiel, funktioniert das System genau wie früher. Es macht Frauen Probleme. Ist ja auch nachvollziehbar: Wenn einem neben den Hierarchie-Unterschieden dann noch Geschlechterdifferenzen in den Weg kommen, ist das Arbeitsleben mit Jungs schlichtweg einfacher. Da passiert dann automatisch unabsichtliches male-bounding und hups, schon hat durch die Hintertür der strukturelle Sexismus wieder Eingang gefunden, ohne das jemand das wirklich wollte.
Was um so mehr heißt: Die Panik um die Zukunft der Jungs in einem Land, in dem die Top-Positionen im Management immer noch hochprozentig von Männern regiert werden, ist nicht nur albern, sondern peinlich. Das scheint eher ein Halten des Status Quo: Der Diskurs tut so, als wären Frauen schon ganz weit, dann kann man vor dem immer noch ungerecht ausbalancierten Leben da draußen mit dem Was-wollt-ihr-denn?-Verweis die Augen verschließen. Ganz toll. (Und Fieber habe ich auch.)

Mercedes, du redest wirr und verzerrst (bewusst?) Tatsachen.
“Was um so mehr heißt: Die Panik um die Zukunft der Jungs ist … peinlich”
Dein Artikel ist peinlich: In jeden Absatz 1-2 inhaltliche Fehler und Fehlinterpretationen.
Die Jungs in dieser Alterskohorte sind die Opfer – statistisch nachgewiesen. Du verhöhnst Sie – nein Du sprichst Ihnen gleiche Lebenschancen ab.
Die Jungs die Du hier verhöhnst können nichts dazu, dass Du in Deinem Job und mit dem Leben überfordert bist – Deine Chefs übrigens auch nicht.
Passt meine Meinung in Dein Weltbild? Nein! Deshalb wirst Du nach Gründen suchen, warum ich “ein Böser” bin und wirst Deine Antwort diskriminitionskonform darin finden, dass ich ein Mann bin. Und dann wirst Du – nicht zur Selbstreflexion fähig – meine Meinung als “frauenfeindlich” stigmatisieren. Und dann wirst Du dein gleichen Müll verbreiten wie bisher.
Willkommen in der Realität, Mercedes: Genau so wie Du Dich verhalten wirst, verhalten sich religiöse FanatikerInnen immer und überall.
Ich mag keine FanatikerInnen
Robert
PS: Solange der Frauenanteil bei der Müllabfuhr – und anderen gefährlichen Männerberufen – nicht mindestens genauso hoch ist wie im Management solltest Du die Bälle bezüglich “Frau und Karriere” sehr flach halten!
Spricht mir aus der Seele. Hab heute eine Ausladung von einem zweiten Bewerbungsgespräch um eine leitende Position beim führenden deutschen Chemiekonzern bekommen, nachdem die erfahren haben, dass ich schwanger bin. “Werden Sie erstmal glückliche Mutter…”. Da kann man nur hoffen, dass es ein Junge wird…
Robert, wie gesagt, ich glaube die Benachteiligung der noch sehr jungen Jungs ist nur scheinbar. Sie sind keine Opfer. Auch weil: Wenn man erst einmal einen Fuss in einem Projekt oder Job drinnen hat und etwas Berufspraxis vorweisen kann, guckt eh keiner mehr auf das Zeugnis – meine Erfahrung. Also verhöhne ich hier keinen. Die Scheinheiligkeit des Diskurses vielleicht – das stimmt.
Und Bärbel: Da habe ich gerade eine positive Überraschung erlebt – und trotzdem nenne ich das Überraschung nicht von ungefähr. Wir haben eine schwangere Redaktionsassistentin eingestellt, weil sie einfach gut war. Worauf ich auch dem Geschäftsführer gesagt habe, wie sehr ich mich in so einer Welt über so eine Entscheidung freue. Selten.
In Deutschland tut man eben immer noch so, als ob schwanger sein eine Krankheit ist und hindert alle Frauen, die gerne “working mums” werden wollen, daran, das zu tun. Aber tu mir den Gefallen: Versuche es weiter! Denn dass du dich schwanger überhaupt bewirbst, ändert schon viel, finde ich. Wirklich.
Nur kritisch reicht nicht.
Liebe Mrs. Bunz,
wer so argumentiert hat meines Erachtens entweder den emanzipatorischen Geist des Feminismus nicht richtig verstanden oder will ganz bewusst einen “Kampf der Geschlechter” inszenieren.
Die hier vorgetragene Argumentation geht von zwei Bestandsaufnahmen aus, die die Teilhabe an der Gesellschaft betreffen:
1) Es wird zur Kenntnis genommen, dass (neue) Benachteiligungen und Ausgrenzungen im Jugendalter entstehen, die insbesondere Jungs treffen.
2) Das Frauen im Erwerbsarbeitssystem krassen Ausgrenzungen gegenüberstehen.
