“Ist dir schon mal aufgefallen, dass niemand da draußen, aber auch wirklich niemand das System Kapitalismus in der Krise sieht?”, frage ich ON. “Niemand macht sich groß Gedanken, was jetzt kommen könnte. Alle hoffen einfach nur, dass die Krise bald vorbei ist. Ist das nicht seltsam?” “Nein.”, funkt ON durch die Telefonleitung quer vom Prenzlauer Berg zu meinem Schreibtisch am Potsdamer Platz hinunter und winkt mit dem Marx, “das ist überhaupt nicht seltsam. Der Kapitalismus ist überhaupt nicht in der Krise, ganz im Gegenteil. Die Krise war schon immer Teil des Kapitalismus, in der Krise funktioniert er am besten. Beispielsweise gerade eben jetzt.” Das könnte stimmen, überlege ich mir. Wäre jedenfalls eine Erklärung für die Abwesenheit der Abgesänge oder Neu-Systeme.
Monthly Archive for February, 2009

Klaut Facebook den Blogs die Zeit? Gestern anstelle zu posten eine Stunde auf Facebook abgehangen und mit den Freunden geplaudert. Gespielt sozusagen. Dabei immer noch das alte Problem vor mir her geschoben: Diffuse Nachrichten aus dem Leben kann man nämlich seinen Freunden senden oder aber auch Leuten, die ganz weit weg von einem unbekannter Weise herumlungern, sagen wir mal in Argentinien. Aber Bekannte in halber Entfernung, da wird es schwierig.
Wenn plötzlich beispielsweise die Arbeitskollegen den Kopf neugierig auf Facebook reinstecken, will man denen vielleicht nicht immer unbedingt auf die Nase binden, wie man sich fühlt. Nicht einmal wenn sie sehr nett sind. Umgedreht kippt man ja auch nicht den Freunden, die einen durch das Leben begleiten, dir Firmeninterna vor die Schuhe. Es macht nämlich durchaus Sinn, seine Privatheit auf Facebook vor den “Freunden” zu verteidigen.
Natürlich ist die Tendenz unübersehbar, dass das Leben immer mehr ein großer gemischter Salat ist und man auch mit Bildern, auf denen man inhaliert, US-President werden kann. Trotzdem muss man das Trennen in Kreise ja nicht ganz aufgeben. Ich beispielsweise bestehe auf verschiedene Rollen, an denen halte ich fest. Alleine schon weil es manchmal ausgesprochen angenehm ist, vor dem Privatleben zur Arbeit zu flüchten oder umgedreht von der Arbeit weg ins Wochenende.
Nur wie pflege ich das auf Facebook? Führe ich einen inneren geschützten Kreis ein, dem ich meinen aktuellen Status quasi exklusiv mitteile, like 10 Privacy Settings Every Facebook User Should Know. Oder halte ich das Wort “Freund” auf einem Plakat hoch und sage mir, dass Facebook schon dieser Kreis ist? Hm. Irgendwie eine unentschiedene Grauzone, dieses Facebook. Hmhm.
