
Es geht los mit dem schönen Satz da unten, Tolstoj, Anna Karenina. Ein Buch, das mir die Freundin mit dem guten Geschmack verpasst hat, weil Jeff Noon, den ich sonst lese, immer wieder, ja viel zu langsam schreibt. Und irgendwie gut, ein ebenso präziser wie unterhaltsamer Blick auf die Upper-Class der russischen Gesellschaft am Rande der Revolution, also Austern, Champagner, Schlittschuhe und die zarten Anfänge des Kommunismus.
Nun gut, das ist wohl nicht weiter erstaunlich. Aber sich daran zu erinnern, dass man mal Gefühle von Gesichtsausdrücken und nicht von SMS-Sätzen abgelesen hat, das schon. Allerdings durchaus mit ähnlichen Ergebnissen wie heute: “Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.”
“Liebeskummer”, sagt S. zu mir und zupft sich an seinen grauen kurzen Haaren, “hat man heute nicht mehr mit Personen, sondern mit Situationen.” Und nachdem dieser Satz eine Weile durch den Raum flog, bevor er bei mir gelandet ist, stelle ich erstaunt die Nase in meine Tasse Tee mit Milch steckend diesen Gedanken von allen Seiten genau prüfend fest: Er hat Recht.
Ich ziehe also an meinen blonden Haaren, um zu überlegen, woran das liegt. Erstens schieben wir der Flexibilisierung die Schuld in die Schuhe, weil die auch die Beziehungen kreuzt. Heute geht es eben nicht mehr unbedingt darum, dass man auf die ‘eine’ Person trifft und dann bis zum Ende des Lebens und so weiter. Man parkt, und wenn man Glück hat, bekommt man den Parkplatz lange, selbst wenn man sich ab und an um eine Umweltplakette kümmern muss, damit man noch durch die Stadt fahren kann.
Zugleich ist aber auch das Verlassen des Teenagertums ein Grund, denn wenn man das Leben schon eine Zeit lang mitgemacht hat, wiederholt sich irgendwann das Elend. Dann wird das ganze Vor-die-Wand-Fahren abstrakter, man ist auf das Leben sauer, weil schon wieder, was nicht heißt, dass es trotzdem nicht noch dasselbe ist: ein anstrengendes Elend. Immer noch hilft dagegen jedoch eines, sagt S. und dreht die Anlage auf: Musik.
Nachtrag: Hey Umfeld, das ist ja sweet, aber nein, keine Angst.
Die Zombies kehren zurück. Überall. Schon auffallend, wie sich dieses Topic verdichtet, angefangen bei Blockbustern wie I am legend über Romeros nächsten Lowbudgetfilm Diary of the Death bis zum neuen Bruce la Bruce Otto or Up With Dead People. Wieso sind gerade nur überall Zombies?
Definitiv hat man den willenlosen Zombies einen Themenwechsel untergeschoben: In den Achtziger Jahren, sagt die Kinokritik, thematisieren diese schwankenden Teile das angepasste Dahinvegetieren des normativierten Durchschnittsbürgers. Das ist heute irgendwie anders. Bei I Am Legend, den ich gar nicht so schlecht fand (Will Smith ist aber auch eine schöne Oberfläche), sind sie das Ergebnis einer sich selbst überschätzenden Wissenschaft und aus einem Mittel, das Krebs heilt, mutiert ein unkontrollierbarer Virus. Ist deshalb das Aussehen wie nach einem Autounfall wieder schick oder gibt es da noch mehr Gründe? Jedenfalls schon irgendwie auffallend…
Zu beschäftigt, die verschiedenen Identitäten zu bedienen, die man mit sich herumschleppt, um Sätze in das Blog zu schreiben. Radikaler Feierabend von sich selbst wäre auch mal wieder gut.
Zum Beispiel im Chanelfummel unmotiviert in der Gegend herumstehen, Handgelenk abknicken, nichtsnutzig auf den Boden oder in die Luft gucken, Handtasche baumeln lassen und überhaupt nichts zu sagen haben.
Guter Plan.