Gestern auf einen Text getroffen, von dem einige Zipfel einfach fest gepackt werden mussten:
Die Theorie im Moment ihres Absprungs – in der Präzision der Besonderheit von Details entsteht der Umsprungsort in die allgemeine Erfahrung – wie geht es weiter? Keine Ahnung. – Man erschrickt –
erschrickte ich, erschrug
ich war erschrucken, Schreck
erschreckte und erschrak
erschrakte, ragte, schrukte mich –weicht also aus – Lauter Verrisse: stressig, aber schön.
Was ein Text, hier in ganzer Schönheit, den nimmt man doch gerne am Arm und denkt mit ihm nach, folgt ihm, wie er von der Theorie über die Literatur ins Formale kippt und wieder zurück in eine Haltung. Okay, vielleicht kann man sagen, dass die einzelnen Momente, die Rainald Goetz hier geknipst hat, für sich gesehen keine neuen Beobachtungen sind. Ja nein, ich bin kein blinder Rainald Goetz Fan, nie gewesen. In dieser Art, wie sie aufeinander treffen, wie sie zusammen gesetzt worden sind, sind sie einfach schön.
Und so etwas, das ist da draußen auch nicht mehr so häufig, weil warum soll es das geben, ist mir auch nicht mehr so klar, also gefährdete Art quasi: Kultur. So kommt mir das zumindest vor. Das Bildungsbürgertum, sage ich zu AK über einem schwarzen Kaffee, das ist tot. Das ist jawohl okay, sagt er, schiebt Nachdruck dazu und ich nicke. Aber dann muss man mit dem Denken fort fahren, spinne ich weiter, denn ein Effekt ist: Die Avantgarde hat damit keine Funktion mehr. Die offene Frage lautet also gerade, wozu eigentlich Kultur?
Eine Frage, die wir dann schnell mit der Bemerkung vom Tisch hinunter auf den Boden stellen, dass heute die Dinge auch ohne Lösung funktionieren. Nôze zum Beispiel. Was nichts daran ändert, dass die Frage dort stehen bleibt und zu Nôze im Takt wippend wartet, unter dem Tisch.

Vielleicht doch eher Bildung statt Kultur (die ja immer ein Fremdgeformtes meint)? Aber Bildung nicht im Sinne von: “ich lerne die Regeln einer Kultur”, sondern eher als: sich ins Bild setzen. Obwohl und weil man weiß, dass man ständig aus dem Rahmen kippt. “Umsprungsort in die allgemeine Erfahrung”, gefällt mir auch gut.