Monthly Archive for January, 2009

Hm. Hm. Powered by Kitsch: Form ziemlich traditionell. Naja. Interessant, dass Obamas Stocken beim Sprechen des Schwurs im Live-Blogging nicht aufgeschrieben wurde. Hm. Hm. Dann aber später mit dem Professor telefoniert, der Amerikaner ist und der einfach glücklich war. Glücklich, dass Bush verschwunden ist, glücklich, dass er sich in Zukunft nicht mehr überall andauernd für ihn entschuldigen muss, glücklich über die Rede, die quer über die Washingtoner Mall und zurück zu CNN hallte und sogar so glücklich, dass er am nächsten Morgen am Frankfurter Hauptbahnhof sämtliche nationalen und internationalen Tageszeitungen aufgekauft hat, von denen Obama herabschwörte – und das waren viele. Während ich mir das anhörte, dachte ich mit einem Mal nur, Mist, von der Reflexivität am Schopf gepackt und dem deutschen Kritizismus verfallen, hm, auch nicht immer gut. Hm. Hm.

Inauguration, ayeah.



Morgen ist es dann endlich soweit: Die USA bekommen einen neuen Präsidenten und die amerikanischen Freunde in meinem Umfeld sind allesamt, so ihr Beruf sie lässt, aufgeregt wie schnatternde Gänse in ihr Heimatland abgezogen – und zwar weitaus mehr als an Weihnachten. Die Inauguration von Obama ist irgendwie so etwas ähnliches wie die Hochzeit von Diana mit Prince Charles. Noch Jahre später werden wir wahrscheinlich wissen, wo wir an diesem Abend waren, als die USA und damit ja irgendwie alle (zumindest ein wenig und zumindest noch eine Zeit lang) einen neuen Präsidenten bekommen haben.

Und was das nun wird? Jedenfalls plant er keinen radikalen Bruch, jedenfalls hat er bei der Besetzung der Posten bis tief in das republikanische Lager auf Kontinuität gesetzt. Was den “Change” nicht zerstören muss, im Gegenteil. Change, sagte DD neulich an einer Theke, ist ja bereits, dass Obama president-elect ist – und wenn er folglich nichts anderes tut, als ein normaler Präsident zu sein, ist das eine intensivere Veränderung als wenn er ein schwarzer Ausnahmepräsident bleibt.

Change.gov?
Tatsächlich sind die politischen Forderungen und Prinzipien von Obama ja auch nicht besonders revolutionär. Anders ist dagegen schon, wie Politik verstanden, dargestellt und kommuniziert wird. Das fängt damit an, dass man lieber sein eigener Paparazzi ist, bis dahin, dass man die Leute online einlädt, Vorschläge zu machen, wie sich America verändern soll, auf die Gefahr hin, dass auf Platz eins weit vor der Verbesserung der Krankenversicherung oder dem Beenden von angeordneter Folter das Issue auftaucht, Marihuana zu legalisieren. Und endet damit, dass Obama nicht andauernd sagt, er wird alles besser machen, wie das hierzulande in der Politik üblich ist. Sondern dass er anmahnt, dass es nicht einfach wird, aber machbar, wenn man gewillt ist, den Kampf aufzunehmen. Jetzt kann man über mangelnde politische Prinzipien jammern. Man kann aber auch sagen: Einmal Community-Organizer immer Community-Organizer, wie AK gestern beim standesgemäßen Sonntagsabhängen bemerkte und befand, dass der Umstand, die USA als eine große Community zu verstehen, die organisiert werden muss, keine schlechte politische Visionen ist. Und dem würde ich mich jetzt mal anschließen.

Form hat manchmal mehr Effekt als Inhalt, oder mehr noch: Form ist manchmal vom Inhalt nicht wirklich zu trennen. Und deshalb gucken wir morgen im Haus der Bundespressekonferenz mit Institutionen (dem Berlin Institute und Carta), aber auch Menschen (außer mir Björn Böhning, Tobias Moorstedt, Stefan Heidenreich und Robin Meyer-Lucht) ab 6 die Inauguration von Obama. Wer in der Nähe ist, komme doch mal vorbei.

