Monthly Archive for November, 2008

We are beautiful, we are doomed!


Yeeeeeeeeaaaah! Seit drei Wochen gibt es ein neues Album von den Los Campesinos aus Cardiff. Definitiv gerade meine Lieblings-Indie-Pop-Energie-Soundwand. Diesmal noch viel wilder, verspielter und verwirrter als auf den letzten Alben. Ways to make it through the wall? Here!


Dass ausgerechnet Bild-Kai-Diekmann versteht, dass der Leser heute eben nicht mehr einfach nur jemand ist, den man bespielt, kann man nicht so stehen lassen.

Im Wartezimmer beim Arzt flatterte mir aus der FAZ die Broschüre zum IT-Gipfel unserer Bundesregierung vor die Füße und ich habe mich geärgert.

Das Buch zur Krise

Was da eigentlich los ist, mit dem Geld heute, warum wir vier Sorten Geld haben, wie Bank und Staat, Kredit und Konsum zueinander stehen und weshalb Demokratie die Organisierung von Zustimmung ist, das erklärt dieses Buch. Zwischendurch verwöhnt es einen noch mit angenehm absurden Sätzen, die humorvoll das Denken anregen: “Du hast nichts. Das teilst du auf. Damit wird es zählbar. Für die Aufteilung hast du eine Behörde.” Und genau deshalb weise ich hier darauf hin. Nur deshalb. Nicht, weil ich mit Stefan Heidenreich über einen Langzeitraum hinweg schon ziemlich viele Stunden die Welt, das Leben, die Theorie durchdiskutiert habe und wir neulich im Harz waren. Sondern weil: Sein Geld ist das kleine Buch wert. Ich schwöre.

Eine Putzmitteldebatte muss her

Gestern die Banken, heute die Autos, morgen schauen wir dann mal. Friedrich Schneider, ein Wirtschaftsprofessor, sagt auf Carta, dass es aus seiner Sicht zum derzeitigen System der Marktwirtschaft keine Alternative gibt. Seltsam, dieses Argument purzelt einem dieser Tage allerorten massiv vor die Füße. Nur wieso eigentlich? Wer braucht das? Hat das irgendjemand gesagt?

Man kann gerne mal kurz aufstehen und aus dem Fenster sehen: Niemand steht da draußen auf der Straße herum und marschiert für die Abschaffung der Marktwirtschaft. Wenn hier irgendjemand die Marktorgien der letzten Jahre in Frage stellt, dann ist es his royal flexible highness, der Kapitalismus, dieses sich selbst reinigende System.

Was wir erleben ist keine Abschaffung des Kapitalismus, im Gegenteil. Von links bis rechts versucht man sich an seiner Rettung, auch mangels einer überzeugenden Alternative. Die hat man nicht, dafür aber ein paar Variationen: Die Amerikaner investieren zwar auch in ihre fallenden Firmen, werden aber zum Stützen der Wirtschaft vor allem, glaubt man Paul Krugman und einigen anderen, in den Konsum investieren, damit friedlich weiter Schulden gemacht werden können. Spend on! Denn tun sie das nicht und retten ihre Moneten, dann haben die Unternehmen keine Einnahmen mehr und müssen Leute entlassen, die dann Schulden machen müssen. Dann doch gleich Schulden in the first place, denkt sich Krugman (hier beispielsweise).

Die Deutschen dagegen, deren Wirtschaft ja nicht auf Binnenkonsum, sondern auf Export aufgebaut ist, halten an der Subventionierung ihrer Großunternehmen fest, die zwar schon lange nicht mehr “ihre” sind, weil ja Globalisierung, aber egal, der Arbeitsplätze wegen; denn wenn die Großunternehmen die Arbeiter auf die Straße schicken, wie das im ersten halben Jahr 67 000 chinesische Firmen getan haben, dann sind die Kosten für das Sozialsystem höher als die Subventionen. Soll der Staat also Arbeitslosigkeit bezahlen oder via Unternehmen die Arbeit? Oder soll er den Konsum bezahlen und so die Produktion ankurbeln? Hm.

Und das heißt: Nein, die Marktwirtschaft steht nicht zur Debatte. Sehr wohl aber welche – und das ist wichtig. Welche Form einer Politik der Marktwirtschaft ist die intelligentere und gerechtere Reaktion auf die Krise? Wer profitiert von welchem Geld? Ein paar echte politische Entscheidungen stehen an. Jo. Und theoretische Arbeit: Die Aufgabenverteilung von Staat und Wirtschaft muss man wohl oder übel neu überdenken. Soll der Staat die Wirtschaft retten oder zerstört die Wirtschaft den Staat? Klappt das alles in Zeiten der Globalisierung? Passen diese Begriffe noch auf unsere Praxis? Welche Erzählung wird gefahren, welche wollen wir haben?

Harz.

Was Wikipedia meine Augen von Obamas Wahlkampf gelernt haben.

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Die Kultur jahres-end-abgeklappert

Das letzte Wochenende wurde kurzerhand Schottland in den Harz verlegt, wegen der Ruhe. Das davor komplementär in der Kultur verbracht, und sie war nett, die Kultur. Das fand ich schon überraschend. Zum Beispiel hier: Bei Julian Goethe, Events During Flood, Galerie Daniel Buchholz oder Daniel Tagno, High End Vandalism Breaking Into Pieces, Circuleculture Gallery oder im 1. Stock von Katja Strunz, Einbruchstellen, Contemporary Fine Arts. Noch nicht gesehen, aber noch auf der Kultur-to-do-Liste: Nackt- und Abgasfarben, kuratiert von Gunter Reski, bei Kienzle und Gmeiner. Alles in allem also eher angetan, beim Spaziergang quer durch die Kunst. Trotzdem das Gefühl, sie ist abwartend, quasi leicht verhalten, als sondiere sie vorsichtig ihre Umgebung. Seltsam.

Im Zeichen des Hotdogs

Jetzt Change: Heute Morgen konsumiert eine müde und glückliche Redaktion bei der Festanstellung nicht Kaffee, sondern Würstchen.

538: Polls for Nerds. : )

Und weißt du was?, sage ich zu RML, der mit seinem neuen Online-Projekt Cartaweb gerade enthusiastisch nach den Richtlinien von Jeff Jarvis das Netz entdeckt und dafür gleich einen Text von mir freundschaftlich aufgeklaubt hat, weißt du was? Die Debatte ist durch das Internet in Gefahr, das Boulevard des Feuilleton zu werden.

Über die Festanstellung nachgedacht

Neulich einen längeren Text über Online-Journalismus geschrieben, der gerade in dem Buch Webwissenschaft – Eine Einführung erschienen ist und mir selbst irgendwie ziemlich bedächtig erscheint. Als ich später das Ganze nochmal in Englisch erklären sollte, wurde es deshalb gekürzt und um einige BPM als Journalism Today? On the Fragmentation of the Media Landscape hochgepitcht. Ich gehe dann mal, der Finanzkrise bei der Arbeit zusehen.