Eins. Der Diskurs, der sich seit einiger Zeit in den Zeitungen post-kinderaufzucht-mässig breit macht, fordert die Frauen jetzt massiv dazu auf, sich endlich als vollwertige Arbeitswesen dieser Gesellschaft zu sehen und ganz nach oben zu greifen. Egal ob Gehalt oder Karriere. Die Zeit widmet diesem Topos ganze Ausgaben und Dossiers und Bildergalerien, die FAZ legt nach und ermahnt nochmal alle, auch wenn ich die These, die Frauen hätten versagt, aus verschiedenen Gründen verunglückt finde. Nicht nur, weil sie Caterina “Flickr” Fake verpasst und nicht nennt bzw. die uns vorgehaltene Unternehmergeneration noch heftig in Frauen diskriminierenden Zeiten gewachsen ist. Wenn auch das Problem, dass Frauen sich nicht trauen zu scheitern, schon was hat. Der Knackpunkt der These ist aber vor allem jener, den mein Pa neulich während unserer Diskussion folgendermaßen beschrieb: “Männer machen Karriere? Nein, die meisten von uns tun das nicht, die arbeiten doch einfach nur.”
Zwei. In den neuen guten Filmen, sagen wir mal There will be blood, No country for old men zum Beispiel, kommen Frauen als eigene tragende Rolle gar nicht vor. Großflächig abwesende Minibezugspersonen. Nicht einmal bei einem Film wie Charlie Wilsons War über den Afghanistankrieg, der auch optimal aus einer anderen Perspektive – siehe Foto unten – als Joanne Herrings War hätte gedreht werden können. All das hat Film für Film sicher alles gute Gründe – sind ja gute Filme. Trotzdem es bildet in der Häufung eben einen Diskurs (denn Diskurse bilden sich aus Haufen), den ich seltsam finde. Verschärft kann man diagnostizieren: Frauen spielen gerade, in einer post-pc-Kulturwelt, keine interessante Rolle.
Drei. Erkältungsbedingt Karsamstag in Baltimore verbracht, was heißt, die zweite Staffel The Wire einfach durchgeguckt. Weil irre gute Serie, der Roman von heute. Und doch wieder seltsam gefunden: Zwar hat man sich damals, vor fünf Jahren, noch bemüht, die ein oder andere coole Rolle für Frauen oder Homosexuelle zu schreiben oder am besten gleich, äh, homosexuelle Frauen. Kima meine ich. Aber während die Männer ab und an in Bars Frauen abschleppen, bleiben die Frauen in der Serie immer nur die abgeschleppten Personen. Die lesbische Kima darf vielleicht noch mal kurz davon reden, dass sie jemanden sexy findet, das war es dann. Es bleibt irgendwie offen, wie es eigentlich kommt, dass Jungs diese Frauen finden. Wahrscheinlich haben einfach Jungs das Drehbuch geschrieben und sich nicht gefragt, was denken sich diese Frauen? Und so kam es eben dazu: Während die Serie die Motive der Jungs aufruft – Betrunkenheit, Verzweiflung, Spass oder mal eben den eigenen Marktwert checken, haben die Frauen keine Motive. Die sind einfach da.
Vier. Was so ganz nicht damit in Einklang zu bringen ist, dass in meinem Umfeld die Mädchen selber immer wilder werden und ausgiebig unter Freunden darüber grinsen. Und die Freunde mit ihnen. Jedenfalls hat der Diskurs, schließen wir jetzt mal kurz, offensichtlich also beschlossen, sie außerhalb von tendenziellen Frauenserien wie Cashmere Mafia einfach gar nicht mehr vorkommen zu lassen. Being a post-pc-girl 08 muss erst noch erfunden werden.