Dancing with myself

Here we go: Am kommenden Wochenende gibt es in Berlin einen geballten Haufen Diskodiskurs, genauer zu Musik zwischen Digitalisierung und Nische. Schaut doch mal vorbei. Jacques Attali und Diedrich Diederichsen erklären uns die Welt, Jens Balzer und Holm Friebe tauchen auf und denken ebenfalls nach und Matthew Herbert, Ulf Poschardt, Tobias Rapp und ich werden plaudern, angestachelt von Tobias Impulsreferat zur Clubkultur in Zeiten des Easy-Jet-Ravertums, da kommt nämlich demnächst sein wirklich gutes Buch. Außerdem gibt es Filme und natürlich Musik für gnadenlos guten Geschmack, neben Lawrence und Matthew Herbert spielen, juhu, die Young Marble Giants, da mache ich dann das Gleiche wie auf dem Diskopraxisfoto von Katja Henschel. Ach, kann man sich nicht immer so fühlen? Mist aber auch. Das ganze Programm hier und mehr da.


















Merksatz, Episode 2 oder wie funktioniert heute Kapitalismus?

Der Gedanke hinter dem hingeschluderten Satz war ungefähr so: Leistung zielt als Modus relativ gerade auf das Humankapital. Dessen Leistung muss gesteigert werden.
Effektivität ist da um einiges abstrakter. Im Modus der Effektivität spielt beim Kapitalismus das Humankapital nur noch eine Rolle unter anderem. Und das heißt: Die Leistung wird nicht mehr aktiv gesteigert, sondern das Humankapital wird einfach damit bedroht, dass es austauschbar geworden ist. Und damit es nicht austauschbar ist, steigert es seine Leistung. Kapitalistische Macht hat damit praktischer Weise direkten Druck, der ja immer auch direkt kritisierbar ist, nicht mehr nötig. Sie operiert mit einer perfiden Technik des Selbstregierens. Aber so einfach machen wir nicht alles mit. Wir passen auf.

Tastatur statt Bier, vielleicht auch mal Bier in Tastatur


Gestern so etwas wie Abi-93-Klassentreffen bei der Präsentation von Tom Holerts neuem Buch Regieren im Bildraum gehabt und gemerkt, dass ich das vermisse: Diskussionen, die man früher im halböffentlichen Raum an Bartresen hatte, bei denen man mit Überzeugung Ansichten gegeneinander stellte bis es krachte, Worte scharf stellte und wieder und wieder in Perspektiven bohrte, bis man irgendwo hinkam, wenn auch nur verwirrt ins Bett. Bartresen gibt es immer noch in meinem Leben, aber die Diskussionen, das haben wir gestern uns an einer festhaltend bemerkt, haben sich ins Internet verlagert, hierhin beispielsweise. Irgendwie gut, manchmal auch schade. Oder ist das nur in meinem Leben so? Hm.

Hups, da ist ja the History of the Internet

Das rettet den scheußlichen Tag zumindest ein wenig: K, die Trendscout für eine amerikanische Mobilfunkfirma ist, droppt ständig readwriteweb. Also gucke ich da gerade mal vorbei und stoße auf was? Den englischsprachigen Kurzfilm, in dem Melih Bilgil gekonnt mit jeder Menge schnuppeliger Icons die Geschichte des Internet erzählt – und als Basis dafür, das hat mich gefreut, mein Buch verwendet.


History of the Internet from PICOL on Vimeo.

Merksatz, mal schnell effektiv hier hingeschludert

Wenn Leistungsgesellschaft gestern war, ist der neue Modus des Kapitalismus: Effektivität. Notiere ich jetzt mal schnell, damit ich das nicht vergesse.