Anstatt von diesen Bestandsaufnahmen ausgehend nun eine gesamtgesellschaftliche Kritik zu formulieren, wird ein “Kampf der Geschlechter” inszeniert. Dazu wird davon ausgegangen, dass der Diskurs über die Ausgrenzung von Jungen in Konkurrenz zum Diskurs über die Ausgrenzung von Mädchen und Frauen steht. Mit dieser Argumentation wird die Ausgrenzung einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe gegen die andere Gruppe ausgespielt und der Tenor ist: Ausgrenzungen bei Jungen sind nicht so schlimm, weil gesamtgesellschaftlich gesehen Jungen/Männer eh in der besseren Lage sind.
Nachfolgend möchte ich zeigen, dass diese Argumentation entweder naiv oder aber sogar fatal ist:
Zur Empirie:
1)
In der Tat gibt es in der neueren Forschung Anzeichen dafür, dass sich gesellschaftliche Ausgrenzungsprozesse verändert haben (ohne dabei immer ältere Ausgrenzungsprozesse zu entkräften). Für die Jugendphase wurde als Prototyp gesellschaftlicher Benachteiligung klassischer Weise das “katholische Arbeitermädchen vom Land” ausgemacht. Neuere Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass dieser Prototyp für die Jugendphase so nicht mehr stimmt: Vielmehr verdichten sich Anzeichen darauf, dass dieser Prototyp heute eher männlich, mit Migrationshintergrund, armutsbelastet und (groß-)städtisch ist, also prototypisch vom türkischen Großstadtjungen der dritten Einwanderungsgeneration die Rede ist. Solche Prototypen hinken natürlich, aber die Tendenz sollte deutlich werden.
2)
Die zweite empirische Feststellung ist, dass junge Frauen den jungen Männern hinsichtlich ihrer formalen Qualifikation an der Schwelle zum Erwerbsarbeitssystem in nichts nachstehen, sondern häufig sogar bessere Qualifikationen aufweisen. Gleichzeitig jedoch deutlich nachzuweisen ist, dass sich dies nicht auch in gleichem Maße auf das Gehalt und Karrierechancen auswirkt. Das Versprechen der Leistungsgerechtigkeit im Erwerbsarbeitssystem erweist sich hier als eine Farce. Frauen sehen sich einer massiven Ausgrenzung von Teilhabechancen am und innerhalb des Erwerbsarbeitssystem gegenüber (von einer mangelnden Anerkennung von Arbeit außerhalb der Erwerbsarbeit ganz zu schweigen)
Ausgrenzung und das Individuum
Zahlreiche Forschungsergebnisse zeigen, dass Ausgrenzungserfahrungen und mangelnde Anerkennung nicht nur die Chancen zur Teilhabe an der Gesellschaft verringern, sondern eben auch und vor allem das Selbstwertgefühl und persönliche Entwicklung gefährden.
Schlussfolgerungen
Mit dieser Argumentation, soll darauf hingewiesen werden, dass verschiedene Formen von Ausgrenzungen in der berechtigten Gesellschaftskritik nicht gegeneinander ausgespielt werden können und dürfen. Ausgrenzungen bedeuten für das Individuum immer krasse Einbußen. Die empirschen Ergebnisse sind vielmehr gemeinsam zu erklären, wobei die Begriffe Race, Class und Gender (weiterhin) zentral erscheinen.
holger.
ich zitiere hier mal die jungs: “berechtigte gesellschaftskritik”.
manchmal ist es so einfach seinem unmut freien lauf zu lassen.
und soll es denn mehr sein, als eine bestandsaufnahme der schauerlichen verhaeltnisse?
ich glaube kaum, dass frau bunz sich die freiheit naehme, so fanatisch
wie (leider) beide herren hier, ihren unmut in eine allgemeingueltige formel zu fassen.
vielmehr vielleicht sollte ein austausch angeregt werden. wuenschenswert waere doch etwas mehr benimm und ist es nicht auch erwaehnenswert, dass sich die herren
gleich so auf den schlips getreten fuehlen, dass sie sich so sabbernd ereifern muessen, dass ihnen der ein oder inhaltliche, formale und grammatikalische faux pas : “Und dann wirst Du dein gleichen Müll verbreiten wie bisher” entfaehrt.
bleiben wir bei der BERECHTIGTEN gesellschaftskritik. danke,denn das ist doch das existentielle am besserwisen.
word up, holger!
Also mir verstellen sehr wohl Frauen die nächsten Stufen auf der Karriereleiter. Aber ich bin ja auch schwul. Nicht so schlimm wie schwanger, aber auch nicht nur schön in den Augen von Perso(a)nalern. Nö jo …
jetzt mal ehrlich – wer will denn eigentlich diese immer wieder ins Spiel gebrachten verfickten Top-Management-Positionen schon haben? Kann es nicht vielleicht eher sein, dass Frauen einfach kapiert haben, dass es keinen Spass macht Aufsichtsratsvorsitzende von VW zu sein?