Steinzeit

Das Internet ist ein chaotisches, rechtloses, informationsüberflutetes Medium, denkt das Landgericht Hamburg. Und räumt auf. Stefan Niggemeier soll ab sofort Medienhaus spielen und alle Kommentare vorab kontrollieren. “Wenn du zuviele Freunde im Internet hast”, sagte Mr. Bleed neulich zu mir, “hast du ein Problem – oder eine Firma.”

Früher war das anders: Das Internet, dachte man sich so, ist ein öffentlicher Raum mit vielen Möglichkeiten. Das faszinierende ist ja, dass es kein Speichermedium ist, sondern so etwas wie ein Verteilermedium. Was ermöglicht, dass Menschen dort miteinander in einen Dialog treten können und ihre Meinung äußern. Wenn man Blogger verpflichtet, Kommentare vorab zu kontrollieren, ist das ein massiver Eingriff in die Meinungsfreiheit.

Greift eine Überwachungspflicht, verändert man massiv die aktuelle Kultur von Blogs und Foren, da hat Stefan Niggemeier absolut Recht. Jeder wird sich vorher überlegen, ob er sich in seinem Blog oder Forum mit einem heiklen Thema befasst. Was das für die Meinungsfreiheit bedeutet, kann sich jeder selbst ausmalen. Und er sagt: Ich werde Berufung gegen dieses Urteil einlegen. Wenn wir helfen können: Gerne.

5 Responses to “Steinzeit”


  1. 1 Oliver

    Die Steinzeit profan fortwährend als Analogie für “alt”, “dumm”, “rückständig” zu gebrauchen sollte imho gerade heutzutage endlich ein Ende finden. Die Steinzeit war Fortschritt, Fortschritt der heutzutage mittels monetärer Gelüste fortwährend torpediert wird. Die angesprochene, vermeintliche Dummheit ist ein Zeichen des heutigen Zeitgeists und wie immer gilt, jeder ist seines Glückes Schmied. Eine Überwachungspflicht greift nicht, sondern Besonnenheit im Vorfeld. Was das für die Meinungsfreiheit bedeutet, nichts, denn Meinungsfreiheit ist eben nicht alles. Allgemein gesprochen, ich kenne nur die Aussage einer Partei und ergreife nur ungern Partei ohne tatsächlich Kenntnis beider Darlegungen. Früher war auch nichts wirklich anders, ich kenne ihre Arbeit und muß ihnen leider auch sagen ich lebte in dieser früheren Zeit recht glücklich und erlebte das Netz in seinen vielfältigen Formen bzw. auch schon die “Mailboxen-Kultur” zuvor. Der Unterschied, Meinung und Freiheit sind keine Einbahnstraßen. Was bei der heute oft propagierten “Meinungsfreiheit” über bleiben würde, wäre ein Schlachtfeld, aber nicht wirklich Freiheit. Der Freiheit geht u.a. die Vernunft voraus. Es ist immer eine Gratwanderung, kein Persilschein, dessen sollte man sich immer bewußt sein. Ich persönlich betrachte den Herrn Journalisten recht wertfrei, da mich die Dinge im prof. Umfeld kaum interessieren.

  2. 2 Oliver

    >Your comment is awaiting moderation.

    Übrigens ist dies ebenso eine Vorabkontrolle. Ich denke mal weniger ob des gesetzlichen Zwangs, sondern ob besonnenen Handelns ;-)

  3. 3 Markus

    Es ist irgendwie ironisch, dass ausgerechnet Stefan Niggemeier, der sich als Bildblogger (aus vielerei Gründen) gegen die Kommentarfunktion ausgesprochen hat, nun dieses Urteil erdulden muss. Immerhin ist es für die Blogosphäre zumindest ein kleines Glück, dass Niggemeier und der Perlentaucher rechtliche Rahmenbedingungen deutscher Blogs ausfechten müssen, weil dies einerseits Expertise anderseits Aufmerksamkeit im Verfahrensweg bedeuten dürfte.

    Es hätte weit schlimmer kommen können, da es zu derlei Klagen wohl ohnehin gekommen wäre.

  1. 1 Peterchen weiß Bescheid
  2. 2 mein-parteibuch.com

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