Monthly Archive for October, 2008

Nach diesem Satz: Christian Kracht ist, neben vielen anderen netten Dingen, der abgebrühteste Waffenlose, den die Militärschriftstellerei je erlebt hat, endlich das getan, was ich schon lange vor hatte: Das Buch gekauft. Und weil ich Kracht mag, feiner Schriftsteller, braucht es eine besondere Buchhandlung: Pro qm. Da man sich dort schon klüger fühlt, wenn man plaudernd zehn Minuten zusammen mit den gedruckten Waren an der Kasse steht. Jetzt Vorfreude.

Die Verhältnisse sind nicht mehr schuld

“… an der anschlussfähig narzisstischen Produktion von Glückszwang beteiligt(), der ins Persönliche gewandten Utopie, der postfordistischen Verpflichtung, sein eigenes Glücklichsein verlässlich selbst zu produzieren, um sich besser, gesünder verkaufen zu können, und nicht den Staat (oder die Kunst) damit zu belästigen.”

Diedrich Diederichsen: Eigenblutdoping. Selbstverwertung, Künstlerromantik, Partizipation. Kiwi 2008, 191

The Return of the Real?

Neulich nach LessRain mit SH und dem Professor überlegt: Wenn jetzt die Finanzmärkte wackeln, der Konsum einknickt und die Arbeitsplätze und damit das Geld wieder Mangelware werden, kurz Rezession, kriegen wir dann wieder alternative Werte? Wie Solidarität, Gemeinschaft, Freundschaft, Familie oder sogar: Revolution?

Eine kurze Weile macht mir das Spaß. Ich teste übermütig Sätze wie: “Au ja, lass uns wieder arm werden” an meinen Gesprächspartnern, die daraufhin mit den Augen rollen. Was unnötig ist. Gerade als ich mit “Armut macht frei” die bewundernswerte Radikalität der Franziskaner in Anschlag bringen will, da werde ich nachdenklich. Die Gefahr ist natürlich, dass all die schönen Abstracta pappig verklebt als Ersatzreligion des Geldes missbraucht werden. Um das Volk ruhig durch die Krisenzeit zu schieben. Uh.

Kategorie: Wörter, die man einstecken muss: Runtercooling Programm
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